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Kongress DLD in München

23.01.2012 | 06:28 Uhr |

In München hat der dreitägige Innovationskongress DLD (Digital, Life, Design) mit einer Grundsatzrede von EU-Kommissarin Viviane Reding begonnen.

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Eröffnet wurde DLD12 von den beiden Chairmen Hubert Burda und Yossi Vardi. Der israelische Investor und einst ICQ-Erfinder zeigte humorvoll auf, dass Netzwerk-Treffen im "wirklichen Leben" weiterhin unverzichtbar sind - zum Beispiel, weil man in sozialen Netzwerken wie Facebook einfach nicht wie die Eskimos die Nase an der des Nachbaren reiben kann. Burda zitierte Walter Benjamin mit der Aussage "Wenn sich die Medien verändern, dann verändert sich auch die Gesellschaft" und postulierte, dass Social Media ganz neue Möglichkeiten öffentlicher Meinungsbildung eröffnet. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil sprach noch ein Grußwort mit allerlei Freistaats-Lobhuldelei, danach wurde es ernst.

EU-Kommissarin Viviane Reding will das Datenschutzrecht in Europa modernisieren und harmonisieren.
Vergrößern EU-Kommissarin Viviane Reding will das Datenschutzrecht in Europa modernisieren und harmonisieren.
© Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Die EU-Kommissarin Viviane Reding machte sich in ihrer Keynote für die von ihr geplante EU-weite zentrale Reform des Datenschutzrechts stark, die in den nächsten Tagen öffentlich vorgestellt werden soll. Im Grundsatz geht es dabei darum, eine EU-weit einheitliche Regelung und Regulierung durchzusetzen, um die Europäische Union mit ihren 500 Millionen Einwohnern zu einem "single digital market" zu machen. Dabei steht der Schutz persönlicher Daten im Vordergrund, der Umgang damit soll so transparent wie möglich werden - dafür bläst Reding bereits ordentlicher Gegenwind aus den eigenen Reihen und denen der "digitalen Wirtschaft" entgegen.

Reding forderte außerdem für das Internet ein "right to be forgotten", ein "Recht auf Vergessenwerden". Daten, die Menschen über sich nicht mehr im Netz haben wollten, sollten auch daraus gelöscht werden. Allerdings sei die Forderung nach so einem "digitalen Radiergummi" keine absolute, so die Kommissarin, sondern müsse natürlich mit anderen Rechten wie Meinungs- und Pressefreiheit in Einklang gebracht werden.

Falls Unternehmen die Daten von Nutzern auf welche Weise auch immer abhanden kämen, müssten die Betroffenen zukünftig umgehend - idealweise binnen 24 Stunden - darüber informiert werden, forderte Reding weiter. Eine entsprechende gesetzliche Publikationspflicht gibt es bislang beispielsweise in Deutschland nicht. Als vermutlich kleine Konzession an Verleger und Gastgeber Burda schloß Reding mit der Bermerkung, die Freiheit der Information und das Copyright dürften sich nicht feindlich gegenüberstehen, sondern müssten partnerschaftlich verbunden sein.

Twitter expandiert nach Deutschland

Später am Nachmittag stellte sich Twitter-Gründer Jack Dorsey den Fragen von Holger Schmidt , der als Experte für die Netzwirtschaft gerade von der "FAZ" zum "Focus" gewechselt ist. Dorsey erzählte dabei allerdings hauptsächlich das, was er im Moment allen erzählt: Man muss nicht unbedingt selbst Tweets schreiben um Twitter zu nutzen, Twitters Geschäftsmodell mit eingestreuter Werbung funktioniert, die USPs des Kurznachrichtendienstes sind seine universelle Distribtution und seine tollen Inhalte (als Beispiel musste dafür wieder einmal die Notwasserung eines Flugzeugs im Hudson River herhalten). Twitter trage damit dazu bei, die Welt ein bisschen besser zu machen, so Dorsey.

Auf die Frage Schmidts, was Twitter denn zu tun gedenke, damit Deutschland nicht länger ein "Twitter-Entwicklungsland" bleibe, ließ Jack Dorsey dann aber zumindest doch noch ein Kätzchen aus dem sprichtwörtlichen Sack: Twitter plane eine offizielle Niederlassung in Deutschland und sucht dafür gerade die geeigneten Mitarbeiter - wer wolle, dürfe sich gern an @jack wenden. Wie groß die deutsche Mannschaft sein wird, darauf wollte sich Dorsey indes nicht festnageln lassen.

Neben seinem Job als Chairman von Twitter ist Jack Dorsey seit ein paar Jahren ja auch mit seiner neuen Firma Square unterwegs, die einen Kreditkartenleser mit passender App als iPhone-Erweiterung anbietet und damit jedes Apple-Smartphone zum Kreditkartenterminal macht. Mit Square würde er gerne auch nach Europa und speziell Deutschland kommen, erklärte der CEO. Momentan steht aber offenbar erst einmal die Expansion nach Asien und dort vor allem China auf der Square-Agenda.

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