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Communities für Hobbyfotografen boomen

14.04.2004 | 09:46 Uhr |

Wenn es Nacht wird in Deutschland, laufen bei «fotocommunity.de» die Server heiß. Im Sekundentakt kommen bei Europas größtem Internet-Fotoportal die Bilder der Mitglieder an, Porträts, Aktfotos, Landschaften oder Stillleben.

Portale wie die «fc» werden bei Fotoamateuren immer beliebter: Hier tauschen sie sich zu Tausenden oft Nächte lang aus, stellen Bilder vor, kommentieren, streiten und knüpfen Kontakte. Wer sich einer Community anschließen möchte, sollte sich jedoch vorher über die Teilnahmebedingungen informieren, so der Rat von Experten. Mit dem Einstellen von Bildern treten Nutzer nämlich bei manchen Anbietern auch die Bildrechte ab.

Andreas Meyer, der Gründer von «fotocommunity.de» aus Bonn, zählt mittlerweile rund 51 500 Mitglieder in seiner Cyberspace-Gemeinde. Auf seinen acht Servern liegen 610 000 Fotos, zu denen die Mitglieder im Laufe der Zeit 4,5 Millionen Bemerkungen verfasst haben. Rund 50 Millionen Seitenabrufe pro Monat registriert die Datenbank-Software.

Die Idee zum Aufbau einer für jeden zugänglichen Fotogalerie und -gemeinschaft kam dem «Hobbyknipser» 2001. «Ich hatte zwar meine eigene Homepage, in der ich meine Bilder ausstellte», sagt Meyer, «ärgerte mich aber, dass auf diese Weise keinerlei Kommunikation mit anderen Fotografen möglich war.» Bei der «fc» können Hobbyfotografen und Profis nicht nur ihre Bilder hochladen und ausstellen. Wichtig ist Meyer vor allem die Vernetzung der Mitglieder untereinander.

Einen ähnlichen Dienst bietet in den USA «photosig.com» an, aber ohne eine umfassende Kommunikation der Mitglieder untereinander zu ermöglichen. Auch weitere deutsche Foren erlauben das Hochladen und Diskutieren eigener Bilder, beispielsweise «digitalkamera.de» oder «photo-tipps.de». Die Seiten der Fotofreunde aus Lübeck und Baden-Baden geben außerdem Tipps zu Themen wie Bildgestaltung, Lichtmessung oder Aufbereitung von Digitalbildern für das Internet. In verschiedenen Foren lassen sich nach Angaben der Betreiber Technik-Themen oder auch eingestellte Bilder besprechen.

Neben diesen Portalen bieten auch einige Fotomagazine wie «photographie.de» Besuchergalerien an - von unzähligen kleineren privaten Homepages einmal ganz abgesehen: Es gebe mittlerweile im Internet ein sehr umfangreiches Angebot an Seiten zur Amateurfotografie. Darunter sind auch etliche Homepages, auf denen Bilder diskutiert werden, so die Beobachtung von Constanze Clauß, Pressereferentin des Photoindustrie-Verbands in Frankfurt.

Wenn die Bildbesprechungen konstruktiv sind, könne das eine «sehr gute Sache» für Hobbyfotografen sein: «Man lernt dadurch sehr viel über Techniken - etwa den Bildaufbau - und erhält Anregungen von Experten», sagt Clauß. Es gebe allerdings auch Foren, in denen es weniger um ernst gemeinte Kritik geht. Hier legten es einige Teilnehmer vielmehr gezielt darauf an, andere «niederzumachen» und deren Bilder öffentlich zu zerreden. Das könne für den Amateur, der beispielsweise ein selbst gemachtes Foto von seiner Freundin einstellt, das ihm persönlich viel bedeutet, sehr verletzend sein.

«Kritisch wird es, wenn Bildmaterial eingestellt wird, mit dem der Seitenbetreiber dann weiterarbeitet», sagt Clauß. Manche Anbieter legten in ihren Teilnahmebedingungen fest, dass ihnen mit dem Hochladen von Bildern sämtliche Bildrechte übertragen werden. «Das kann man natürlich nicht gutheißen», so Clauß. Schließlich habe der Fotograf dann keinen Einfluss mehr darauf, was mit seinem Bild passiert. Hobbyfotografen sollten daher die Teilnahmebedingungen genau lesen.

Der Betreiber von «fotocommunity.de» zumindest versichert auf der Startseite: «Alle Bilder unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Sender». Wer ein Bild zur Diskussion in das Portal hochlädt, räumt dem Anbieter lediglich ein Nutzungsrecht ein, das sich außerdem jederzeit widerrufen lässt.

Allerdings sollte sich jeder, der Bilder ins Internet stellt, auch die Möglichkeit des Missbrauchs durch andere Surfer vergegenwärtigen, warnt Constanze Clauß: «Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Bilder von Dritten sehr leicht kopiert und dann für andere Zwecke verwendet werden können.» Sie rät daher davon ab, Bilder mit hoher Auflösung hochzuladen, die sich auch für Druckzwecke eignen. Fotos mit geringer Auflösung ließen sich meist nur im Internet verwenden - wobei auch die Vorstellung, dass ihre Bilder auf privaten Homepages weiterverwendet werden, vielen Fotografen nicht gefallen dürfte.

Betrachtet man die hohe Nutzerzahl, haben die Mitglieder von «fotocommunity.de» diese Bedenken dem Anschein nach nicht. Der Erfolg des Portals nach dem Start vor drei Jahren hat selbst Initiator Andreas Meyer überrascht: «Wir hatten so viel Verkehr auf der Seite, dass ich nach drei Monaten vom Provider eine Rechnung über damals 1000 Mark monatlich bekam.»

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