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Citizendium soll Wikipedia Konkurrenz machen

23.10.2006 | 16:55 Uhr |

Larry Sanger, einer der Wikipedia-Gründer, hat ein Konkurrenzprojekt zur freien Enzyklopädie angekündigt. Während er mit Citizendium letzte Woche zunächst nur in Deutschland an die Öffentlichkeit ging, schägt sein Vorstoß nun auch international Wellen.

Ihn störe vor allem die fehlende Qualitätskontrolle, sagt Sanger: Wikipedia erlaube es jedem Besucher, anonym Artikel einzustellen und zu verändern. Citizendium hingegen werde zunächst Wikipedias Artikel übernehmen, dann aber mit neuen Kontrollmechanismen Missbrauch verhindern.

Citizendiums Name ist Programm: Die Wikipedia-Alternative soll ein Nachschlagewerk für Bürger sein, die feste Mitglieder einer Gemeinschaft sind, sich zu gemeinsamen Regeln verpflichten, sich Experten unterordnen und dafür mit ihrem Namen bürgen. Mit dem Ende der Pseudonyme sieht Erfinder Larry Sanger auch das Ende der Anarchie gekommen, in der er Wikipedia versinken sieht: Gewählte Vertreter sollen in dem öffentlichen Wiki für Recht und Ordnung sorgen. "Ich bin über die Richtung frustriert, die Wikipedia sei 2002 eingeschlagen hat. Seit damals haben sich meine Hauptkritikpunkte nicht verändert", äußert er sich jetzt gegenüber Macworld UK : "Lange Zeit habe ich noch geglaubt, dass sie sich am Ende doch darüber klar werden und ein verantwortungsbewusstes Zulassungsverfahren einführen." Nur so hätte die Community weiter erwachsen werden können, allerdings hätten sich seine Hoffnungen nicht bestätigt. Das Wikipedia-Management habe versagt: "Sie haben keine tragenden Reformen durchgeführt, um die Probleme mit Beleidigungen und unzuverlässigen Informationen zu lösen." Hier liege seine Chance, die Nachfrage nach einer Experten-geführten Enzyklopädie sei groß. Das Hauptproblem an Wikipedia sieht Sanger in den vielen Auseinandersetzungen um einzelne Punkte in Artikeln: "Wir werden solchen Problemen ein Ende bereiten und Editoren erlauben, Entscheidungen zu fällen, wenn es zu einer Kontroverse kommt." Fänden die Editoren selbst keinen Kompromiss, werde es festgesetzte Regeln zur Streitlösung geben. Citizendium wird in einem ersten Schritt den Inhalt von Wikipedia übernehmen - deren GNU-Lizenz erlaubt das. Danach können sich Autoren und Editoren gegenseitig in das Pilotprojekt eintragen und erste Änderungen vornehmen. Erst in der dritten Phase wird Citizendium für die Öffentlichkeit zugänglich sein - Schreibrechte bekommt aber nur, wer einen Namen und eine E-Mail Adresse angibt sowie den Bedingungen des Projekts zustimmt. In einem Interview mit BusinessNews online hat Arne Klempert, Sprecher der deutschsprachigen Wikipedia, bereits letzte Woche zu Sangers Projekt Stellung genommen. Seiner Meinung nach braucht sich die Wikimedia Foundation nicht zu fürchten: "Ich persönlich bezweifle, dass es mit so einem eingeschränkten Mitarbeiterkreis möglich ist, ein solches Projekt zu stemmen", so Klempert. "Dass die Wikipedia heute das ist, was sie ist, verdankt sie ihrer Offenheit."

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