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Crowdsourcing: Internet-Intelligenz

20.07.2012 | 08:20 Uhr |

Mit "Crowdsourcing" helfen iPhone-Benutzer bei der Erhebung und Auswertung von Daten unterwegs. Wir sagen, wie das funktioniert und wozu es gut ist

Ohne es zu ahnen, helfen seit geraumer Zeit Millionen von iPhone-Nutzern Apple dabei, dass ab September unter iOS 6 bei der Nutzung der neuen App Karten aktuelle Verkehrsinformationen eingeblendet werden. Die Live-Infos werden aus den Informationen zum Verkehrsaufkommen durch die iPhone-Nutzer automatisch generiert, das funktioniert bereits seit iOS 5.

Unter "Einstellungen > Ortungsdienste > Systemdienste" ist per Voreinstellung die Option "Verkehr" eingeschaltet. Anonymisiert überträgt das iPhone Bewegungsdaten der Benutzer. Die Server können aus Geschwindigkeit und Bewegung Staus erkennen und die Information an entsprechend ausgerüstete Apps wie Karten unter iOS 6 in Echtzeit übergeben. Die Funktion "Verkehr" in der aktuellen App Karten via Google Maps funktioniert übrigens genauso. Man spricht von "Crowdsourcing", frei übersetzt könnte man von "Schwarmintelligenz" sprechen.

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Crowdsourcing per Internet

Im Gegensatz zum Outsourcing, dem Auslagern von Aufgaben und Strukturen an Drittunternehmen, wird bei Crowdsourcing die Arbeitskraft und Intelligenz von Internet-Nutzern eingesetzt. Der Begriff ist noch nicht sehr alt, wurde von Jeff Howe 2006 in einem Beitrag des Wired Magazine geprägt. Nun müssen in der heutigen Zeit Benutzer nicht extra etwas tun oder selbst nachdenken, um den Crowdsourcing-Prozess in Gang zu bringen. Das übernehmen heute Smartphones mit Internet-Anbindung und GPS. Die Kombination ist geeignet, diverse Szenarien zu bedienen, nicht nur die Erhebung von Verkehrsaufkommen.

Locationgate und Crowdsourcing

Im April 2011 sind iPhone-Benutzer vielleicht erstmals über den Begriff gestolpert. Damals ereiferten sich Presse und Benutzer darüber, dass Apple (ohne Wissen des Benutzers) offensichtlich dessen Bewegungsdaten lokal gespeichert und an Apples Server übermittelt hat. Inzwischen ist klar, warum Apple das tat, das Unternehmen hat die berechtigte Kritik am Handling der Informationen - namentlich deren unverschlüsselte Speicherung auf dem iPhone und im Backup - abgestellt.

Benötigt werden die Informationen dennoch weiterhin: Will der iPhone-Benutzer die Ortungsfunktion über sein GPS-Modul verwenden, müsste er ohne das Datenmaterial minutenlang warten, bis sein Smartphone den Standort gefunden hat. Dank Crowdsourcing passiert Folgendes: Zunächst sucht das iPhone nach Wi-Fi-Hotspots und Mobilfunkmasten in der Umgebung, sendet die Liste an Apples Server und bekommt ein Datenpaket mit ungefähren Positionsdaten und Daten zu den Satellitenpositionen vor Ort. Die genaue Ortung über das Assisted-GPS, die sonst einige Minuten in Anspruch nehmen würde, klappt in wenigen Sekunden. Das Vorgehen gilt für alle Smartphones, hier kommt immer Assisted-GPS zum Einsatz, das genau diese Daten benötigt. Beim iPhone erlaubt der Benutzer seine Beteiligung am Crowdsourcing von Apple in der genannten Einstellung über "Funknetzsuche".

Nutzen und Gefahren

Die Idee hinter Crowdsourcing ist genial und gut. Ohne Extraaufwand tragen Nutzer dazu bei, dass bestimmte Dinge des täglichen Lebens besser funktionieren. So kann mobiles Crowdsourcing etwa helfen, Strahlenwerte zu erheben, Lärm oder Luftverschmutzung flächendeckend und aktuell zu erfassen - ein Smartphone mit entsprechender Messvorrichtung vorausgesetzt. Crowdsourcing kommt auch bei Naturkatastrophen, Hungersnöten und Dürren inzwischen zum Einsatz, zum Wohl der Betroffenen.

Nutzen Unternehmen Crowdsourcing mit ihren Kunden, ist immer wichtig, dass die erhobenen Daten nicht in falsche Hände geraten und anonymisiert sind. Das ist bei Apple sicher der Fall. Aber auch hier lockt das Geld: In der genannten Einstellung bietet die Option "Ortsabhängige iAds" Apple alle Voraussetzungen für ortsbezogene Werbung via iPhone.

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