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Intel sieht die Talsohle überschritten

16.04.2009 | 11:30 Uhr |

Chiphersteller Intel blickt nach einem schwierigen Quartal optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen rechnet mit für die Zukunft mit einer besseren Auftragslage.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel rechnet nach einem Gewinneinbruch im ersten Quartal mit einem Ende der Talfahrt. "Wir glauben, dass die PC-Verkäufe im ersten Quartal einen Boden gefunden haben und die Branche zu normalen Saisonverläufen zurückkehrt", sagte Konzernchef Paul Otellini. In Deutschland zog vor allem das Geschäft mit Privatkunden deutlich an. Auch der größte deutsche Chipkonzern Infineon berichtete von einer teilweise besseren Auftragslage und will in seinem Werk in Dresden wieder in voller Kapazität produzieren, nachdem die Mitarbeiter dort in Kurzarbeit waren.

Im ersten Quartal vermieste die Wirtschaftsflaute Intel das Geschäft aber nochmals kräftig. Der Überschuss stürzte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 647 Millionen Dollar ab. Der Umsatz fiel um mehr als ein Viertel auf 7,1 Milliarden Dollar (5,4 Mrd Euro), wie der Konzern am Dienstag nach US-Börsenschluss am Sitz im kalifornischen Santa Clara mitteilte. Etwa auf dieser Höhe sollen die Erlöse laut Intels Planungen auch im laufenden Quartal liegen. "Wir denken, dass wir die schwerste Zeit hinter uns haben", sagte Intel Deutschland-Chef Hannes Schwaderer der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Es gebe mehrere Anzeichen dafür, dass die Talsohle erreicht sei.

Optimistisch in die Zukunft

Intel gilt als wichtiger Indikator für die Technologiebranche und wegen des wachsenden Einsatzes von Chips in fast allen Bereichen auch für die Wirtschaft insgesamt. Der Chip-Riese hatte wegen der Konjunkturtalfahrt bereits zum Jahresende 2008 herbe Einbrüche erlitten und massive Einsparungen gestartet. Mehrere Fabriken werden geschlossen und bis zu 6.000 Jobs gestrichen. Die Chip-Branche zählt zu den Branchen, die am schlimmsten von der Flaute getroffen sind, weil sie großer Zulieferer der schwächelnden Autoindustrie ist.

Intel dominiert besonders den Markt für PC-Prozessoren. In vier von fünf Rechnern weltweit steckt heute ein Intel-Herz. Am gesamten Halbleiter-Markt hielt der Chipbauer 2008 laut den Branchenexperten von Gartner eine Anteil von gut 13 Prozent. Der Zweitplatzierte Samsung aus Südkorea kam auf die Hälfte.

Zahlen für Deutschland gibt das Unternehmen nicht bekannt. Zu dem Zuwachs im Privatkundengeschäft hat nach Angaben von Schwaderer auch die zunehmende Verbreitung von kleinen Laptops, sogenannten Netbooks, für den mobilen Internet- Zugang beigetragen. Für den Gebrauch zu Hause entschieden sich die Kunden hingegen häufiger für Laptos mit größeren Bildschirmen. "Nirgendwo auf der Welt werden so hochwertige Geräte gekauft wie in Deutschland."

Das Geschäft mit Firmenkunden in Deutschland entwickle sich im Mittelstand stabil. Bei den großen Konzernen gebe es zwar noch Zurückhaltung, allerdings hätten in einer Umfrage unter IT-Entscheidern 85 Prozent der Befragten gesagt, die Ausgaben künftig mindestens stabil zu halten. Intel beschäftigt weltweit rund 80.000 Mitarbeiter, davon rund 460 in Deutschland, vor allem in der Zentrale in Feldkirchen bei München.

Infineon erwartet bei seinen Quartalsergebnissen einen Umsatzeinbruch und roten Zahlen. Der Konzern hat bereits große Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. In Dresden, wo Infineon Spezialchips für Sicherheits-, Kommunikations- und Automobilelektronik produziert, zog die Auftragslage aber bereits wieder an, so dass der Konzern im Mai in voller Kapazität produzieren will. Ob die positive Auftragsentwicklung für die Dresdner ein erstes Zeichen für eine Erholung des Chipmarktes sei, könne jedoch überhaupt noch nicht abgeschätzt werden, sagte ein Sprecher den "Dresdner Neuesten Nachrichten".

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