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Chronik 2003: Juni

28.12.2003 | 08:00 Uhr |

Der G5 ist da +++ Panther bringt 150 neue Features +++ MacExpo in Köln erfolgreich +++ Oracle verzettelt sich bei Übernahmeversuch von Peoplesoft

Die zweite große Jobs-Keynote des Jahres bringt als "one more thing" endlich den lange erwarteten Power Mac G5. In den Wochen zuvor hatten sich die Spekulationen verdichtet, dass Apple bei der neuen Profi-Linie auf den langjährigen Haus- und Hoflieferanten Motorola verzichten und stattdessen den 64-Bit-Chip PowerPC 970 von IBM einsetzen wolle. Der neue Prozessor, eine abgespeckte Version des Server-Chips Power IV, der eine Vektoreinheit ähnlich dem Altivec-Konzept erhalten hat, ist aber bei weitem nicht die einzige Innovation des G5.
Neben dem Chip, der zunächst in Taktraten von 1,6 GHz, 1,8 GHz und 2 GHz (Dual-Prozessor-Maschine) zum Einsatz kommt, präsentiert sich neues Innenleben im Power Mac G5. Die gesamte Architektur habe man in den letzten beiden Jahren gemäß der Hypertransport-Richtlinien überarbeitet, verkündet Jobs. So hat der G5 einen 1 GHz-Frontside-Bus und kann bis zu 8 GB an RAM verwenden. AGP 8x für die Grafik und PCI-X sorgen für höhere Datendurchsatzraten, ein Punkt-zu-Punkt-System-Controller sorgt für die Bewegung von Daten zwischen einzelnen Subsystemen. Die Festplatten gehorchen dem Standard Serial ATA und sind in den Kapazitäten von 80 GB, 160 GB und 160 GB in den drei Modellen verbaut, der RAM ab Werk beträgt 256 MB, 512 MB und 512 MB. Jobs selbst verspricht, innerhalb der kommenden 12 Monate zusammen mit IBM die Taktrate auf 3 GHz steigern zu können und wiederholt die Ankündigung im Laufe des Jahres. Dabei setzen die Partner aber mehr auf die Monate sieben bis zwölf des angestrebten Zeitraums, nachdem Apple Schwierigkeiten hat, die Modelle in ausreichenden Stückzahlen auf den Markt zu bringen kommt erst im November eine erste kleinere Revision: Das mittlere Modell bekommt noch einen zweiten Prozessor dazu. Die teilweise langen Wartezeiten, auf die sich Endverbraucher einrichten müssen haben einen Grund: Bis Jahresende verkauft Apple schätzungsweise eine halbe Million Power Macs G5, der Löwenanteil fällt dabei auf die Dualprozessormaschinen. In den Tests schneiden die neuen Wunderrechner zunächst ein wenig enttäuschend ab, ihr Potential können sie unter dem 32-Bit-System Jaguar nur andeuten, allein die Doppelprozessormaschinen profitieren von der neuen Hardwarearchitketur.

Raubkatze aus dem Sack

Fast eine Stunde nimmt sich Steve Jobs in seiner Keynote zur WWDC Zeit, um über das nächste Betriebssystemupdate und der damit verbundenen 150 Neuerungen zu sprechen.

Vollkommen neu in Cocoa haben die Apple-Ingenieure den Finder programmiert, in seiner Aufmachung und der Funktionalität erinnert er an iTunes. In der linken Navigationsspalte hat der Anwender Zugriff auf sein Home-Verzeichnis, den Programme-Ordner und gemountete Server-Volumes, die Ordnerstruktur sieht er im Hauptfenster der im Alu-Look gehaltenen Applikation.
Alle geöffnete Fenster auf einen Blick stellt Expose übersichtlich dar, der von Windows bekannte schnelle Benutzerwechsel soll bald Macianern zur Verfügung stehen.
Für mobile Anwender ist die Verschlüsselungstechnik File Vault interessant, die das gesamte Homeverzeichnis vor neugierigen Blicken schützt, das in Mac-OS X integrierte E-Mail-Programm baut jetzt auf der Rendermaschine von Safari auf und verspricht damit höhere Geschwindigkeit.
Eine der spektakulärsten Neuerungen für Panther dürfte jedoch iChat A/V sein, sein ein Jahr altes Instant Messaging Programm hat Apple um Audio- und Video-Chat-Funktionen erweitert. Die Kamera liefert Apple mit iSight gleich dazu, 30 Frames pro Sekunde nimmt das 149 Dollar teure Gerät mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln auf. iChat A/V arbeitet jedoch mit beliebigen Firewire-Webcams zusammen, eine Konfiguration sei nicht nötig, meint Steve Jobs. Den Ton für den Chat nimmt das Programm über das eingebaute Mikro auf.

Ein Datum für den Panther-Sprung nennt Apple lange nicht, Jobs verspricht lediglich, das System "noch in diesem Jahr" zur Auslieferung zu bringen. Apple hält Wort und der Panther kommt am 24. Oktober in die Läden, exakt 14 Monate nach seinem Vorgänger Jaguar. Schnell muss Apple bis Mitte Dezember mit zwei Wartungsupdates nachlegen, Mac-OS X 10.3 macht Ärger mit Firewire-800-Festplatten und auch File Vault ist zunächst in der Lage, vertrauliche Daten total zu schützen, indem es sie bei einer bestimmten Vorgehensweise löscht.

Panther wird dennoch zu einem großen Erfolg, die Handelkette Gravis hat nach eigenen Angaben noch nie ein Softwareprodukt so oft verkauft wie den Panther.

MacExpo kommt nach Köln

Fast drei Jahre nach der letzten deutschen Mac-Messe öffnet die MacExpo in Köln ihre Pforten und zieht an den drei Ausstellungstagen 11.464 Besucher an. Zwei Jahre zuvor war die Veranstaltung in London an den Start gegangen und hatte eine derart überraschende Premiere hingelegt, dass Apple im Jahr darauf einen eigenen Stand buchte. Unkenrufe hatte es im Vorfeld genug gegeben: Der mäßige Erfolg aller Versuche, nach dem Ableben der Macworld-Expo in Deutschland wieder eine deutsche Veranstaltung auf die Füße zu stellen, und die doch recht kurzfristige Entscheidung, im Juni dieses Jahres eine MacExpo in Köln zu veranstalten, hatte der neuen Messe den Start nicht gerade erleichtert. Nach Abschluss der dreitägigen Veranstaltung waren jedoch durchaus zufriedene Stimmen von Ausstellern wie Publikum zu hören. Apple war an allen drei Tagen in Köln präsent, obwohl der Mac-Hersteller nicht zu den offiziellen Ausstellern gehörte. Als Highlight der Messe glänzte jedoch der Power Mac G5, den Apple-Produktmanager Holger Niederländer unter regem Andrang des Publikums erstmals in Europa vorführen konnte, die Jobs-Keynote in San Francisco war gerade einmal zwei Tage zuvor. Im Jahr 2004 wird die Messe von Mittwoch bis Samstag locken, wer weiß, vielleicht folgt Apple Deutschland dem Vorbild der britischen Kollegen und bucht einen Stand in Köln?

Übernahmeschlacht

Den Kampf um Marktanteile bei Business-Datenbanksoftware will Oracle im Juni mit der Übernahme des Konkurrenten Peoplesoft gewinnen. Am 10. des Monats legt die Ellison-Company ein erstes, 5,1 Milliarden Dollar schweres Angebot vor, pro Aktie will Oracle 16 Dollar bezahlen. Peoplesoft wehrt sich erfolgreich gegen die feindliche Übernahme, indem es sich mit dem kleineren Konkurrenten J.D. Edwards zusammenschließen will. Der kleinste der beteiligten Partner zieht gar vor Gericht, J.D. Edwards verklagt Oracle schon einmal vorsorglich auf die 1,7 Milliarden Dollar, welche die Übernahme durch Peoplesoft wert wäre, für den Fall, dass diese Fusion platze. Das Tauziehen hält noch Monate an, Peoplesoft ist Ende des Jahres immer noch eigenständig.

Was sonst im Juni geschieht:

Microsoft muss Java nicht in Windows integrieren +++ T-Online-Software kommt für Mac-OS X +++ Linux erreicht bayerischen Landtagswahlkampf +++ Samsung plagiiert iPod - Apple wehrt sich vor Gericht +++ Krise um Finanzierung der Brandenburger Chipfabrik verschärft sich

Lesen Sie morgen in unsrem Rückblick auf den Juli:

Apple macht 19 Millionen Dollar Gewinn - Absatzkrise im Profi-Segment +++ Power Mac G5 als schnellster PC der Welt angezweifelt +++ Neues Urheberrecht erlaubt Privatkopien nur noch bedingt +++ Neuer Trend Multiformat DVD-Brenner

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