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Cube: Aufrüsten oder abstoßen?

27.03.2003 | 14:49 Uhr |

Vor etwa drei Jahren hat Apple den Cube vorgestellt - Zeit für Besitzer des Design-Rechners, um über ein Upgrade nachzudenken

München/Macwelt - Einer der größten wirtschaftlichen Mißerfolge von Apple war der Design-Rechner Cube G4. Der im Juni 2000 vorgestellte Würfel-Computer gewann Design-Preise und erhielt viel positves Medien-Echo, wurde aber bereits nach einem Jahr Produktion eingestellt und seine gesamte Entwicklungsabteilung gefeuert. Mit dem hohen Preis von 3800 Mark und schlechter Erweiterungsfähigkeit hatte der Rechner viele Begehrlichkeiten geweckt, die meisten Interessenten entschieden sich beim Kauf eines Mac am Ende aber dann doch entweder für einen iMac oder Power Mac.
Der stolze Besitzer eines dieser mittlerweile zwei oder drei Jahre alten Geräte steht nun langsam vor der Frage: Soll ich meinen geliebten Cube aufrüsten oder doch durch einen neuen Rechner ersetzen? Verkauft man ihn über Kleinanzeigen oder Ebay bekommt man schließlich immer noch etwa 900 Euro für den Design-Klassiker.

Welche Alternativen bietet Apple?

Laut den aktuellen Macwelt-Benchmarks hat ein neuer 1 GHz-iMac eine etwa 70 Prozent bessere Gesamtperformance als ein Cube mit 450 MHz, ein Single-1-GHz-Power Mac ist etwa doppelt so schnell. Beim Erscheinen des Cube war der Rechner auf dem Leistungsniveau der aktuellen Power Macs und macht (dank Motorola) auch nach drei Jahren noch einen recht schnellen Eindruck. Für Büroanwendungen oder Bildbearbeitung ist der Rechner schließlich auch ohne Aufrüstungen immer noch schnell genug und dank seiner aufwendiger Konstruktion und einem externen Netzteil völlig geräuschlos (vorausgesetzt natürlich, man verwendet eine leise Festplatte).
Ein adäquater Ersatz für einen Cube wäre etwa ein iMac mit Superdrive. Für nicht viel mehr als den Preis eines Cube bekommt man heute zusätzlich einen DVD-Brenner, 17-Zoll-TFT und eine schnelle Grafikkarte. Der neue iMac steht zwar im Gegensatz zum Cube nicht im Museum of Modern Art, im Gegensatz zu einem aktuellen Power Mac ist er aber so leise, daß sich auch ein Cube-Besitzer damit anfreunden könnte. Auch der kleinste Powermac würde sich (für lärmresistente Anwender) als Alternative eignen. Einen Monitor hat schließlich jeder Cube-Anwender schon. Auch die leisen Powerbooks und iBooks bieten sich als Desktop-Alternativen an.

Neuer Prozessor?

Typischerweise trennen sich Mac-Anwender nur ungern von einem vertrauten Apple-Gerät. Dritthersteller haben den Markt der Cube-Fans erkannt und bieten eine Reihe Prozessorupgrades an. Allerdings kostet es etwa 740 Euro, seinen Cube auf 1,2 GHz Leistung aufzubohren, für 460 Euro bringt man den Prozessor auf 800 MHz. Besonders Video-Anwender würden von diesen schnelleren Prozessoren profitieren. Allerdings muß zusätzlich ein Lüfter eingebaut werden, der den lautlosen Rechner etwas lauter macht.

Neues Laufwerk?

Erstmals ist auch ein interner DVD-Brenner ab April zu haben. Das von der Firma MCE angebotene Slot-In-Laufwerk kostet 450 US-Dollar und soll sogar mit allen Apple-Brennprogrammen kompatibel sein. Es schafft aber leider nur einfache-DVD-Brenngeschwindigkeit und brennt CD-Rs mit relativ langsamer 8facher Geschwindigkeit. Ein internes Laufwerk wäre zwar die elegantere Alternative zu einem externen Brenner, modernen 4fach-DVD-Brennern ist das Laufwerk aber eindeutig unterlegen. Ein schnelles Firewire-Laufwerk kann übrigens auch die Geschwindigkeit beim MP3-Encodieren erhöhen, da diese weit schneller Audio-Dateien auslesen können als die relativ langsamen Cube-Laufwerke.

Neue Grafikkarte?

Ein trauriges Kapitel sind Grafikkarten. Die standardmäßig verbaute Rage 128 Pro war bereit bei Erscheinen des Cube veraltet, Quartz Extreme wird von der relativ langsamen Karte unter Mac-OS X 10.2 nicht unterstützt. Es gibt nur wenige Grafikkarten, die man ersatzweise verbauen kann, schnellere lüfterlose Modelle wie die Geforce 2 MX sind für aktuelle Spiele zu langsam und trotzdem nur zu hohen Preisen zu bekommen. Auch die gut passende und recht schnelle Geforce 3 wird nicht mehr hergestellt. Zudem hat sie, wie die in einigen Modellen verbaute Radeon-Karte, einen Lüfter. Besonders für Gamer ist also der Cube keine ideale Lösung. Aktuelle Grafikkarten sind nur mit aufwendigen Umbauten verwendbar.

Rein rechnerisch läßt sich das Aufrüsten eines Cube kaum begründen. Bereits die billigste Prozessorkarte kommt so teuer wie der Verkauf des Rechners und Neukauf eine Powermacs. Apple-Rechner sind zur Zeit relativ günstig, Cubes noch relativ gut zu verkaufen. Schließlich sind auch immer noch recht viele Mac-Anwender auf das Booten in System Mac-OS 9 angewiesen. Ausschlaggebend ist für viele aber wohl doch die emotionale Bindung an einen echten Design-Klassiker. Besonders für Privat-Anwender ist ein Cube schließlich nicht nur ein austauschbares Elektrogerät sondern ein vertrauter und in der Regel zuverlässiger Begleiter.

Stephan Wiesend

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