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Buchrezension: Computergeschichte(n)

06.12.2010 | 10:07 Uhr |

Woher kommen eigentlich diese Dinger, mit denen wir täglich unsere Arbeit verrichten, uns drüber ärgern oder mit ihnen Spaß haben? Was werkelt bei ihnen unter der Haube, und auf welche Sprache verstehen sie sich? Mit anderen Worten: Was macht unsere Computer zu den manchmal beängstigenden, zumeist aber faszinierenden Alltagsgegenständen, die sie inzwischen sind?

Computergeschichte(n) - nicht nur für Geeks
Vergrößern Computergeschichte(n) - nicht nur für Geeks

Diese und andere Fragen, die auch mal über den unmittelbaren Computerkontext hinausreichen dürfen, will Galileo-Autor H.R. Wieland auf zirka 600 Seiten inklusive beiliegender DVD umfassend beantworten, und das gelingt ihm durchweg. Der Buchtitel "Computergeschichte(n) - nicht nur für Geeks" passt nur teilweise: Von dem Band profitieren wird nur, wer den vielen Beispielen im Buch und auf der DVD folgt, um Uralt-Simulationen bis zurück zum Zuse Z3, dem Eniac oder Apple I und vielen anderen selbst nach zu erleben und auch Programmiersprachen wie ALGOL und Smalltalk wenigstens elementar zu erkunden. Auch eine universelle Turing-Maschine gehört zum praxisnah vorgestellten Werkzeug.

Lerning by doing

Es ist zwar möglich, in dem Buch oft seitenweise "unbehelligt" einfach zu lesen und Bilder oder Screenshots zu bewundern, aber dieser ausgesprochen lobenswerte und für ein solches Buch ungewöhnliche Ansatz der Erweiterung kehrt immer wieder. Dass der Autor Informatiker ist, spürt man sowohl an der Kompetenz seiner Aussagen wie aber auch an manchen Formulierungen, die seine Fachrichtung deutlich voraussetzen. Mit anderen Worten: Ein "Geek" in diesem Sinn als versierter Computernarr (vgl. zu den diversen Begriffsdefinitionen bei Wikipedia ) hat von diesem Band deutlich mehr als jemand, der sich einfach nur für die grobe Entwicklung der Modelle und Ideen seit der Antike bis heute interessiert. Wer aber auch als "Nicht-Geek" etwas Ausdauer und echtes Interesse mitbringt, wird von "Computergeschichte(n)" enorm profitieren. Denn diese führen den Leser in drei Teilen (Geschichte der Hardware, der Software und über die Zukunft des Computers) und 13 Kapiteln zuzüglich Anhängen quer durch das Werden und Vergehen von Computerideen und -systemen: Angefangen bei antiken Funden des Mechanismus von Antikythera über die Rechenmaschine von Leibniz und ersten Computern von Zuse und Enigma, Apple I und Atari, IBM-PC und Supercomputer wie die Crays bis in die Gegenwart und darüber hinaus. Dabei sind, wie erwähnt, natürlich immer auch die jeweilige Software respektive die Maschinen- und Programmiersprachen im Blick. Auch auf Biographien (etwa Zuses, Turings, Crays) und auf spannende Firmengeschichten (beispielsweise Commodore) geht der kenntnisreiche Autor immer wieder ein.

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