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Computerparty: Friedliches Chaos zwischen Kabel und Monitoren

31.07.2000 | 00:00 Uhr |

Es war keine gewöhnliche Party, zu der sich am
Wochenende 2 500 Computerfreaks in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen
trafen. Es herrschte ein friedliches Chaos aus Müllsäcken,
Lebensmitteln, Kabeln und Computerzubehör. An langen Tischen saßen
die meist 18- bis 25-Jährigen eng beisammen vor Monitoren.

Neben
ihnen häuften sich leere Bier- und Energiegetränkedosen. Und immer
wieder gellte ein Johlen durch den Saal, wenn irgendwo ein Sieg
erkämpft wurde. 48 Stunden lang spielten die Teilnehmer auf ihren
vernetzten Rechnern um die Wette und trugen virtuelle Wettkämpfe aus.

Computer und Monitor hatte jeder selbst mitgebracht, die
Veranstalter sorgten für Strom- und Netzwerkanschlüsse. Die
Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, der
Schweiz und Norwegen nach Wiesbaden. Wie immer bei solchen Computer-
Partys waren Frauen in der Minderheit. Nur etwa ein Prozent der
Spieler waren weiblich. Eine davon war die 20 Jahre alte Jennifer aus
Mainz-Kastel. «Wenn man da mal durchblickt, macht es echt Spaß»,
erklärte sie ihre Faszination für Computerspiele.

Für die Netzwerkparty in den Rhein-Main-Hallen benötigten die
Veranstalter 20 Kilometer Glasfaserkabel, 15 bis 20 Kilometer
Kupferkabel und noch einmal 15 bis 20 Kilometer Stromkabel. Die
geschätzten Stromkosten für die Veranstaltung liegen zwischen 15 000
und 20 000 Mark. Insgesamt betragen die Kosten für die Netzwerkparty
250 000 Mark. Jeder Spieler zahlte 50 Mark Teilnahmegebühr.
Gesponsort wurde die Veranstaltung zudem von einem Unternehmen aus
dem Bereich interaktive Business- und Kommunikationslösungen aus
Wiesbaden.

Für Thomas von Treichel vom Veranstalter, dem Verein «Dark Breed»
aus dem hessischen Karben, dienen solche Veranstaltungen auch dem
Abbau von Vorurteilen. Computerfreaks seien eben keine verklemmten
Wesen mit dicken Hornbrillen auf der Nase, sondern Menschen wie Du
und Ich. Aber eigentlich sei diese Party schon der «pure Wahnsinn»,
sagt er dann. «Normal ist doch langweilig.»
dpa

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