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Psystar meldet Insolvenz an

27.05.2009 | 07:24 Uhr |

Der Hersteller des Mac-Clones Open Computer Psystar hat Insolvenz angemeldet. Das von Apple wegen Verletzung der Urheberrechte an Mac-OS X verklagte Unternehmen gibt der allgemeinen Wirtschaftslage die Schuld - hat aber nicht unerhebliche Ausstände bei seinen Anwälten.

Psystar Open 3
Vergrößern Psystar Open 3

Platzt der für November angesetzte Prozess Apples gegen den Clone-Hersteller Psystar? Das in Miami ansässige Unternehmen hat am Wochenende Insolvenzschutz nach Paragraph 11 angemeldet. Das Insolvenzverfahren, in dem am 5. Juni eine Anhörung vor Gericht angesetzt ist, muss nicht zwangsläufig das Ende des mit Spannung ob seiner Präzedenzwirkung erwarteten Prozesses bedeuten, das Gericht entscheidet, in welcher Weise die Gläubiger abzufinden sind und wie Psystar seine Geschäfte weiterführen könnte.

Laut der dem Gericht eingereichten Dokumente gibt Psystar der allgemeinen wirtschaftlichen Lage die Schuld an der prekären Situation. Die Preise für Komponenten seien gestiegen, der Hersteller des Open Computer habe daher zuletzt mit Verlusten arbeiten müssen. Einem Firmenvermögen von 50.000 US-Dollar stünden Verbindlichkeiten zwischen 100.000 und 500.000 US-Dollar gegenüber, heißt es weiter. An der Spitze der Gläubigerliste steht die Anwaltskanzlei Carr & Farrell, die Psystar zu seiner Verteidigung gegen Apple angeheuert hat, das dem Unternehmen Verletzung des Urheberrechtes an Mac-OS X vorwirft. Nennenswerte Schulden hat Psystar jedoch auch bei den Logistikdienstleistern FedEx, UPS und DHL sowie Steuerschulden in Höhe von 12.000 US-Dollar.

Apple ist der Ansicht, dass Psystar mit seinem Open Computer, einem PC mit Standardkomponenten, auf dem Mac-OS X installiert ist, das Urheberrecht an seinem Betriebssystem verletzt. In seinen Lizenzbedingen für Mac-OS X 10.5 verbietet der Mac-Hersteller, Leopard auf andere Rechner als die Apples zu installieren. Psystar wehrt sich vor Gericht vor allem mit dem Argument, dass diese Praxis Apples den freien Wettbewerb verhindere. Zunächst hatte Psystar gar ein Monopol des Mac-Herstellers beklagt, das mit dem Streit befasste Gericht war jedoch dieser Argumentation nicht gefolgt und ließ eine diesbezügliche Gegenklage nicht zu - Apple steht schließlich im Betriebsystemmarkt vorwiegend im Wettstreit mit Windows, es gibt keinen Mac-OS-X-Markt mit Apple als einzigem Teilnehmer.

Kommentar: Apples Marktmacht

Durch die Insolvenz und dem drohenden Ende für Psystar geht Apple eine günstige Gelegenheit durch die Lappen. Denn sollte der Prozess um das Urheberrecht an Mac-OS X im November ausfallen, fehlt es an einem Präzedenzfall. Das Spiel ginge mit dem nächsten Anbieter von Standard-PCs mit Mac-OS X von vorne los, mit ähnlich langen Laufzeiten. Apples Chancen, vor Gericht ein Verbot gegen Psystar erwirken zu lassen, standen bislang nicht schlecht.

Für die Hypermeganet UG, Anbieter des Pearc , ist Psystars mögliches Ende ebenso eine schlechte Nachricht: Apples Anwälte könnten sich einen neuen Gegner suchen. Nicht zuletzt die Anwaltskosten für die Verteidigung waren es, die Psystar insolvent gehen ließen - die Garagenfirma aus Miami hat aber womöglich die eigenen Finanzen über- und die Marktmacht Apples unterschätzt. Wer über sechs Milliarden US-Dollar an Barreservern verfügt, kann sich einen langwierigen Prozess leisten.

Gespannt sein darf man aber auf zweierlei: Apple hatte im Verlauf des Prozesses die Vermutung geäußert, hinter Psystar könnten solvente Geldgeber sitzen, etwa konkurrierende PC-Hersteller, die einen Versuchsballon starteten. Sollte das tatsächlich der Fall sein, müsste Psystar derartige finanzielle Konstrukte im Insolvenzverfahren offen legen. Und ob sich Apples Rechtsabteilung nun auf dem Weg nach Moskau macht, um sich den neuen Clone-Anbieter Russian Mac vorzuknüpfen, bleibt angesichts des undurchschaubaren Polit- und Rechtssystems Russlands fraglich. Am Ende hätte Apple womöglich nur einem Kleinen, dessen man habhaft hat werden können, durch seine Marktmacht den Garaus gemacht. Die prinzipielle Frage nach der Legalität von geklonten Macs bliebe unbeantwortet.

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