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Chronik 2003: April

26.12.2003 | 08:15 Uhr |

iTunes Music Store revolutioniert die Musikwelt +++ Apple-Software für Video-Profis +++ Gewinnrückgang bei Apple +++ Acrobat 6 für Mac-OS X ist da

Am 29. April lüftet Apple den Schleier, der bislang auf dem Projekt Musik-Download-Service gelegen hat. Einiges ist im Vorfeld schon durchgesickert, etwa dass sich Apple mit allen fünf großen Labels einigen würde, auf Einzeldownloads setze, jedes Stück 99 US-Cent kosten würde und der neue Kompressionsstandard AAC zum Einsatz käme. Einige Details überraschten dann doch, das liberale Digital Rights Management etwa, das erlaubt, die gekaufte Musik auf drei Rechnern einzusetzen und beliebig auf CD zu brennen, wenn auch nur 10mal die gleiche Playlist. Download und Bezahlung aus dem Katalog mit zunächst 200.000 Stücken wickelt Apple mit dem von Amazon lizensierten und bereits im Apple Store eingesetzten One-Click-Verfahren ab. Was enttäuscht: Nur Einwohner der USA kommen in den Genuss des neuen Dienstes, die Verhandlungen mit den Rechteinhabern und Verwertungsgesellschaften in Europa ziehen sich hin, im Juni wird Europa-Chef Pascal Cagni alle Hoffnungen auf einen Start des europäischen iTunes Music Store im Jahr 2003 zerschlagen.
Allgemein halten Analysten die Preisschwelle für bezahlte Musikdownloads, Piraterie könne der iTunes Music Store auch bei kleineren Einstiegspreisen nicht unterbinden. Wer sich bislang kostenlos in Tauschbörsen bedient hat, den will Apple nach Aussagen von Musik-Marketing-Leiter Chris Bell mit Qualität überzeugen. Jeder der angebotenen Songs sei mit hundertprozentiger Zuverlässigkeit der Echte und liege in AAC-Qualität vor. Um Peer-to-Peer-Netze zu stören, haben die großen Plattenfirmen zuletzt selbst gefälschte Songs in das Web gestellt, so dass Teilnehmer von Kazaa und Konsorten häufig nach langen Downloads nur leere Files oder eine fluchende Madonna hörten.
Ob sich die Verantwortlichen aufgrund der Skepsis der Experten erst einmal in Fäustchen lachten oder ob für Cupertino der Erfolg des iTMS ebenso überraschend kam wie für die Industrie und Marktbeobachter, ist nicht überliefert. In der ersten Woche schon zählt Apple eine Million bezahlte Downloads, danach nimmt die Euphorie ein wenig ab, um zum Ende des Jahres wieder anzusteigen. Bis Ende Dezember wird Apple 25 Millionen Tunes verkauft haben, die Öffnung des Stores hin zu Windows-Anwendern macht es möglich, gegen Jahresende 1,5 Millionen Songs im Wochenschnitt über die virtuelle Ladentheke wandern zu lassen.
Dabei geht fast unter, dass Apple zeitgleich mit iTunes 4.1, das den iTMS integriert hat, auch die dritte Generation von iPods herausbringt. Die Geräte sind noch schlanker und eleganter als zuvor, haben dafür eine größere Kapazität - bis zu 40 GB. Dank einer Dockingstation, die Anschlüsse für Firewire und USB 2 bietet, entfällt der Unterschied zwischen Mac- und Windowsvariante bei den digitalen Playern, deren Steuerungssoftware noch mehr Komfort bietet, etwa Playlisten unterwegs zu erstellen.

Hardware renoviert

Dienstag ist ein guter Tag bei Apple. Für den iTMS erfindet der Mac-Hersteller den "New Music Tuesday", an dem neue Songs den ohnehin schon umfangreichen Katalog ergänzen, besonders unabhängige Plattenlabels drängen sich gerade zu auf. Doch schon einen Dienstag vor dem iTMS-Day überrascht Apple mit einer Hardware-Ankündigung. Beziehungsweise einer Renovierung der bestehenden iBook-Modelle. Während das 12-Zoll-iBook mit CD-ROM-Laufwerk einen G3-Chip mit 800 MHz und eine Festplatte mit 30 GB Kapazität integriert hat, arbeiten die Modelle mit Combo-Laufwerken jeweils mit 900 MHz Taktrate und einer 40-GB-Platte. Die Grafikkarte ATI Mobility Radeon 7500 des günstigsten iBooks, in den USA für 999 Dollar exklusive Mehrwertsteuer und in Deutschland für 1.274 Euro inkl. MwSt. zu haben, hat jetzt 32 MB Videospeicher wie die Chips der teureren Varianten. Dabei kostet der 12-Zöller 1.623 Euro und der 14-Zöller 1.855 Euro.

Umstieg vollzogen

Während die Publishing-Szene immer noch auf einen offiziellen Termin für Xpress 6 wartet, prescht Adobe mit Acrobat-Version für Mac-OS X voran. Mitte Mai soll die neue Version auf den Markt kommen. Neben dem neuen PDF-Format 1.5 unterstützt Acrobat nun auch PDF/X, Farbseparation und enthält eine eingebaute Preflight-Funktion zum Prüfen von PDF-Dokumenten. Die wichtigsten Neuerungen von PDF 1.5 sind verbesserte Komprimierung, selektive Ansichten von Dokumentinhalten und die verstärkte Einbindung von Multimedia-Formaten wie Flash, MP3, WMF und mehr. Das neue Preflight-Werkzeug prüft Dateien auf PDF/X-Verträglichkeit und die Kompatibilität zu verschiedenen Postscript-Leveln. Das klassische Mac-Betriebssystem unterstützt Adobe mit der neuen Fassung nicht mehr.

Software für Video-Profis

Die Messe NAB (National Association of Broadcasters) Anfang des Monats in Las Vegas nutzt Apple dazu, neue Versionen von professioneller Videosoftware vorzustellen. Neben den Updates für Final Cut Pro auf Version 4 und DSVD Studio Pro auf Version 2 zeigt Apple auch das Compositing-Tool Shake 3, den ursprünglichen Hersteller Nothing Real hatte Apple im Vorjahr übernommen. In einem Interview mit Business 2.0 gesteht Apple-CEO Steve Jobs im Dezember, wie man Kompetenz in Sachen Videobearbeitung erworben hat. Noch vor fünf oder sechs Jahren habe man darüber nichts gewusst, den Markt jedoch spannend gefunden und mit diversen Firmenkäufen das Know-how erworben. Der Markt, gerade für Shake, ist klein aber fein. Das Programm kostet mit unlimitierter Renderlizenz 5.800 Euro und kommt bei den Produktionen der "Herr der Ringe"-Filme zum Einsatz.

Gewinn verringert

Im April 2003 schafft Apple die Voraussetzungen für weitere Erfolge im Markt, die Bilanz des traditionell starken zweiten Geschäftsquartals fällt jedoch immer noch mau aus. In den von Fred Anderson verwalteten Kassen bleiben von Januar bis März zwar 14 Millionen Dollar Überschuss hängen, im Vergleich zum Vorjahr muss Apple jedoch einen Gewinnrückgang beklagen, 2002 hatte der Gewinn 40 Millionen Dollar betragen. Der Umsatz entwickelte sich nur leicht rückläufig, um ein Prozent auf 1,48 Milliarden Dollar. Von den 710.000 ausgelieferten Macs waren 40 Prozent Notebooks - das Jahresmotto erweist sich immer mehr als korrekt, der Margen trächtige Profimarkt leidet weiter, so dass Apple auch für das dritte Quartal nur einen bescheidenen Gewinn prognostiziert. Aber wenigstens verbleiben 4,5 Milliarden Dollar an Barmitteln bei dem Unternehmen, das überproportional in Forschung und Entwicklung investiert. Wenn das auch manchmal mit einer Firmenübernahme getan ist.

Was sonst noch im April geschieht:

PDA-Markt schrumpft +++ AOL Time Warner meldet Gewinn +++ Motorola mit 169 Millionen Dollar im Plus +++ Microsoft verdient 2,8 Milliarden Dollar +++ Quark lässt Details zu Xpress 6 tröpfchenweise fließen +++ AOL verklagt Spammer +++ ACD übernimmt Deneba

Lesen Sie morgen in unserem Rückblick auf den Mai

iTunes 4 lässt Schlupfloch für Raubkopierer - nicht sehr lange +++ Spam wird immer dringenderes Problem +++ Microsoft mach Scherze mit iLoo - oder auch nicht +++ SCO erhebt Ansprüche auf Linux

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