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Tim Cook: iPad wird den Mac nicht ersetzen

30.05.2012 | 11:14 Uhr |

Auf der D-Confernence hatte in diesem Jahr Tim Cook seinen großen Auftritt. Wir haben die Highlights für Sie zusammengefasst.

Ob Steve Jobs, Steve Ballmer, Mark Zuckerberg oder Bill Gates – seit 2003 treffen sich auf der D-Conference im Rahmen der „All Things Digital Conferences“ namhafte Größen der IT-Branche. In diesem Jahr ist der Auftritt von Apple-Chef Tim Cook das große Highlight.
 
Gleich am Eröffnungstag durfte er sich den Fragen der beiden Moderatoren Walt Mossberg und Kara Swisher stellen.
 
Nach dem Tod von Steve Jobs vertritt Cook nun den Apple-Konzern. Gleich zum Anfang seiner Rede betont der CEO, dass er Steve Jobs weder ersetzen könne noch ersetzen wolle. Steve war ein Original. Cook könne nur er selbst bleiben und sich bemühen, ein guter CEO von Apple zu sein.

iPad existiert neben dem Mac

Wird das iPad künftig den PC ersetzen? Der Apple-CEO glaubt weiterhin an den Mac, sieht jedoch, dass immer mehr Leute das iPad so verwenden wie einen PC. Cook selbst gehöre auch dazu. Beide Geräte seien jedoch von unterschiedlicher Natur, vergleichbar mit einem Kühlschrank und einen Toaster. Es sei wichtig, diese Unterschiede zu belassen und sich die Heterogenität zu bewahren.

Beim Mac setzt Cook weiterhin auf Klasse statt Masse. Gute Qualität stehe bei den Apple-Notebooks weiterhin im Vordergrund.

Im Interview erinnert sich Cook außerdem, wie er 1998 von Compaq zu Apple gewechselt ist und dass er während des Interviews schon nach fünf Minuten überzeugt gewesen sei, dass dies das richtige Unternehmen für ihn sei. Besonders von der iMac-Reihe war Cook überzeugt. Im Laufe der Jahre haben iPod und iPhone die Apple-Geräte einer breiteren Käuferschicht geöffnet und ihren Weg bis nach China, Lateinamerika und Osteuropa gefunden.

Eigene Fabriken hat Apple in China allerdings bis heute nicht. Der Konzern hat für die Produktion lediglich Auftragshersteller wie zum Beispiel Foxconn. Cook bleibt dabei, dass es auch künftig keine eigenen Fabriken in China geben wird. An dem Prinzip der Beauftragung von Dienstleistern wolle man aber festhalten. Es gebe Dinge, die Apple sehr gut kann, aber bei einigen Punkten seien wiederum andere Unternehmer besser.       

Made in the USA

"Es ist wenig bekannt, aber der größte Teil der iPhone- und iPad-Chips sind in den USA produziert. Diese Produktion wird auch überall in die Welt ausgeliefert. Das  Gorilla-Glas fürs iPhone wird in einer Fabrik in Kentucky produziert. Das Problem mit der Produktionsdebatte in China und anderen Ländern ist, dass die Leute nur auf die End-Fertigung achten. Danach ist ein Produkt, sei es ein iPhone oder ein iPad, fertig und man kann getrost behaupten: Das iPhone ist in China gefertigt. Ich hoffe, dass wir dieses End-Stadium der Produktion irgendwann wieder in die USA holen. Das andere Problem ist unsere Ausbildung. Wie viele Formen- und Werkzeugbauer kennt man persönlich? Heutzutage in den USA passen diese Handwerker gerade mal in ein Zimmer, in China würde man für eine Versammlung der Formen- und Werkzeugbauer ein paar Städte brauchen.

Dazu muss man jedoch sagen, dass Apple für die ganzen Industrie-Branchen mit verantwortlich ist. Bei der ersten Konferenz D1 und später bis zu D5 und D6, wie viele App-Developer gab es damals? Es waren ziemlich wenige, aber man redete an jeder Ecke darüber. Jetzt ist App-Entwicklung eine ganze Industrie und ist fest bei Mainstream angekommen.
Dazu sind die kleineren Entwickler-Firmen mehr auf Innovationen ausgerichtet, als große Konzerne. Auf dem PC-Markt hat man einige Probleme, eine Einstellung bei einer innovativen Firma zu finden. Die Liste ist ziemlich kurz. Für eine Sammlung unter App-Entwicklern mit frischen Ideen braucht man einige Fußballstadien", so Tim Cook.
 
Patent-Kriege

Tim Cook äußerte sich zum leidigen Thema Patent-Kriege. Momentan streitet sich der Konzern mit direkten Konkurrenten Samsung und Motorola über diverse Technologien im Mobilfunkbereich, im Bereich mobiler Betriebssysteme, Smartphone- und Tablet-Produktion. Es gab schon mal Gerüchte, dass Apples CEO diese Streitereien zumindest mit den größten Gegner beilegen wollte. Erst letzte Woche trafen sich er und Samsungs Geschäftsführer Gee-Sung Choi zu einem Schlichtungsgespräch. Bis jetzt sind keine Ergebnisse bekannt.

Namentlich hat Tim Cook seine Gegner im Gerichtssaal wie Samsung oder Motorola nicht genannt, sondern sich zu Apple Patentpolitik geäußert: "Aus unserer Sicht ist Apple kein Ingenieur für die ganze Welt. Wir können uns nicht erlauben, unsere Zeit und Energie zu investieren, damit jemand anderer kommt und unsere Produkte für sich beansprucht. Wenn man die Patentprozesse mit Apples Beteiligung analysiert, kann man genau sehen, dass wir uns nicht über zum Standard gewordene Patente streiten. Dieser Bereich in der US-amerikanischen Gesetzgebung ist nicht auf dem aktuellen Stand. Deswegen kommt es hier des Öfteren zum Missbrauch.

Die Inhaber der Standard-basierten Patente sind dafür verantwortlich, ihre Technologien gegen einen vernünftigen Preis zu lizenzieren. Apple hat noch niemanden wegen Standard-basierten Patente verklagt. Wir verhandeln immer über Zahlungen dafür. Ich würde mir eine gewisse Form von Forum zu dem Thema wünschen. Die Patente sind zu einem echten Problem geworden. Wenn man ganz hypothetisch die verlangten Preise für die Lizenzierung zahlen würde, würde sich die Smartphone-Produktion nicht rentieren. Ich wünschte mir, dieses Problem würde nicht existieren."
 
iPhone mit dem App Store unschlagbar

Apple macht den größten Teil seiner Gewinne mittlerweile mit dem iPhone. Tim Cook hat sich zu der Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt Gedanken gemacht.

"Ich will nicht behaupten, dass Apple der Führer auf dem Smartphone-Markt ist. Wir produzieren einfach das beste Smartphone. Im Moment gibt es im Bereich mobiler Betriebssysteme zwei starke Spieler – iOS und Android. Die ersten Smartphones mit Windows Mobile kommen jetzt auf den Markt und wir werden bestimmt beobachten, wie sich die Sache weiter entwickelt. Der Markt ändert sich gerade und wird sich immer wieder ändern. Die Smartphone-Revolution hat erst begonnen. In den letzten drei Jahren hat sich die Industrie vom Null bis auf Niveau mit Milliarden-Gewinnen entwickelt. Und in ein paar Jahren werden alle Handys Smartphones sein.

Die Richtlinien bei Apple sind, das beste Smarphone zu bauen. Wir sind nicht gebunden zu den bestimmten Produktionszyklen oder Preisklasse oder Auswahl an Modellen. Wir wollen einfach das beste Smartphone. Unser größter Vorteil gegenüber Mitbewerbern ist die Einheitlichkeit der Betriebssysteme und der Hardware. Die meisten Nutzer installieren sofort das neueste Version von iOS . Dies ist bei Andrpid nicht der Fal. Dazu haben wir den App Store. Das Prinzip des Store ist einfach und selbsterklärend und man kann da jede erdenkliche App finden. Dazu haben wir ein Smartphone mit einheitlichen Bildschirmabmessungen und Auflösung. Dies macht die Plattform für die App Entwickler attraktiver."
 
Apple TV verändert Film-Konsum

Das Apple TV galt scherzhaft als das "Hobby" von Steve Jobs. Anscheinend hat sein Nachfolger die Begeisterung für das Nischen-Produkt übernommen. Tim Cook lässt dabei nicht aus, dass Apple bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres so viele Apple TVs verkauft hat, wie im gesamten letzten Jahr. Die neuen Funktionen wie hochauflösende Videos und Freigabemöglichkeiten wie iCloud haben maßgeblich dazu beigetragen. Apple TV habe den Film-Konsum für viele verändert und wurde zum einzigen digitalen Hub in vielen Wohnzimmern.
 
Facebook und Ping

Zum Verhältnis zwischen Apple und Facebook hat sich Apples CEO positiv geäußert. Facebook und Apple vereint Art und Weise, wie die beiden für ihre Kunde einfache und elegante Lösungen anbieten. Um sozial zu sein, brauche Apple kein eigenes soziales Netzwerk. Twitter ist bereits fest in die letzten Versionen von iOS integriert. Manche OS-X-Nutzer betrachten iMessage und Game Center als soziale Aktivitäten. Aus Cooks Sicht ist Ping ein Fehlstart.

Die D-Conference , die im Terranea Resort in Ranchos Palos Verdes stattfindet, geht noch bis zum 31. Mai. Weitere Gäste sind Oracle-Chef Larry Elison, Reid Hoffman und Jeff Weiner, Daniel Ek und  Sean Parker von Spotify sowie Disney-Pixar Präsident Dr. Ed Catmull.

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