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Chronik 2003: Januar

23.12.2003 | 12:24 Uhr |

Das Jahr des Notebooks beginnt +++ Macworld Expo mit zahlreichen Software-Highlights +++ Apple macht acht Millionen Dollar Verlust +++ Letzte Quicksilver-Revision

Wenn Steve Jobs auf die Bühne des Moscone Center in San Francisco tritt und seine alljährlich zur Macworld Expo gehaltene Keynote mit den Worten beginnt "Wir haben heute genügend Stoff für zwei Keynotes, also fangen wir an!" und diesem Anspruch innerhalb von zwei Stunden auch noch gerecht wird, weiß der Mac-Fan, dass ein gutes Jahr begonnen hat.
Der Apple-CEO gibt dem neuen Jahr auch gleich ein Motto, das "Jahr des Notebooks" soll 2003 werden, zum Start liefert Apple auch gleich zwei neue Modelle. Zwar bleibt der betagte, da zwei Jahre alte 15-Zöller TiBook vorerst noch im Angebot, doch mit dem größten Notebook aller bisherigen Zeiten, einem 17-Zöller im schicken Alu-Design setzt Apple neue Maßstäbe. Airport Extreme nennt der Mac-Hersteller seine Implementation des Funk-Standards IEEE 802.11g, der mit bis zu fünfmal höherem Datendurchsatz und Rückwärtskompatibilität zu Airport überzeugen soll. Mit an Bord hat das neue Powerbook ab Werk eine Bluetooth-Antenne, Firewire 800 hat Premiere in einem Apple-Rechner, da der schnellere Standard auf neue Steckerformen setzt, baut Apple je eine "alte" und eine "neue" Firewire-Schnittstelle ein. Apple wäre aber nicht Apple, wenn "Big Al", so der schnell in der Szene kursierende Kosename, nicht noch mit einer Besonderheit aufwarten würde, die Technik, Innovation, Design und Nützlichkeit in einem vereinigt. Von LED ausgestrahltes blaues Licht beleuchtet die Tastatur des Notebooks, sie schaltet sich entsprechend der Lichtverhältnisse von selbst ein. Da vergisst man beinahe die anderen technischen Werte des Mobilrechners, ein PowerPC G4 mit 1 GHz Taktrate treibt ihn an, der Nvidia-Chip GeForce 4400 Go bringt das Bild auf 1400 x 900 Pixel. Als obligatorischen Schlusspunkt "one more thing" hat sich Steve Jobs den "kleinen Bruder" des 17-Zoll-Powerbooks aufgehoben, ein 12-Zoll-Powerbook vereint all die neuen Technologien in einem kompakten Gehäuse. Naja, fast alle, die Hintergrundbeleuchtung fehlt ebenso wie Airport Exteme serienmäßig, das sich jedoch nachrüsten lässt.
Die Hälfte seiner Hardware-Verkäufe will Apple zukünftig mit Mobilrechnern erreichen. Kein Problem, meinen Spötter. Die Power Macs G4 seien derart veraltet, dass deren Umsatz bald nicht mehr nennenswert beitragen werde. Aber das Jahr ist noch lang und die Stunde des Quicksilver schon im Januar gezählt....

Angriff auf Microsoft

Doch schon bevor Steve Jobs zum Höhepunkt seiner Show kommt, bringt der Apple-CEO wesentliche Neurungen in Apples Software-Portfolio unter das Volk. Erstmals seit Cyberdog hat Apple nun mit Safari einen eigenen Browser im Programm, den sich Surfer schon in den ersten 24 Stunden rund 300.000 mal vom Server in Cupertino laden und der das Web, wie es Mac-Anwender kennen, nachhaltig verändert. Die auf KHTML basierende Render-Maschine stellt Websites auf Apple-Rechnern mit nie geahnter Geschwindigkeit dar. Internet Explorer? Was ist schon der Internet Explorer?
Nach eigener aussage hat Steve Jobs wesentlich an den Beta-Tests des zweiten Software-Angriffs auf das Redmonder Imperium mitgewirkt. Die Präsentationssoftware Keynote will nicht nur Power Point Konkurrenz machen, sondern mit pfiffigen Effekten und feinem Design langweiligen Konferenzen ein Ende machen. Das 115 Euro teure Keynote bleibt aber bis auf weiteres wenig erfolgreich.
Schon eher ein Argument für den Wechsel zum Mac sind die iApplikationen, die seit diesem Januar im Paket iLife erhältlich sind. Für 57 Euro kommen nun iTunes 3, iPhoto 2, iDVD 3 und iMovie 3 zusammen auf die Platte, die Integration der Programme untereinander hat Apple verbessert. So lässt sich nun aus jedem der Programme auf die Bibliotheken der anderen zurückgreifen. Nur ein europäischer Photo-Dienst für iPhoto fehlt nach wie vor. Nie bestätigt hat Apple Spekulationen darüber, dass die zeit der kostenlosen iLife-Downloads vorüber sein werde. Drei der Programme gibt es nach wie vor uneingeschränkt im Web, nur iDVD legt Apple ausschließlich Rechnern mit Superdrive oder dem kostenpflichtigen iLife-Paket bei. Der Download von mehreren GB Software und Themes mache keinen Sinn.
Die Lücke zwischen iMovie und dem Profiprogramm Final Cut Pro soll Final Cut Express schließen, dass Apple seit Januar für 382 Euro anbietet: Profi-Videoschnitt zum kleinen Preis, verspricht Steve Jobs.

Apple macht Verlust

In der Woche nach Ende der Macworld Expo muss Apple einen operativen Verlust von acht Millionen Dollar für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2002/2003 ausweisen. Insgesamt war der Umsatz im Weihnachtsgeschäft 2002 zwar um sieben Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar gestiegen und mit 743.000 ausgelieferten Macs konnte Apple seinen Standard vom Vorjahresquartal, das noch einen Gewinn von 36 Millionen Dollar gebracht hatte, halten. Doch gerade der schwächelnde Umsatz des Power Mac G4 und ein schlechtes Geschäft in Europa drückten die Margen, erklärt Apple-Finanzchef Fred Anderson. Man habe jedoch ein ganze reihe von Maßnahmen ergriffen, die Verkäufe im Profi-Segment zu stärken. Wie gesagt, die Tage des Quicksilver sind bereits jetzt gezählt. Nach wie vor bereite Apple Probleme, dass Quark keine nativ unter Mac-OS X laufende Version von Xpress bieten könne, die Kernzielgruppe im Publishing-Bereich würde deshalb mit Investitionen in Mac-OS X und neue Hardware sich zurück halten. Schon jetzt erweist sich der iPod als Renner, ein Jahr nach dessen Start im Herbst 2001 verkauft Apple in einem Quartal 216.000 Stück des MP3-Players, die Hälfte davon an Windows-Anwender.

Totgesagte leben länger

Was viele Power-Mac-Anwender enttäuscht hatte, war das Fehlen einer Aussage zu Apples Power-Mac-Problem auf der Macworld Expo. Nur die kühnsten Optimisten hatten mit einem komplett renovierten G4-Nachfolger gerechnet, einem, der den Versionssprung auf G5 gerechtfertigt hätte. Steve Jobs und Apple sprechen nicht gerne über unfertige Produkte, Lärm geplagte Quicksilver-Anwender hätten jedoch auf ein paar tröstende Worte mit konkreten Besserungsgelöbnissen gehofft. Am 28. Januar, drei Wochen nach der Jobs-Keynote, bringt Apple eine neue, die letzte G4-Revision heraus. Das neue Spitzenmodell arbeitet mit zwei jeweils 1,42 GHz schnellen Prozessoren von Motorola, in der Mittelklasse hat Apple einen 1,25-GHz-G4 verbaut und in das Einsteigermodell einen Chip mit 1 GHz Taktrate. Die neuen Technologien Firewire 800 und Airpüort Extreme sind ebenso an Bord wie ein 4fach-Superdrive im schnellsten Power Mac und Combo-Laufwerke in den kleineren Modellen. Dazu nimmt Apple noch ein 20-Zoll-Cinema-Display in sein Portfolio mit auf. Immerhin: Wie das Macwelt-Testcenter feststellt, arbeiten die letzten Quicksilver deutlich leiser als die Brüllaffen der Revision davor, die Flüstertöne kann Apple den mit langsam veraltenden Prozessoren ausgestatteten Power Macs nicht mehr beibringen.

Was sonst noch im Januar geschieht:

Verband der US-Phonoindustrie fordert gemeinsame Aktion gegen Raubkopierer und legale Download-Alternativen +++ Musik-Messe NAMM zeigt in Los Angeles zahlreiche Highlights für Mac-OS X +++ TCP/IP wird zwanzig Jahre alt +++ Wurm W32/SQL-Slammer richtet beträchtlichen Schaden an

Lesen Sie morgen in unserem Rückblick auf den Februar:

iMac wird schneller +++ Xserve RAID kommt in den Schrank +++ Silence Kit für Power Macs +++ Charlie Greco verlässt IDG World Expo +++ Susan Prescott wechselt von Adobe zu Apple

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