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DSL-Flatrate kein Preisdumping

02.04.2001 | 00:00 Uhr |

Die Deutsche Telekom kann weiter mit ihrem
Pauschaltarif für den schnellen Internetzugang T-DSL werben. Die
Regulierungsbehörde (RegTP) hat am Freitag in Bonn einen Antrag
zurückgewiesen, das günstige Angebot zu untersagen.

Der Bundesverband der regionalen und lokalen
Telekommunikationsgesellschaften (Breko) hatte der Telekom
vorgeworfen, mit Dumping-Preisen für den breitbandig schnellen
Internetzugang frühzeitig eine marktbeherrschende Stellung im DSL-
Markt aufzubauen. Doch was für viele Kunden der Telekom eine
Erleichterung sein dürfte, stößt bei den Konkurrenten des Rosa Riesen
auf Unverständnis.

«Es ist schon sehr verwunderlich, dass die RegTP das Preisdumping
der Deutschen Telekom sanktioniert», sagte Stefan Michalk vom
Onlinedienst AOL. Die Entscheidung der Regulierungsbehörde bedeute
einen Rückschlag für alle Telekom-Mitbewerber. «Wir gehen nach wie
vor davon aus, dass die Telekom mit ihren Preisen für die T-DSL-
Leitungen nicht Kosten deckend arbeitet.»

Auch nach Meinung von Peter Poch vom Breitbandanbieter mediaWays
handelt es sich bei dem DSL- Pauschaltarif der Telekom um Dumping.
«Natürlich ist die Entscheidung der Regulierungsbehörde schön für die
Telekom-Kunden», sagte Poch. Man müsse aber den politischen
Hintergrund dabei sehen. In dieser Hinsicht habe das Unternehmen auf
mehr Mut der Behörde gehofft.

Das sieht die Regulierungsbehörde anders. Die T-DSL-Preise seien
zwar tatsächlich in manchen Angebotsvarianten nicht Kosten deckend,
mittelfristig käme die Telekom jedoch durch Prozessoptimierungen aus
der Verlustzone heraus. «Der Deutschen Telekom AG kann nicht verwehrt
werden, ihre Größenvorteile bei der Preiskalkulation zur Geltung zu
bringen,» sagte RegTP-Präsident Matthias Kurth. Von der
Breitbandtechnik verspricht er sich eine höhere Attraktivität der
Internetnutzung. «Erschwingliche Preise sind dabei der wahrscheinlich
entscheidende Erfolgsfaktor», sagte Kurth.

AOL spricht zwar von Dumping-Preisen, sieht in dem derzeitigen
Preissegment aber noch längst keine Attraktivität für den
Massenmarkt. «DSL ist keine preiswerte Angelegenheit», sagte Michalk.
Selbst bei der derzeitigen Telekom-Flatrate mache das Angebot nur für
intensive Internet-Nutzer Sinn.

Kritik kommt jedoch nicht nur von Mitbewerberseite. Kunden hatten
lange Wartezeiten auf die T-DSL-Freischaltung moniert. Telekom-
Technikvorstand Gerd Tenzer hatte von fast einer halben Millionen
Kunden gesprochen, die auf eine Freischaltung warten. Teilweise
müssen Telekom-Kunden sich bis Ende 2001 gedulden. Schuld an dem
lahmen Ausbau der schnellen Leitung seien Schwierigkeiten der
Zuliefer gewesen, begründet die Telekom. Der französische Telekom-
und Elektronikkonzern Alcatel will jetzt zusätzlich mehrere 100 000
DSL-Anschlüsse an die Deutsche Telekom liefern.

Alternative DSL-Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. Der
Online-Dienst AOL will im kommenden Sommer auch über eine
Breitbandverbindung mit zwölffacher ISDN-Geschwindigkeit erreichbar
sein. Der Gütersloher Breitband-Anbieter mediaWays plant gemeinsam
mit der Kölner QSC AG noch im April einen schnellen Online-Zugang
nach dem DSL-Standard. Als erster Service-Provider werde VictorVox
aus Krefeld die DSL-Vebindnung anbieten, kündigte mediaWays-
Marketingdirektor Arnold Stender bereits auf der CeBIT in Hannover
an.
dpa

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