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Chronologie des Microsoft-Verfahrens

08.06.2000 | 00:00 Uhr |

Die wichtigsten Etappen im Wettbewerbsverfahren gegen den US-Softwarekonzern Microsoft:

Juni 1990: Die US-Kartellbehörden beginnt Ermittlungen wegen des Vorwurfs, Microsoft monopolisiere den Markt für PC-Betriebssysteme.

17. Juli 1994: Microsoft verpflichtet sich beim US-Justizministerium, Computerherstellern mehr Freiheit für die Installation konkurrierender Betriebssysteme zu geben.

12. September 1994: Netscape liefert seinen ersten Internet-Browser aus. Der "Navigator" wird schnell zum Standardinstrument für die Navigation im weltweiten Netz.

26. Mai 1995: Microsoft-Chef Bill Gates erklärt die Entwicklung von Internet-Software zur Priorität für das Unternehmen.

21. Juni 1995: Bei einem geheimen Vorstandstreffen versucht Microsoft angeblich, Netscape mit Drohungen zu Marktabsprachen zu bewegen.

November 1995: Microsoft führt seinen Browser "Explorer" ein.

Oktober 1997: Das Justizministerium verklagt Microsoft, weil es seine 1994 eingegangene Verpflichtung zur Marktöffnung verletze.

11. Dezember 1997: Richter Thomas Penfield Jackson weist Microsoft in einer einstweiligen Anordnung an, PC-Hersteller nicht mehr zur Installation des "Explorer" mit Windows zu verpflichten.

18. Mai 1998: Das Justizministerium und 20 US-Staaten reichen Klage gegen Microsoft wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht ein. Der Hauptvorwurf: Microsoft missbrauche seine monopolartige Stellung mit dem Betriebssystem Windows, um Netscape vom Browser-Markt zu drängen.

23. Juni 1998: Ein Gericht hebt Jacksons einstweilige Anordnung auf.

19. Oktober 1998: Der Prozess gegen Microsoft wird eröffnet.

24. November 1998: Der weltgrößte Online-Dienst AOL kauft Netscape für 10 Milliarden Dollar.

5. November 1999: In einer Tatsachenfeststellung folgt der Richter Jackson in allen Punkten der Klage. Microsoft habe seine Marktmacht missbraucht, Konkurrenten rechtwidrig behindert und Verbraucher geschädigt. Jackson fordert Kläger und Microsoft zum Vergleich auf.

1. April 2000: Die Bemühungen um einen Vergleich platzen endgültig.

3. April 2000: Richter Jackson spricht Microsoft des wettbewerbswidrigen Verhaltens schuldig und muss nun über Strafen entscheiden. Gates kündigt vorsorglich Berufung an.

28. April 2000: Die US-Regierung fordert im Plädoyer ihrer Anwälte die Zerschlagung Microsofts in je ein Unternehmen für Betriebssysteme und für Anwendungsprogramme. Den Microsoft-Managern solle zudem verboten werden, in beiden Unternehmen gleichzeitig tätig zu sein.

10. Mai 2000: Microsoft bietet eine Änderung bestimmter Geschäftspraktiken an. Gleichzeitig nennen die Anwälte die beantragte Aufspaltung "beispiellos, radikal und unangemessen". Die für den 24. Mai angesetzte Anhörung soll auf den 4. Dezember verschoben werden. Die Regierung weist die Vorschläge als unzureichend zurück.

24. Mai 2000: Richter Jackson lehnt den Antrag auf Vertagung ab. Beobachter gewinnen den Eindruck, er neige einer Aufspaltung von Microsoft in drei Teile zu. Die Kläger haben bis zum 26. Mai Zeit, endgültige Anträge zum Strafmaß zu formulieren.

26. Mai 2000: Das Justizministerium besteht auf einer Aufspaltung des Unternehmens in zwei Teile. Microsoft kann bis zum 31. Mai reagieren.

31. Mai 2000: Microsoft wendet sich erneut vehement gegen eine Aufspaltung in zwei getrennte Firmen. Das Unternehmen fordert zwölf Monate Zeit für die Erarbeitung eventueller Aufspaltungspläne. Der Regierungsvorschlag sieht vier Monate vor. Der Richter räumt den Parteien überraschend mehr Zeit für Reaktionen ein.

5. Juni 2000: Die Regierungsanwälte lehnen die Änderungsvorschläge von Microsoft erneut ab.

6. Juni 2000: Überraschend legt Microsoft letzte Argumente einen Tag vor der Frist vor. Die Parteien warten auf das Urteil.

7. Juni 2000, 22.30 MESZ: Richter Thomas Penfield Jackson verhängt das Urteil: Microsoft soll in zwei getrennte Unternehmen zerschlagen werden. Microsoft hatte bereits zuvor Berufung angekündigt.

dpa/ab

Richter ordnet Microsoft-Zerschlagung an

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