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Chronik 2003: Mai

27.12.2003 | 08:00 Uhr |

iTunes 4 lässt Schlupfloch für Raubkopierer - nicht sehr lange +++ Spam wird immer dringenderes Problem +++ Microsoft mach Scherze mit iLoo - oder auch nicht +++ SCO erhebt Ansprüche auf Linux

Eine der wesentlichen neuen Funktionen von iTunes 4 ist die Integration von Rendezvous in die Jukeboxsoftware. In einem LAN können damit Anwender auf Bibliotheken anderer an das Netz angeschlossener iTunes-4-Nutzer zugreifen. Die Songs lädt der Client dabei nicht vom Server herunter, iTunes 4 sendet lediglich einen Stream von einem zum anderen Rechner, ähnlich wie ein Web-Radio. Findige Programmierer haben aber nur kurz nach Veröffentlichung der neuen Software Wege gefunden, die LAN-Beschränkung zu umgehen und iTunes-Bibliotheken auch über das Internet zu verbreiten.

Apple stellt jedoch klar, dass iTunes zu "nichts anderem gedacht" sei als für den privaten Gebrauch. Eine Dokumentation der in iTunes integrierten Streaming-Technologie hat Apple nicht veröffentlicht, die Anstrengungen der Programmierer, diese für Web-Sharing einzusetzen, werde man in Cupertino "beobachten" aber nicht weiter kommentieren. Websites, die Listen von Sharing-Servern anbieten schließen ihre Dienste jedoch so schnell, wie sie entstanden waren.

Mehr Müll als Mail

Die Aussage des Internetproviders GMX aus dem Mai, dass bald 30 Prozent des weltweiten E-Mail-Verkehrs aus Spam bestehen werde, liest sich im Rückblick also zu optimistische Prognose. Denn zum Jahresende schätzen bereits Experten, Spam würde mehr als die Hälfte der elektronischen Post ausmachen. Mit Filtern ist der Flut an unerwünschter Werbemail bald nicht mehr beizukommen, auch die neuen Technologien, die GMX und seine Mitbewerber in diesem Jahr für ihre Accounts einführen, garantieren keinen hundertprozentigen Schutz. Die USA versuchen den Störenfrieden mit Gesetzen beizukommen, bis zum Ende des Jahres hat der Kongress das Verdikt CAN-SPAM zur Unterschriftsreife gebracht. Mit bis zu fünf Jahren Haft und sechs Millionen Dollar droht das Gesetz den Massenversendern, die sich jedoch im Internet zu tarnen verstehen. Kritiker bemängeln zudem, dass CAN-SPAM keine Opt-in-Regelungen vorsieht, die eine Erlaubnis des E-Mail-Teilnehmers voraussetzen würden, damit eine Werbemail legal wird. Das E-Mail-Marketing hat auch eine Kehrseite, wie Mitte des Monats das Technik-Magazin Wired berichtet. Unter den Werbeteibenden gibt es auch seriöse Firmen, die sich zur Interessengruppe emArketersAmerica.org zusammenschließen und Betreiber von Blacklists verklagen. Dort seien nach Ansicht der Organistation auch ehrliche Firmen als Spammer aufgelistet, was den Tatbestand der Ehrverletzung erfülle. Der Prozess verläuft jedoch im Sande, emarketersamerica.org ist zum Jahresende nicht mehr im Web zu finden. Das gesamte Medium E-Mail gerät 2003 massiv in Gefahr an Bedeutung zu verlieren, die Kommunikation verschiebt sich mehr in Richtung Instant Messages. Doch auch in Chatrooms ist man Ende 2003 nicht mehr vor Werbemüll sicher...

Griff ins Klo

In der zweiten Mai-Woche sorgt ein möglicher Weise scherzhaft gemeinte Kampagne der britischen Microsoft-Niederlassung für Aufregung. Das iLoo macht im Web die Runde, ein stilles Örtchen mit Internetanschluss. Die Konzernzentrale in Redmond bezeichnet das Häusl zunächst als "verspäteten Aprilscherz", eine Unternehmenssprecherin vollzog kurz darauf jedoch eine Kehrtwende und bezeichnete das "iLoo" als "nicht ernst gemeinte Marketing-Initiative" ("tongue-in-cheek marketing initiative") aus Großbritannien. Die für einen "spezifischen Mark" entwickelte Initiative habe im Zusammenhang mit Plänen für interaktive Parkbänke ("MSN Park Bench") oder Liegestühle ("MSN Deckchair") gestanden. "Nach einer Überprüfung haben wir uns entschieden, mit diesem Projekt nicht weiterzumachen." Die Sprecherin entschuldigte sich dafür, dass eine Pressemitteilung veröffentlicht wurde, noch bevor über das Programm entschieden worden war, und für die Konfusion, die mit der Mitteilung ausgelöst wurde.

Geldforderungen

SCO, vormals Caldera erhebt im Mai 2003 erstmals Ansprüche, rechtmäßiger Eigentümer des Linux-Quellcodes zu sein. Die Company von Darl McBride argumentiert damit, dass der Unix-Code, den sie von Novell 1995 übernommen hat, sich in großen Teilen in Linux wieder findet. Novell, das seinerseits erst drei Jahre vor dem Weiterverkauf die Rechte von AT&T erworben hatte, bestreitet die Anschuldigungen. Patente, die das Copyright garantieren, seien noch immer im Besitz Novells, berichtet das "Wall Street Journal". Allerdings habe Novell nicht vor, seine Rechte geltend zu machen, was zur Entspannung vieler Linux-Anwender beitragen dürfte.
Weniger entspannt sieht das SCO, das zunächst IBM die Lizenzen für deren Unix-Derivate entzieht und Big Blue anschließend auf drei Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. IBM, das SCO abfällig als "Schlagloch auf der Linux-Straße" bezeichnet, reagiert mit einer Gegenklage, gegen Ende des Jahres fährt SCO argumentativ große Geschütze auf und bezeichnet Linux als "der Verfassung der USA widersprechend". Unterdessen lassen sich viele Firmen, die Linux einsetzen vom Schlachtenlärm einschüchtern und lizensieren bei SCO brav ihre Linux-Installationen. SCO verlangt pro Rechner 700 Dollar und bezeichnet sein Lizenzmodell als "Erfolg".

Was sonst im Mai geschieht:

Atari ist zurück - als neuer Name von Infogrames +++ AOL und Sony wollen Musiksparten fusionieren +++ Funkstandard 802.11g sorgt für neues Wachstum +++ AOL soll sich wieder von Time Warner trennen +++ Palm verkauft eine Million Zires +++ Roxio übernimmt Pressplay

Lesen Sie morgen in unserem Rückblick auf den Juni:

Der G5 ist da +++ Panther bringt 150 neue Features +++ MacExpo in Köln erfolgreich +++ Oracle verzettelt sich bei Übernahmeversuch von Peoplesoft

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