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Continental-Chef: Google wird keine Autos bauen

26.10.2015 | 17:12 Uhr |

IT-Firmen drängen in die Automobilbranche, das ist nichts Neues. Auch wenn die beiden Bereiche „Automobilindustrie“ und „Internet“ immer mehr zusammenwachsen, zweifelt Continental-Chef Degenhart an einer solchen Fusion.

Gegenüber der dpa schätzt Continental-Chef Elmar Degenhart die Spekulationen, dass Google im großen Stil eigene Autos bauen wird, als sehr unwahrscheinlich ein: „Ich glaube nicht, dass Google ernsthaft die Intention hat, jemals Autos selbst zu bauen.“
 
Googles Interesse an der Autobranche habe laut Degenhart ganz andere Gründe: „Google versucht, auf andere Geschäftsfelder zu expandieren – auch, weil sie weiteres Wachstumspotenzial aufzeigen müssen. Und Google ist interessiert daran, das Auto als zusätzliche Informations- und Datenquelle zu erschließen. Der größte weiße Fleck der Internetnutzung heute ist das Auto.“
 
Diese These kann Degenhart auch mit Zahlen belegen. Demnach gibt es weltweit rund drei Milliarden Internetnutzer, die am Tag durchschnittlich drei Stunden Online sind. Somit besteht ein Nutzungspotential von rund 9 Milliarden Internetnutzerstunden. Da für die Internetindustrie eine Nutzerstunde einen gewissen Gegenwert hat, der vor allem durch Werbung erzielt wird, handelt es sich für alle Anbieter somit um einen Multimilliarden-Markt.
 
Potentielle Marktnischen sind demnach rund eine Milliarde Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, welche durchschnittlich eine Stunde pro Tag auf den Straßen unterwegs sind: „Das ergibt also ein theoretisches Zusatzpotential in der Internetnutzung von einer weiteren Milliarde Nutzerstunden pro Tag – wenn alle automatische fahren und in der Zeit auch das Internet nutzen. Doch schon ein Bruchteil davon wäre interessant für die Internetindustrie.“
 
Unter diesem Aspekt ist es durchaus nachvollziehbar, dass Google an der Verbreitung von Roboterautos und somit auch an der vernetzten Mobilität interessiert ist. „Das ist auch einer der wesentlichen Gründe für Google, die Automobilindustrie zu drängen, endlich mehr automatische Fahrfunktionen zu realisieren. Das tun sie sehr geschickt und bauen dabei gleichzeitig Image und Reputation auf als Technologieunternehmen“.
 
Trotz dieser futuristisch klingenden Ziele, die sich Google da zu setzen scheint, bleibt dies für Degenhart trotzdem Teil der Zukunft. Zwar testet Google bereits am automatisierenden (mit Autopilot) und autonomen (ohne Fahrer) Fahren, Degenhart ist vorerst trotzdem anderer Meinung: „In den nächsten 10 oder 15 Jahren werden wir in New York keine Roboter-Taxis ohne Lenkrad und Pedalerie sehen. Das ist Science Fiction, das ist Träumerei. Denn das dortige Verkehrsgeschehen wäre dafür viel zu komplex und unberechenbar“

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