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Vodafone übernimmt Arcor komplett

20.05.2008 | 09:45 Uhr

Der Mobilfunkriese Vodafone will mit der Komplettübernahme von Arcor stärker von der wachsenden Nachfrage nach schnellen Internetzugängen in Deutschland profitieren. Vodafone übernimmt nach etwa neunmonatigen Verhandlungen die restlichen 26,4 Prozent am zweitgrößten deutschen Festnetzbetreiber zum Kaufpreis von insgesamt 474 Millionen Euro in bar.

Damit ist Arcor künftig eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Mobilfunkbetreibers . Bisher waren die Deutsche Bahn (18,2 Prozent) und die Deutsche Bank (8,2 Prozent) Minderheitsgesellschafter des Eschborner Unternehmens. Die Marke Arcor bleibe mittelfristig zunächst erhalten. Der Marktanteil bei den DSL-Anschlüssen soll auf 20 Prozent deutlich ansteigen.

Die Vodafone-Gruppe beschäftigt 15 000 Menschen in Deutschland. Bei Arcor allein sind es rund 3700 Beschäftigte. "Es entsteht ein neuer wirtschaftlich starker Kommunikationskonzern mit Mobilfunk, Festnetz, Datendiensten und Breitband-Internet", sagte der Chef von Vodafone Deutschland, Friedrich Joussen, in einer Mitteilung. Von diesem Schritt würden die Verbraucher ebenso profitieren wie die Mitarbeiter. Als Komplettanbieter sei Vodafone Deutschland für die fortschreitende Konsolidierung des Marktes bestens aufgestellt. Ein Stellenabbau ist nach Angaben eines Sprechers derzeit nicht geplant. Für einen Teil der Mitarbeiter könnten sich aber Aufgaben ändern.

Vodafone will durch die Komplettübernahme von Arcor weitere Kostenvorteile heben. Bereits vor Übernahme der Minderheitsanteile wurden das Kernnetz von Vodafone und Arcor zusammengelegt. Zudem hatte Vodafone schon Teile der Kundenbetreuung für Arcor übernommen. Die Zusammenarbeit soll laut Joussen ausgebaut werden. Ein besonderes Augenmerk richte man dabei auf die Expansion im DSL-Geschäft. "Unser Ziel ist es, dass Vodafone und Arcor hier einen Marktanteil von rund 20 Prozent erreichen", erklärte er. Derzeit seien es 13 Prozent.

Joussen wies in internen Schreiben auf eine kürzlich erschienene Analyse des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton hin. Diese komme zu dem Schluss, dass am Ende dieses Konzentrationsprozesses im deutschen Kommunikationsgeschäft nur noch drei Anbieter übrigbleiben würden. Ein entscheidender Faktor wird dabei nach Meinung von Joussen die Größe sein. "Denn nur jene Unternehmen, die über die notwendigen Investitionsmittel verfügen, werden sich in einem hart umkämpften Wettbewerbsumfeld behaupten können", hieß es in internen Schreiben.

Arcor kam zum britischen Mobilfunkkonzern Vodafone durch die Übernahme von Mannesmann im Jahr 2000. Lange galt ein Verkauf der Festnetzgesellschaft als wahrscheinlich. Vor zwei Jahren wurden die Verkaufspläne gestoppt. Seitdem rückten beide Gesellschaften enger zusammen. Im Mobilfunkbereich hat Vodafone in Deutschland bereits gezeigt, wie man eine eingeführte Marke behutsam wechselt kann: Der Mannesmann-Marke D2 wurde als Zwischenschritt Vodafone hinzugefügt. (dpa/mje)

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