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Chronik 2003: Dezember

03.01.2004 | 08:00 Uhr |

Toshiba kündigt 0,85-Zoll-Festplatten an +++ Adobe stellt Framemaker ein +++ Sony und BMG fusionieren Musiksparten +++ Drohkampagne der Filmindustrie beeindruckt nur wenige Raubkopierer +++ Milliardenklage gegen Microsoft

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, oder sollen wir besser das Bild strapazieren, dass sich ein Kreis schließt? Was als "Jahr des Notebooks" begonnen hat, endet mit Spekulationen darüber, unter welches Motto Apple 2004 stellen will. Mehr als Hinweise darauf wird die Macworld Conference & Expo vom 5. bis 9. Januar in San Francisco geben. Lange hat Steve Jobs die Gemeinde warten lassen und kündigt erst am Freitag, den 19. Dezember an, auch 2004 am ersten Messetag der Veranstaltung, dem 6. Januar, eine Keynote abzuhalten. Einige Ankündigungen erscheinen fast zwangsläufig, schnellere Power Macs und günstigere iMacs erwarten nicht nur Optimisten. Was aber wird das "one more thing", das dem kommenden Jahr sein Motto geben könnte? Apple wird in jedem Fall seinen erfolgreichen Weg im Musikgeschäft weitergehen, Insider erwarten schon zur Expo eine Art Sub-iPod, mit kompakterer Festplatte geringerer Kapazität zu einem moderateren Preis. Die technischen Voraussetzungen dafür hat Toshiba geschaffen. Der japanische Elektronikkonzern muss im Herbst erst die Kapazitäten seiner Produktionsstätten, die für Apples iPod 1,8-Zoll-Festplatten fertigen erweitern, im Dezember kündigt Toshiba noch kleinere Massenspeicher an. Im Januar will der Konzern auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas 1-Zoll-Festplatten vorführen, für den Sommer sind sogar noch kleinere Formfaktoren in Arbeit.
Toshiba hat nach eigenen Angaben eine winzige Festplatte mit 0,85 Zoll Durchmesser entwickelt, die der Hersteller für den Einsatz in Handys und anderen kompakten mobilen Geräten positioniert, das Modell fasst zwei bis drei Gigabyte Daten. Bestellungen nimmt Toshiba ab dem kommenden Sommer entgegen, die Fertigung in Stückzahlen ist für Anfang 2005 geplant.

Aus für Framemaker

Nachdem Adobe schon angekündigt hatte, seine Flash-Konkurrenz Livemotion nicht mehr für den Mac weiter zu entwickeln, geht nun auch das Layoutprogramm Framemaker in den Ruhestand. Adobe hatte das DTP-Programm, das speziell zum datenbankgestützten Publizieren und für technische Dokumentationen entwickelt worden war, Mitte der 90er Jahre eingekauft, jedoch genauso wie das von Aldus übernommene Layoutprogramm Pagemaker eher auf Sparflamme gehalten. Besondere Stärke von Framemaker ist die Unterstützung zahlreicher Plattformen und die Fähigkeit zum medienübergreifenden Publizieren in Print, auf CD und im Internet.
In der aktuellen Version 7 hat Framemaker auch am Mac eine zahlenmäßig nicht riesige, aber doch sehr engagierte Anwenderschaft und findet sich in den Rechenzentren zahlloser Universitäten, die das Programm vor allem wegen seiner XML-Fähigkeiten schätzen. Wie bei Livemotion wird Adobe keine Updates mehr für Framemaker entwickeln und auch den Support nur noch eine befristete Zeit aufrecht erhalten.

Die Hochzeit von Sony und BMG

"Wer mit wem?" war die meistgestellte Frage im Musikgeschäft 2003. Der Umsatz der Industrie hat sich weiterhin stark rückläufig entwickelt, Fusionen der fünf großen Labels sind immer wieder ins Gespräch gekommen. Wer schließlich mit wem zusammengeht, klärt sich im Dezember. Der japanische Elektronik-Konzern Sony und die Bertelsmann AG legen ihre Musiksparten zusammen. Anfang November hatten Sony und Bertelsmann zunächst eine Absichtserklärung zum Zusammenschluss ihrer Musiksparten BMG und Sony Music abgegeben. An dem neuen Unternehmen Sony BMG sollen beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt sein.
Sony BMG werde seinen Hauptsitz in New York haben. Stimmen die Kartellbehörden zu, ist es für Bertelsmann eine der größten Transaktionen in der Firmengeschichte. Allein das Einsparvolumen im schwierigen Musikgeschäft wird auf 250 bis 300 Millionen Euro geschätzt.

Und sie warten schon...

Mit Strafandrohungen und Anzeigen versucht die Filmindustrie Raubkopierer durch eine kontroverse Kampagne zu verunsichern - mit schwer messbarem Erfolg.
In einer Umfrage ermittelt das Forsa-Institut für den "Stern", dass 51 Prozent der Befragten sich von der Initiative unbeeindruckt zeigen und das eigene Kopier-Verhalten nicht ändern würden, auch wenn Schwarzkopierern bis zu fünf Jahre Haft drohen. Knapp die Hälfte der Befragten, die schon mal Musik oder Filme kopiert oder aus dem Internet heruntergeladen haben, gaben hingegen an, dies künftig nur selten oder gar nicht mehr tun zu wollen. Ein Viertel möchte gar keine illegal Kopien mehr machen.
Die Filmindustrie unter Führung der "Zukunft Kino Marketing GmbH" droht in einer seit November laufenden, stark kritisierten Kampagne mit drastischen Strafen für Musik- und Video-Piraten. So freuen sich zwei Inhaftierte in einem der Werbespots auf die Vergewaltigung gerade eingelieferter Schwarzbrenner.

Real Networks will Milliarden

Real Networks wirft dem weltgrößten Softwarehersteller vor, seine Monopolmacht illegal auszunutzen, um Konkurrenten zu behindern. Microsoft versuche zudem, den wachsenden Markt mit digitalen Medien zu monopolisieren. Microsoft weist die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme zurück. Real Networks nutze die Klage lediglich, um die eigenen Geschäfte anzutreiben. Real Networks konkurriert mit seiner Mediensoftware "Real Player" direkt mit Microsofts "Windows Media Player" und war vor Jahren Marktführer. Auch die US-Justizbehörde hatte beanstandet, dass Microsoft durch die enge Verknüpfung seines Betriebssystems mit anderen eigenen Programmen Wettbewerber benachteilige. Die EU-Kommission prüft in ihrem Kartellprozess gegen den Softwaregiganten ebenfalls die Frage, ob Microsoft mit der engen Bündelung des Betriebssystems mit dem Windows Media Player seine marktbeherrschende Stellung gegen Konkurrenten ausnutzt. Der Erfolg von Real Networks wäre heute bedeutend größer, wenn Microsoft sich gesetzeskonform verhalten hätte, sagte Vorstands- und Aufsichtsratschef Rob Glaser. Die an ein kalifornisches Gericht eingereichte Klage fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe.


Was sonst noch im Dezember geschieht:

Coca-Cola steigt ins Geschäft mit Online-Musik ein +++ LG Philips Displays entlässt 1285 Mitarbeiter +++ Raubkopien von Longhorn bereits in Umlauf

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