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Chronik 2003: Oktober

01.01.2004 | 08:13 Uhr |

Apple steigert Umsatz und Gewinn +++ Napster kehrt zurück - und der iTMS für Windows startet +++ Apple bringt iBook G4 +++ Nokia hat Ärger mit explodierenden Akkus +++ Universität von Virginia nimmt G5-Supercluster in Betrieb

Das Geschäftsjahr 2002/2003 geht für Apple mit einem hervorragenden Quartal zu Ende. Im Schlussquartal verbucht der Mac-Hersteller einen Gewinn von 44 Millionen Dollar oder zwölf Cent je Aktie verbucht. Der Quartalsumsatz erhöht sich um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar, in der Berichtszeit hat Apple 787.000 Rechner ausgeliefert, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Der Jahresumsatz steigt auf 6,2 (Vorjahr:5,7) Milliarden Dollar und der Jahresgewinn auf 69 (65) Millionen Dollar.
Die im fraglichen Zeitraum in den Handel gekommenen Power Macs G5, die neuen Powerbooks und iPods hätten laut Apple-Boss Steve Jobs wesentlich zu diesem "großartigen Quartal" beigetragen, den Absatz des iPod kann Apple um 140 Prozent auf 336.000 Stück steigern. Einen wesentlichen Umsatzsprung erreicht Apple mit den Power Macs erreichen, 221.000 Stück sind im abgelaufenen Quartal über den Ladentisch gegangen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das ein Plus von 26 Prozent, gegenüber dem Vorquartal gar eine Steigerung um 66 Prozent.
Rückläufig entwickelt sich jedoch der Verkauf von iMacs und iBooks.
Das Auslandsgeschäft hat 38 Prozent zum Umsatz beigesteuert. Laut Apple zeigt sich in Europa die Nachfrage wieder leicht erholt.
In den eigenen Läden hat Apple 59.000 Macs verkauft, die Ladenkette nahm insgesamt 193 Millionen Dollar ein, 48 Prozent mehr als vor drei Monaten und 75 Prozent mehr als im letzten Jahr. Die Apple Stores sind damit erstmals profitabel.

iTMS reloaded

Ein halbes Jahr nach dem erfolgreichen Start des iTunes Music Store bringt Apple die lang erwartete Windowsversion heraus, wenige Tage bevor Roxio mit Napster 2.0 die erste Ernst zu nehmende Konkurrenz startet.
Seit dem Start der Mac-Variante im April hat Apple bereits 13 Millionen Titel verkauft, bis zum einjährigen Jubiläum im Jahr 2004 will Cupertino die Zahl der kostenpflichtigen Downloads auf 100 Millionen steigern. iTunes 4.1 für Windows setzt Windows XP oder Windows 2000 voraus, der Downloadservice ist nach wie vor auf die USA beschränkt.
Den überarbeiteten iTunes Music Store bezeichnet Steve Jobs als "Zweite Generation" des Dienstes, so viele Neuerungen hat Apple eingeführt haben. Bis zum Monatsende führt Apple 400.000 Titel in seinem Online-Katalog, mit 200 unabhängigen Labels hat man Distributionsabkommen geschlossen. Über den iTunes Music Store sind nun auch von Audible.com bereit gestellte Hörbücher verfügbar. Zu den neunen Funktionen gehören auch Gutscheine im Wert zwischen 10 und 200 Dollar und ein Ausgabenlimit, das etwa Eltern für ihre Kinder setzen können. Alben lassen sich jetzt im iTMS alphabetisch, nach Verkaufszahlen oder dem Veröffentlichungsdatum sortieren. Prominente präsentieren ihre Lieblingssongs in Wiedergabelisten.
Die Überarbeitung macht bei der Online-Version nicht halt, auch der iPod, dessen Absatz Apples Musikservice vorantreibt, wird mit der neuen Treibersoftware in Version 2.1 immer mehr zu einem Multifunktionsgerät. Die Player der dritten Generation sind mit Zusatzgeräten nun in der Lage, Töne und Klänge aufzunehmen und abzuspeichern, ein externes Lesegerät für Flash-Speicherkarten macht den iPod zu einem Speicherort für digitale Bilder, die er gleichwohl nicht anzuzeigen in der Lage ist. Aber für die vierte Generation des mittlerweile mehr als eine Million mal verkauften Gerätes sollen ja noch Wünsche offen bleiben.

Konkurrenz für iTunes Music Store

Wenig beeindruckt ist Cupertino von den meisten Musikdownloaddiensten, die im Spätsommer und Herbst aus dem Boden schießen. Rhapsody, Musicmatch - in Zusammenarbeit mit Dell - und die Billigheimer von Wal Mart sind der Führungsriege Apples kaum einen Kommentar wert, allein auf das von Roxio ausgegliederte Napster 2.0 schauen die Verantwortlichen genauer hin.
Napsters VorteiL. Die Marke war unter Musikfans einmal Kult und hat auch zwei Jahre nach der Zwangsabschaltung als illegale Tauschbörse noch einen Namen in der Szene. Wie Apple ist es auch Napster gelungen, Titel aller fünf Majors anzubieten, der Startkatalog der Konkurrenz ist mit 500.000 Songs sogar umfangreicher. Die Preise sind ähnlich: 99 Cent pro Song und 9,95 Dollar für ein komplettes Album, die Bedienerfreundlichkeit vergleichbar mit der im iTMS. Das Digital Rights Management der Dateien im Format Windows Media Player ist ähnlich liberal gehalten wie die der AAC-iTunes, brennen und der Export auf digitale Player sind erlaubt. Dank des Windows Media Player 9 für Mac-OS X, der im November erscheint, könnten sich sogar Macianer von dem Dienst angesprochen fühlen. Jugendliche Musikfans ohne eigenes Bankkonto und Kreditkarte spricht Napster mit überall im Handel erhältlichen Prepaid-Karten an.
Apple reagiert auf den Angriff schon bevor Napster loslegt. Zum Start des iTMS für Windows gibt Steve Jobs zwei Aufsehen erregende Kooperationen bekannt, AOL-Abonnenten bekommen über ihren Internetzugangsclient direkten One-Click-Zugriff auf den iTMS - bis zur Umsetzung der Ankündigung sollte Apple noch zwei Monate brauchen. Ein weiterer Publicity-Knüller sollte dem iTMS ab Februar Auftrieb geben. Genau zum Superbowl, dem größten Ferseh-Sportereignis in den USA startet Pepsi eine Kampagne, in der der Brause-Hersteller 100 Millionen Songs verschenken will. Mit einem auf Getränkeflaschen aufgedruckten Code kann sich jeder einen kostenlosen Song aus dem iTMS ziehen. Landesweite Aufmerksamkeit ist Vorhaben gewiss. Man darf auf den neuen Superbowlspot gespannt sei - zwanzig Jahre nach Geburt des Mac feiert Apple nun die Geburt des legalen Downloads. Bis zum Jahresende 2003 haben Musikliebhaber 25 Millionen mal auf diese Option zurückgegriffen.

Neue Prozessoren

Zwei Tage vor dem Panther-Launch bringt Apple überraschend neue Einsteiger-Notebooks und beendet die Ära des G3-Prozessors nach fast sechs Jahren beendet. Am 10. November 1997 waren erstmals Rechner mit dem Power-PC-Prozessor der dritten Generation auf den Markt gekommen, die am 22. Oktober vorgestellte neue iBook-Reihe rüstet Apple nun auch mit dem G4-Prozessor von Motorola aus.
Die Einsteiger-Notebooks sind bis dahin die letzten Apple-Rechner mit G3-Prozessoren gewesen, die neue Modellreihe, erhältlich mit Bildschirmdiagonalen von 12 und 14 Zoll arbeiten mit Taktraten von 800, 933 und 1000 MHz. Die USB-2.0-Schnittstelle löst den alten Standard USB 2.0 ab, der Firewireport bleibt jedoch bei den Spezifikationen für einen Datentransfer bis zu 400 Mbps. Für Airport Exterme und Bluetooth sind die neuen Modelle vorbereitet, wie ihre Brüder der Powerbook-Reihe haben sie schlittenlose Einzugslaufwerke eingebaut, ein Kombo-Laufwerk ist dabei Standard. Mac-OS X 10.3 ist vorinstalliert, alle drei Rechner kommen mit 256 MB DDR SDRAM an Bord. Das 12,1-Zoll-iBook mit 800 MHz Taktrate hat eine 30 GB-Festplatte eingebaut, die beiden 14-Zöller (933 MHz und 1,0 GHz) kommen mit 40 GB und 60 GB Festplattenspeicher. Die Preise inklusive Mehrwertsteuer hat Apple mit 1.199 Euro, 1.449 Euro und 1.699 Euro festgelegt.

Gefährliche Gespräche

Nokia-Kunden fliegen immer öfter ihre Mobiltelefone um die Ohren. Der Grund ist schnell ausgemacht: Schlecht verarbeitete Akkus ohne Überspannungsschutz können nach Kurzschlüssen überhitzen und das Handy sprengen. Der finnische Hersteller macht Dritthersteller verantwortlich und rät Ende Oktober seinen Kunden, nur Originalbauteile zu verwenden.
Doch die Stiftung Warentest kommt nach ausführlichen Experimenten zusammen mit ihrer belgischen Partnerorganistion Test-Achats zu dem Schluss, dass auch originale Akkus für die Nokia-Handys 3210, 3310, 3330, 5510, 6650 und 6800 explodieren können. Mindestens zwei, die Modelle BML-3 und BMC-3 verfügen über keinen Kurzschluss-Schutz und können bei Kurzschlüssen bis zu 130 Grad aufheizen. Die von der Stiftung Warentest untersuchten Akkus von Fremdherstellern erwiesen sich als sicher. Erneut schiebt Nokia den Schwarzen Peter Dritten zu, Raubkopierer sollen die fehlerhafte Ware zu Original-Nokia-Preisen in offizielle Handelskanäle gebracht haben. Die Stiftung Warentest relativiert ihr Ergebnis und räumt ein, die autorisierten Batterien könne man äußerlich nur schwer von Billigware aus Fernost unterscheiden.

Umfangreiche Berechnungen

In den vergangenen Jahren hatte Apple vor allem in seiner einstigen zweiten Domäne nach dem Publishing-Bereich, dem Education-Sektor, an Boden verloren. Einen neuen Großkundne aus dem Bildungswesen präsentiert Apple im Herbst. Mitte Oktober nimmt die technische Universität von Virginia einen G5-Supercluster aus 1100 Power-Macs in Betrieb. Jeder der Knoten der Grid besteht aus einem Dual 2 Ghz Power Mac G5 und soll in Forschungsbereichen wie Quantenchemie, Biochemie und Meteorologie für aufwendige Berechnungen zum Einsatz kommen.
Beim Linpack Benchmark, einem Test der schon seit Jahren zur Berechnung von Fließkommaoperationen eingesetzt wird, erzielt der G5-Cluster einen Wert von 17,6 TFlops. Der Supermac, inoffiziell "Big Mac" genannt, wird damit nur vom Earth Simulator geschlagen. Mit 5,2 Millionen US-Dollar kostet der Power-Mac-Cluster im Vergleich zu herkömmlichen Supercomputern, die bei Preisen um 100 Millionen Dollar liegen, äußerst wenig. Der in nur drei Monaten gebaute Supercomputer verbraucht soviel Strom wie 3,000 Einfamilienhäuser und erhitzt die Lufttemperatur in seiner Umgebung auf über 38 Grad, weshalb ein spezielles Wasser gekühltes Leitungssystem entwickelt wurde.

Was sonst noch im Oktober geschieht

Der Panther kommt in den Handel +++ Peter Gabriel singt für Myst - neue Folge "Uru" jedoch nicht für den Mac +++ "Shift"-Taste in Windows hebelt CD-Kopierschutz aus +++ Konica und Minolta fusionieren +++ Krebsklagen gegen IBM

Lesen Sie morgen in unserem Rückblic auf den November:

iMac bekommt 20-Zoll-Monitor +++ Pixar feiert dank "Findet Nemo!" Rekordumsätze +++ Chip-Fabrik in Frankfurt/Oder scheitert +++ DVD-Jon knackt DRM des iTunes Music Store

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