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Chronik 2003: März

25.12.2003 | 08:08 Uhr |

März: Apple ist Kult +++ Rekordverlust für Telekom +++ Cebit erfüllt Hoffnungen nicht +++ Microsoft verabschiedet sich von Corel +++ Macworld Expo New York bekommt neuen Namen

Für einen Monat, nur für einen kurzen Spätwintermonat, in dem ein sensationeller Frühling langsam beginnen sollte, steht die Produktmaschinerie in Cupertino still. Doch nicht nur die ersten beiden starken Monate des Jahres 2003 haben dazu geführt, dass die Deutschen Apple als Kultmarke betrachten. Wie die Marktforscher von Taylor Nelson Sofres (TNS) in einer internationalen Studie herausgefunden haben, nennen 64 Prozent der in Deutschland interviewten Apple beim Kultfaktor als führende Marke, gefolgt vom Fernsehsender MTV (60 Prozent) und dem Motorradhersteller Harley Davidson (56 Prozent). Damit liegt die Jobs-Company noch vor anderen amerikanischen Markenartiklern, wie Nike, Levi's oder Playboy.
Gefragt wurde nach einem markanten Firmenlogo, einer Markengeschichte, die bis in die Gegenwart reicht und einem einprägsamen Markennamen, der bestenfalls als Synonym für eine Produktgattung dienen kann - wie etwa Tempo für Taschentücher oder Uhu für Klebstoff.

Ebbe in der Kasse

Immer weniger kultig finden dagegen die Deutschen führende Vertreter der Deutschland AG, besonders das einstige Staatsunternehmen Telekom enttäuscht Anleger und Kunden. Der rosa Riese hat 2002 wegen Sonderabschreibungen den höchsten Verlust eingefahren, den je ein deutsches Unternehmen verzeichnet hat. Der Fehlbetrag belaufe sich auf 24,6 Milliarden Euro nach minus 3,45 Milliarden Euro im Vorjahr, teilt der größte europäische Telekomkonzern am 10. März vor der Bilanzpressekonferenz in Hannover mit. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich nach Telekom-Angaben von 15,1 auf 16,3 Milliarden Euro. Die Telekom setzte mit 53,7 Milliarden Euro 11,1 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor. Die Netto- Finanzverbindlichkeiten sanken im Vergleich zum dritten Quartal 2002 von 64,3 auf 61,1 Milliarden Euro. Immerhin, das Jahr 2003 sollte sich als positiver für den Geschäftsverlauf des Unternehmens erweisen, dank des vom neuen Chef Kai-Uwe Ricke eingeschlagenen Sparkurses gelingt es dem Konzern, allmählich seine Schulden abzubauen.

Hoffnung herbeigeredet

Schon im Frühjahr versuchen Politik und Wirtschaft, einen Aufschwung herbeizureden, den Realisten nicht vor 2004 erwarten. Besonders die IT- und TK-Branche erhofft sich von der weltgrößten Computermesse Cebit Impulse für das übrige Jahr. Doch deuten sowohl Ausstellerzahlen als auch die Marktprognosen erst im nächsten Jahr auf Erholung hin.
Zwar dauert die Cebit 2003 einen Tag länger als im vergangenen Jahr - zwei Tage länger im übrigen als die Jahre davor - doch ist die Zahl der Aussteller von knapp 7300 auf rund 6500 gesunken. Die Ausstellungsfläche hat sich von knapp 400.000 auf rund 350.000 Quadratmeter verkleinert. Folgen hat das für die Attraktivität der Messe, die immer mehr Schwerpunkte in Richtung digitale Fotografie setzt - von UMTS redet indes kaum noch jemand. Während der Tage von Hannover lassen sich gerade einmal 560.000 Besucher auf das Gelände locken, 17 Prozent weniger als im Vorjahr.
Von Krisenstimmung keine Spur herrscht jedoch in Taiwan, das unter den Ausstellerländern besonders heraussticht. Der Inselstaat mit knapp 24 Millionen Einwohnern stellt mit 655 Anbietern auch in diesem Jahr wieder die stärkste Zahl an ausländischen Ausstellern auf der High-Tech-Show, 2002 waren 589 aus dem Fernen Osten an die Leine gekommen. In elf Pavillons im auffälligen orang-anthrazitfarbenen Design zeigen die Taiwanesen ihr Angebot von Digitalkameras, Notebooks über Geräte und Zubehör für die drahtlose Kommunikation bis hin zu Handys auf etwa 20 000 Quadratmeter Fläche.

Beteiligung abgestoßen

Nicht gelohnt hat sich Microsofts Beteiligung an dem kanadischen Software-Entwickler Corel. 2000 hatte der Software-Riese rund 135 Millionen US-Dollar in eine Beteiligung bei Corel investiert. Ziel der Investition war es, die Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme von Corel in Microsofts .Net-Strategie zu integrieren und so das Angebot zu erweitern. Offenbar hat Corel deutlich mehr von der Zusammenarbeit profitiert, half die Finanzspritze dem Unternehmen doch bei der Entwicklung der aktuellen Software - die zumindest am Mac deutlich besser ist, als noch in den vergangenen Jahren. Darüber hinaus habe man bei Corel gelernt, "Microsoft nicht länger als den 'Feind' zu betrachten, sondern als das aktuelle Umfeld." (CEO Derek Burney) Nach einem kurzen Ausflug in die schwarzen Zahlen (die ersten 3 Quartale 2001) hat das Unternehmen jedoch 2002 wieder zu kämpfen, obwohl es gerade in Europa nach Angaben Burneys um 30 Prozent zulegen konnte. Der neue Teilhaber Vector Holdings ist nun größter Aktionär bei Corel und rettete die Firma vorerst davor, schließen zu müssen. Viel Freude hat Corel im Verlauf des Jahres unter neuer Flagge aber nicht: Im Oktober trennt sich die Firma von 18 Prozent ihrer Belegschaft und stellt im November die Graphics Suite für den Mac ein.

...und Raider heißt jetzt Twix

Es hat sich schon im Februar abgezeichnet: Die Macworld Expo New York in ihrer bisherigen Form wird so nicht stattfinden. Zunächst gibt Apple am 24. März bekannt, die für Ende Mai geplante WWDC um einen Monat zu verschieben, in unmittelbare zeitliche Nähe zur Juli-Expo. Die offizielle Begründung: Steve Jobs will in einen ausführlichen Blick auf das Betriebssystemupgrade auf Mac-OS X 10.3 geben, die Entwickler sollen dafür vier Wochen mehr Zeit bekommen. Was Apple verschweigt, in den einschlägigen Gerüchteküchen aber immer öfter kursiert: Auch die Hardware-Entwickler haben vier Wochen mehr Zeit, um unter Hochdruck am Power Mac G5 zu arbeiten...
Wohl angesichts dieser Fakten und Apples Wunsch, die Entwicklerkonferenz, die vom lauschigen San Jose in die Weltstadt San Francisco umzieht, zu einer Hausmesse aufzuwerten, gibt IDG World Expo den Wunsch auf, die Macworld Expo New York in bewährter Manier auszuführen. Die Veranstaltung bekommt am 27. März eine neue Ausrichtung und den neuen Namen "Create", den die Veranstalter wenig später wieder in "Macworld and Creative Pro Expo" umändern sollten. Das neue Konzept sieht vor, sich mehr an professionelle Anwender im kreativen Bereich richten. Apple wird der Messe als Aussteller fern bleiben.

Was sonst noch im März geschieht:

Musikmesse in Frankfurt hat wie im Vorjahr 100.000 Besucher - Mac-OS X vor Durchbruch im Audiobereich +++ Chimera heißt jetzt Camino +++ Roxio streicht deutsche Niederlassung +++ Xbox live startet in Europa +++ T-Online macht Gewinne +++ Dell bringt Drucker unter eigenem Label heraus


Lesen Sie morgen in unserem Rückblick auf den April:

iTunes Music Store revolutioniert die Musikwelt +++ Apple-Software für Video-Profis +++ Gewinnrückgang bei Apple +++ Acrobat 6 für Mac-OS X ist da

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