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Crossplattform-Emulation verbindet Welten

14.09.2004 | 17:08 Uhr |

Die in Kalifornien und England ansässige Firma Transitive behauptet, mit ihrem Produkt "Quick-Transit" einen in der Computerwelt lange gehegten Traum zu erfüllen: Das schnelle Ausführen von Code artfremder CPUs auf einer Vielzahl von Systemen.

Laut Transitive ist es damit beispielsweise möglich, Windows-Programme völlig ohne Anpassung auf dem Mac laufen zu lassen oder umgekehrt. Momentan läuft Quick-Transit auf Itanium, x86, POWER/PowerPC und dem 64bit-x86 des AMD Opteron. Übersetzt wird Code von MIPS-, POWER/PowerPC, x86 und Mainframes, Unterstützung für weitere Architekturen ist geplant. Transitive will den Begriff Emulator vermeiden, da damit meist "langsam" assoziiert wird, also nennen sie ihre Kreation "Hardware-Virtualisierung".

Laut Transitive soll die Emulation sehr schnell sein, Transitive erreicht dies durch Übersetzung ganzer Code-Blöcke statt Abarbeitung jeder einzelnen Instruktion, wie es bisherige Emulatoren tun.Die technische Grundlage für eine solche Emulation ist eine Zwischensprache, in die der Code vor dem Übersetzen auf die Zielarchitektur umgewandelt wird. In dieser Zwischensprache wird nicht nur der Code selbst ausgedrückt sondern auch das, was der Code konkret tun will. Der Zwischensprachen-Code wird dann von einem optimierenden Kernel verarbeitet, der häufig aufgerufenen Code zur Laufzeit optimiert. Am Ende steht der "Back-end Code Generator", der den Zwischensprachen-Code auf die jeweilge Zielarchitektur optimal anpassen soll.

Auch die Systemaufrufe der jeweiligen Plattformen werden mit dem "Operating System Mapper" auf die Zielplattform übersetzt, momentan beschränkt sich dies jedoch auf "Unix-artige" Betriebssysteme. Auf ähnliche Weise soll mit dem "Graphics Mapper" angeblich sogar Konvertierung in die jeweils native 3D-Schnittstelle möglich sein. Gerade in diesem Bereich hat Transitive durch ihre Zusammenarbeit mit den WineX-Entwicklern von Transgaming wohl schon viel Erfahrung sammeln können. Bei WineX handelt es sich um einen Übersetzer für Linux, welcher DirectX-Spiele und -Programme unter Linux lauffähig macht. Zum Beweis, dass die Technik funktioniert ließ Transitive die Linux-x86-Version von Quake 3 auf einem Powerbook laufen (ob unter Mac-OS X oder PPC-Linux wird allerdings nicht erwähnt). Transitive betont immer wieder die Geschwindigkeit ihrer ursprünglich an der Universität von Manchester begonnenen und patentierten Software, die teilweise sogar so schnell sein soll wie eine native Anwendung. Zielgruppe ist vorerst der Mainframe- und Server-Markt, in dem noch eine Vielfalt an unterschiedlichen Prozessorarchitekturen und Unix-Varianten zu finden ist. Aber auch der Consumer-Bereich steht längerfristig auf Transitives Wunschliste.

Kommentar

In der Fachwelt werden Transitives Behauptungen bisher mit Skepsis gesehen, zu oft schon haben Firmen den "heiligen Gral" der vollständigen und performanten Emulation versprochen. Unter anderem Transitive selbst, die schon 2001 vollmundig eine Emulation eines 1-GHz-Powermacs auf einem 1,4 GHz Athlon ankündigten. Zu dieser Zeit war 867 MHz bei Motorola das höchste der Gefühle. Es blieb allerdings damals bei den Ankündigungen, man wird also sehen müssen ob Transitive dieses Mal den großen Worten auch konkrete Produkte folgen lassen kann.
Transitive hat nach eigener Aussage mit sechs ungenannten großen Computerherstellern Verträge abgeschlossen. Zwei davon sollen Ende 2004 bis Anfang 2005 konkrete Produkte veröffentlichen, die auf der Transitive-Technik basieren. Eine Firma soll laut Transitive Microsoft sein, die für die PPC-basierte Xbox 2 eine Emulation für Xbox 1-Spiele in x86-Code benötigen. Nur hat Microsoft höchstwahrscheinlich aus diesem Grunde Die Emulations-Spezialisten von Connectix aufgekauft, die das bekannte Virtual PC auf Mac und PC entwickelt haben.

Info Technische Beschreibung der Quick-Transit Technologie

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