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Chip erzeugt Strom aus Wärme - erste Gespräche mit Apple

21.11.2006 | 15:12 Uhr |

Die Firma Eneco entwickelt einen Chip, der Wärme in Elektrizität umwandeln soll. Während einer Vorstellung der Technik in London gab sie nun bekannt, bereits Gespräche mit ersten Interessenten zu führen, darunter Apple und Dell.

Enecos Chip hat zwei Hauptfunktionen, schreibt Green Business News : Je nach Einsatzzweck gewinnt er aus Hitze Elektrizität oder kann, wenn man ihn an eine Stromquelle schließt, als aktiver Kühkörper eingesetzt werden. Dann lässt er sich auf bis zu minus 200 Grad Celsius abkühlen. Die Technik ist bereits seit langem bekannt und geht auf den Edison-Richardson-Effekt zurück, den Edison 1883 zum ersten Mal beobachtet hat: Im Vakuum sendet eine geheizte Kathode Elektronen zur kühleren Anode, die Elektronenröhre und die Braunsche Röhre basieren auf diesem Prinzip. Zur Stromerzeugung aus Wärme fehlten bislang allerdings die technischen Voraussetzungen: "Der thermoelektrische Effekt und die Thermospannung werden zwar gerne im Physikunterricht demonstriert. Bisherige Bauelemente konnten aber nur bei einer Temperaturdifferenz von über 1000 Grad Celsius nennenswert Energie von Wärme in Strom wandeln", erklärte tecChannel im Jahr 2004 . Eine damals von Eneco und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Thermo-Diode sollte hingegen bereits ab 200 Grad Temperaturdifferenz funktionieren. Inzwischen verspricht Eneco, neue Bauteile ließen mit Hilfe neuer Isolationsmaterialien, die zwischen Kathode und Anode liegen, bereits bei kleinsten Temperaturunterschieden einsetzen und wandelten zwischen 20 und 30 Prozent der Wärme um. Ein nahe liegender Anwendungszweck der Technik ist es, die Abwärme eines Computerprozessors wieder in Strom zurück zu verwandeln. Der Eneco-Präsident und CEO Dr. Lew Brown geht aber von deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten aus: von der Luftfahrt über geothermische Kraftwerke bis hin zum Ersatz für klassiche Batterien: Ein Miniatur-Brenner verheizt Ethanol und wandelt die entstehende Hitze in Strom um, ein Notebook lässt sich dann wie ein Auto betanken. Brown glaubt, eine Revolution der Energiegewinnung stehe dank seines Produkts kurz bevor, die er mit der Erfindung des Transistors, des Fernsehens und des ersten Flugzeugs vergleicht. Doch auch wenn Eneco auf 48 schwebende oder zugesprochene Patente verweist und die Erfindung alleine für sich reklamiert, scheinen sich mehrere Firmen um die Vorherrschaft zu streiten. Power Chips PLC etwa verspricht eine höhere Effizienz und will bereits kurz vor der Markteinführung stehen. Eneco hingegen rechnet mit fertigen Produkten nicht vor Ende 2007. Noch rede man mit potentiellen Partnern wie Apple über mögliche Einsatzzwecke und werde dann erste Produkte zu Demonstrationszwecken herstellen.

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