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Cisco verzichtet auf Cloud-Zwang

09.07.2012 | 12:53 Uhr |

Eine Woche nach der automatischen Umstellung auf Cloud-Verwaltung muss Cisco den Beschwerden seiner aufgebrachten Kunden nachgeben und wieder auf Konfiguration im lokalen Netzwerk umstellen. Die Datenschutz-Bedenken der Anwender sind durch dieses Nachgeben aber keinesfalls ausgeräumt.

Cisco Systems hat die neue Standard-Voreinstellung für Cloud-Verwaltung für seine Router nur eine Woche nach dem Update wieder zurückgenommen. Künftig ist die Voreinstellung wie gehabt - durch Konfiguration und Verwaltung über das lokale Netzwerk, gab Cisco am letzten Donnerstag in seinem Blog bekannt. Damit hat Cisco Systems prompt auf die Klagen seiner aufgebrachten Anwender reagiert, die sich in Scharen über automatisch durchgeführte Firmware-Updates nach Cisco geänderten Vertragsbedingungen beschwerten.

Mit dem Online-Launch von Ciscos Connect Cloud in der letzten Woche stellte die Firma die Verwaltung automatisch auf Nur-Cloud um. Künftig können Anwender jetzt aber wieder wählen, falls sie die Cloud-Verwaltung bevorzugen. Cisco bietet auch Hilfe und Anleitungen an, die Systeme wieder auf das Verwaltungs-System der Vor-Version zurückzusetzen. In seinem Blog entschuldigt Cisco gleich zweimal für die Zwangsumstellung und die Bedenken der Anwender über Datenschutz und automatische Firmware-Updates.

Brett Wingo , Vize-Präsident bei Cisco, räumte in der Mitteilung ein, dass die geänderten Vertragsbedingungen nicht klar genug formuliert waren und Fragen offen ließen. "Weder unsere Cisco Linksys Router noch unser Cloud-Dienst Cisco Connect Cloud überwacht oder speichert Informationen über die Internetnutzung oder trennt Anwender vom Internet. Unsre Dienste wurden nie für Überwachungszwecke eingesetzt und sind dafür auch nicht ausgelegt", beteuert Wingo. In dem Blog-Eintrag verspricht er, das Cisco nie Software Updates automatisch laden wird, wenn der Anwender die Auto-Update-Option deaktiviert . Außerdem will Cisco seine Vertragsbedingungen und alle Anleitungen so schnell wie möglich überarbeiten und veröffentlichen.

Trotz aller Beteuerungen äußerten Anwender auch weiterhin Datenschutz-Bedenken . Der neue Cloud Dienst Cisco Connect Cloud wurde im April zusammen mit einer neuen Generation von Heim-Wi-Fi Routern vorgestellt. Linksys EA2700, EA3500 und EA4500 sind über Webbrowser oder Smartphone-Apps konfigurierbar und Cisco nutzte die Gelegenheit, für die offene Plattform auch gleich sechs Apps von Dritt-Herstellern vorzuführen. Beim Online-Launch des Cloud-Dienstes in letzter Woche beschwerten Anwender sich mit EA3500- und EA4500-Routern über die Zwangs-Umstellung auf Cloud-Verwaltung und bemängelten, dass zwar eine Option für lokale Netzwerk-Konfiguration noch angeboten wird, aber mit drastisch reduziertem Funktionsumfang.

Die geänderten Service-Bedingungen von Cisco fachten prompt weitere Bedenken an, da einige Passagen von der möglichen Auswertung der Internetnutzung sprechen. Im Klartext erwähnt Cisco den "anonymisierten Austausch von Anwender-Informationen mit Dritt-Parteien", worauf aufgebrachte Anwender drohten, keine Linksys Router von Cisco mehr einzusetzen. Auch eine prompte Änderung der Datenschutz-Bedingungen von Cisco brachte keine Beruhigung, da auch der neue Text nicht ausschließt, dass Cisco sich das Recht einräumt, die Router abzuschalten.

Cisco Systems hingegen ist sicher, dass der Schritt zur Cloud-Verwaltung ein bedeutender Schritt vorwärts ist, versucht Wingo in seinem Blog auch weiterhin zu verteidigen.

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