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Chronik 2003: Juli

29.12.2003 | 08:00 Uhr |

Apple macht 19 Millionen Dollar Gewinn - Absatzkrise im Profi-Segment +++ Power Mac G5 als schnellster PC der Welt angezweifelt +++ Neues Urheberrecht erlaubt Privatkopien nur noch bedingt +++ Neuer Trend Multiformat DVD-Brenner

Apple macht im dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres 19 Millionen US-Dollar Gewinn, verglichen zum Vorjahr fällt der Profit aber um 41 Prozent auf 5 US-Cent pro Aktie. Im entsprechenden Quartal 2002 blieb dem Unternehmen unterm Strich noch 32 Millionen US-Dollar oder 9 US-Cent pro Anteilsschein. Der Umsatz stieg dagegen um 8 Prozent auf 1,545 Milliarden US-Dollar, bei 39 Prozent Auslandsumsatz. In absoluten Zahlen wanderten 771.000 Macs über den Ladentisch (Vorjahr: 808.000). Am gravierendsten ist der Rückgang beim Absatz der Desktop-Macs. Konnte Apple im 3. Geschäftsjahresquartal 2002 noch 167 000 Power Macs absetzen, waren es im Vorquartal nur noch 156 000 und aktuellen 3. Quartal 133 000 Power Macs. Insgesamt tragen die Power Macs mit einem Umsatz von 234 Millionen US-Dollar zum Gesamtergebnis bei. Dieses Ergebnis hofft Apple natürlich mit den neuen Power Macs G5 in den nächsten Quartalen wieder zu verbessern, die Erwartungen von Apples Finanzchef Fred Anderson bleiben jedoch realistisch: Während das Unternehmen zu seinen besten Zeiten bis zu 350 000 Power Macs in einem Quartal verkaufen konnte, hat man Anderson zufolge jetzt ein Verkaufsziel von 200 000 Rechnern im Visier.
Ursache dafür sei unter anderem auch der Trend zu mobilen Rechnern, der im Mai dieses Jahres erstmals dazu geführt hatte, dass in den USA mehr Notebooks als Destop-PCs verkauft wurden. Bei Apple scheint dieser Turnaround noch nicht ganz geschafft, die Powerbook-Verkäufe stiegen Anderson zufolge zwar um 71 Prozent, die iBooks und Powerbooks machen mit 46 Prozent nach Angaben des Unternehmens aber erst knapp die Hälfte aller im 3. Geschäftsjahresquartal verkauften Rechner aus. Dem selbst gesteckten Ziel, die Hälfte aller Rechnerverkäufe mit Mobilrechnern zu erzielen, kommt Apple immer näher.
Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen steigt der Aktienkurs, insgesamt bescheinigen Analysten dem Mac-Hersteller eine gute Arbeit. Dass Apple in seinem kernbereich, dem Markt für Kreative verliert stimmt nicht, behauptet eine amerikanische Studie, die sich speziell mit Freud und Leid der Branche befasst. Durchgeführt hat die Studie die Marktforschungsgesellschaft Trendwatch Graphic Arts, die seit 1995 Trends im grafischen Gewerbe erforscht. In insgesamt drei Umfragen unter Grafikdesignern, Publishern und Internet-Designern finden die Forscher heraus, dass eine große Mehrheit (82 Prozent) in Design und Produktion nach wie vor auf den Mac setzt. Von diesen planen 56 Prozent Investitionen in neue Rechner - ein großes Potenzial für den Power Mac G5.
Apples Marktanteil ist jedoch gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent gesunken, wie eine IDC-Studie herausfindet. Die Expertern kritisieren dabei Apples Fokus auf den Consumer-Markt, zu dem sie auch die Kreativbranche rechnen. Hersteller, die sich auf Angebote für Geschäftskunden konzentrieren, wie Dell und HP, hätten zuletzt an Anteilen zulegen können.

Wer ist der schnellste?

Apples Hoffnung heißt im heißesten Sommer seit langem Power Mac G5. Die Werbeaussage Cupertinos, es handle sich hierbei um den "schnellsten PC der Welt" relativiert sich in unabhängigen Tests. Zuviel hängt von Betriebssystem und Software ab. Der Microprocessor Report stellt Apples Aussagen über den neuen Power Mac G5 sogar komplett in Frage. In einem Newsletter, der sich an registrierte Microprocessor-Report-Leser richtet, schreibt das Fachblatt, dass es schon Mitte der 1990er Jahre einen RISC-basierten Windows-NT-Desktop-PC gegeben habe. Damit spielt es auf den DEC Alpha an, der von Compaq nach kurzer Zeit wieder wieder fallen gelassen wurde. Außerdem seien dieBenchmarks, die Apple für den Pentium 4 und den Xeon-Prozessor veröffentlicht habe, tatsächlich "deutlich höher als Apple sie berichtet".
In einem anderen Artikel unterstreicht der Microprocessor Report, dass der Geschwindigkeitsvorteil der 64-Bit-Prozessoren wahrscheinlich niedriger sei als etwa der, der durch die Altivec-Einheit des G4-Prozessors von Motorola und IBM, Intels SSE oder AMDs 3DNow!-128-Bit-Vektoreinheiten ausgehe.
Andererseits räumen die Chip-Analysten ein, dass Apple durch den neuen Power Mac wieder mit Windows-PCs konkurrieren könne. Der Wettbewerb zwischen allen 64-Bit-Chip-Herstellern stelle außerdem ein interessantes Rennen dar.

Das schleichende Ende der Privatkopie

Nach langen Diskussionen einigt sich die Legislative in Deutschland auf ein neues Urheberrecht, das Privatkopien von CDs und DVDs nur noch bedingt erlaubt. Demnach sollen diese in Zukunft nur noch erlaubt sein, wenn sie von einem legal produzierten Original stammen. Damit will der Gesetzgeber erreichen, die Verbreitung von Raubkopien zu verringern, die "durch die Herstellung von Raubkopien verursachte Rechtsverletzung soll nicht dadurch manifestiert werden, dass aus diesen Vorlagen gewonnene Kopien zum privaten Gebrauch zugelassen werden," wie es in einer Pressemitteilung heißt.
Dabei soll sich die Begrenzung jedoch auf "offensichtlich" illegal hergestellte Vorlagen" beziehen, da es dem Nutzer oftmals nicht möglich sei, die Rechtmäßigkeit einer CD oder DVD zu erkennen. Ein weiterer Fallstrick: Sind urheberrechtlich geschützte Werke mit einem Kopierschutz versehen, ist das Knacken der Vorkehrung zum Zweck des Kopierens ebenfalls untersagt, die dafür nötigen Tools werden illegal. Damit ist de facto jede private Kopie einer rechtmäßig erworbenen Film-DVD nicht mehr rechtens.
Die Initiative der führenden deutschen Druckerhersteller gegen Urheberrechtsabgaben, bestehend aus den Firmen Brother, Canon, Epson, HP, Kyocera Mita, Lexmark sowie Xerox, begrüßt den Beschluss zum Urheberrecht. Der Verband wendet sich gegen Versuche der Verwertungsgesellschaften, ihre Geräte als vergütungspflichtig einzustufen und pauschale Abgaben von mindestens 20 Euro auf jeden Drucker zu erheben.
Die Verwertungsgesellschaften berufen sich bei ihren Forderungen auf die nach Meinung der Druckerhersteller-Initiative veraltete Gesetzgebung aus den 60er Jahren, die sie auf digitale Geräte zu übertragen versuchen. Ausgehend von der Annahme, dass PCs, Drucker oder Multifunktionsgeräte grundsätzlich kopierfähig sind, wird dem Käufer eine tatsächliche Nutzung in diesem Sinne unterstellt. Derzeit belaufen sich die Forderungen für einen Tintenstrahldrucker auf 20 Euro, für ein Multifunktionsgerät auf 38 Euro, laut der Druckerhersteller-Initiative jeweils etwa 50 Prozent des Einstiegspreises.

Formatfrage einfach gelöst

Seitdem beschreibbare DVDs die CD-R immer mehr als Speichermedium verdrängen, buhlen zwei Standards um die Gunst der Anwender. Apple hält mit seinem Zulieferer Pioneer weiter an der Formatwelt DVD-R(W) fest, während die von Panasonic, Hitachi und Toshiba betriebene DVD+R-Allianz ein anderes Format bevorzugt. Der Vorteil beider Standards: Am Rechner erstellte DVDs lassen sich auf handlesüblichen Playern abspielen, nur untereinander verstehen sich die Brenner der beiden Welten nicht. Doch immer mehr Hersteller wenden sich mittlerweile von dem Formatspielchen ab und schlagen der ganzen Diskussion ein Schnippchen. "Dual-Format"-Brenner lautet das neue Schlagwort. Dahinter verbergen sich DVD-Brenner, die mit allen - oder zumindest fast allen - DVD-Formaten zusammenarbeiten. Eröffnet hatte Sony den Reigen im vergangenen Jahr mit seinem DRU-500. Er war der erste Brenner, der sowohl DVD-R/RW als auch DVD+R/RW beschreiben konnte. Das Beispiel macht Schule, denn viele andere Hersteller folgen mittlerweile und sogar Pioneer, der Erfinder der beschreibbaren DVD und glühender Verfechter des DVD-R/RW-Formats bringt mit dem DVR-A06 einen Dual-Format-Brenner zu seinen Kunden. Der lachende Dritte ist der Konsument, denn er braucht sich nicht mehr um die Formatfrage zu kümmern. Mit einem Dual-Format- Brenner ausgestattet, kauft man einfach die DVD-Rohlinge, die gerade am preisgünstigsten auf dem Markt zu haben sind. In den neuen G5 baut Apple zwar Pioneers Dualbrenner ein, doch nur mit einem Brennprogramm eines Drittherstellers, wie etwa Toast, lassen sich unter Mac-OS X die Rohlinge der anderen Welt beschreiben, offiziell unterstützt Apple nur DVD-R(W).

Soundtrack ohne Final Cut

Zur Eröffnung der Creative Pro in New York kündigt Apple Soundtrack als Stand-Alone-Software an. Bisher war der Audioeditor nur zusammen mit Final Cut Pro 4 im Bundle. Soundtrack wird für 300 US-Dollar ab August ausgeliefert, enthält über 4000 kostenlose Audio-Loops und Sound-Effekte. Soundtrack richtet sich an Profis aus den Bereichen Video und Audio-Bereich. Die in Sondtrack angelegten Projekte sollen sich auf Logic oder Pro Tools migrieren lassen.

Was sonst noch im Juli geschieht:

Kampagne für VW Beetle mit iPod +++ Meisterschaften im PC-Weitwerfen in Antwerpen. Sieger schleudert DOSe 14 Meter weit +++ Avie Tevanian wird Apples Chief Software Technology Officer +++ Markt für Digitalkameras wächst um 55 Prozent


Lesen Sie morgen in unserem Rückblick auf den August:

Preise bleiben von DVD-Brennern bleiben trotz Urheberrechtsabgabe stabil +++ HP will mehr Consumerelektronik herstellen +++ T-Online startet eigenes Musikportal - wo bleibt Phonoline?

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