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DSL-Sharing legalisiert

03.12.2003 | 15:34 Uhr |

Eine unscheinbare Meldung macht die Runde: T-Online erlaubt ab sofort die Mehrfachbenutzung eines Nutzerkontos mit Hilfe eines Internet-Routers. Bisher war diese Art des Informationssharings nicht so gern gesehen, zumindest nicht bei der beliebten Flatrate des Providers.

Was andere Internet-Anbieter schon lange erlauben, hat T-Online bis vor kurzem in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausdrücklich untersagt: Wer bei einem Flatrate-DSL-Tarif ein Benutzerkonto mit Hilfe eines Routers zum gemeinsamen Surfen für mehrere Rechner verwendete, verstößt eigentlich gegen den abgeschlossenen Vertrag. In diesen Fällen bezog sich der Vertragsbruch auf die zahlreichen Kunden, die mit der 30-Euro-Flatrate von T-Online das Internet bevölkern. In den AGBs war eindeutig vermerkt, dass die Mehrfachnutzung eines Kontos an einem Anschluß (sprich: Routing, egal ob Soft- oder Hardware) nicht erlaubt sei. Tatsächlich hat sich an diese Regelung niemand gehalten, im Gegenteil: Die T-DSL-Techniker der Telekom-Tochter T-Com gaben bei der telefonischen Hotline gerne Auskunft darüber, wie sich ein Anwender einen Router für das kollektive DSL-Sharing einrichtet. Ist aber auch kein Wunder, schließlich stammt die Anti-Router-Haltung aus dem Providerhaus T-Online, die T-Com-Leute kümmern sich nur um die DSL-Technik im allgemeinen.

Es fällt eine Grenze, die kein Kunde von T-Online so richtig wahrgenommen hat. Und die T-Online zwar offiziell zog, aber auch keine Konsequenzen daraus ableitete. Niemals wurde ein T-Online-Kunde abgemahnt, nach eigenen Angaben hat T-Online als Provider die IP-Datenpakete nicht nach verdächtigen Identifikations- oder Portnummern durchsucht. Wäre bei der Masse an Kunden wahrscheinlich sehr zeitintensiv gewesen. Für die verschiedenen Volumentarife galt diese Beschränkung übrigens nicht, seit jeher ist bei diesen T-Online-Angeboten die Nutzung von Routern erlaubt.

Max Headroom hat es immerhin zum Newsweek-Titel gebracht, Robert T. Online war da nicht so erfolgreich.
Vergrößern Max Headroom hat es immerhin zum Newsweek-Titel gebracht, Robert T. Online war da nicht so erfolgreich.
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Kunden der echten DSL-Flatrate haben sich oft beim Service von T-Online erkundigt, wie denn nun genau das Routerverbot zu verstehen ist. Gelegentlich gab es dabei die Auskunft, dass eigentlich schon ein Router erlaubt sei, aber nur dann, wenn an diesem Router die persönlichen Rechner des Kontoeigentümers angeschlossen wären. Familien-Internet-Sharing war demnach kein Problem, Wohngemeinschaften oder spontane Nachbarschaftshilfe dagegen schon. Es bleibt die Frage offen, ob moderne DSL-Router überhaupt ein "Routing" im klassischen Sinne betreiben. Ein Blick in das RFC-Dokument Nummer 1631 (Request for Comments) der Internet Engineering Task Force (IETF) erklärt beispielsweise sehr genau die Funktionalität der Network Address Translation, kurz NAT. Dieses Verfahren ist die Grundlage eines jeden SoHo-Routers (Small Office/Home Office) und sorgt dafür, dass Rechner in einem lokalen Netz (LAN) über einen einzelnen Zugang mit dem Internet in Verbindung treten können.

Dabei ist der Trick ziemlich einfach: Ein Rechner in einem LAN bekommt vom Router eine private IP-Adresse zugeteilt, während sich der Router die globale IP-Nummer des Providers abholt. Schickt der LAN-Rechner ein TCP/IP-Datenpaket auf die Reise, sind darin Quelle und Ziel wie gewohnt angegeben. Bevor der Router das Paket über den Provider ins Internet schickt, verändert dieser die TCP/IP-Header so, als würde die Anfrage vom Router ausgehen. Schickt der angefunkte Server schließlich das Antwortpaket an den Router zurück (für den Server das "offizielle" Ziel), prüft der Router in seiner lokalen NAT-Tabelle, welcher lokale Rechner die Antwort eigentlich bekommt und leitet diese einfach an diesen weiter. Dieser Zwischenschritt ist streng genommen kein richtiges Routing, in der Fachsprache heisst diese Methode "Masquerading" (der echte Sender wird vom Router "maskiert"). Immerhin tritt nur der Router als einziger Sender und Empfänger des Kunden gegenüber dem Provider auf - zumal sich über diese Technik die angeschlossenen Rechner die Bandbreite teilen müssen. Bei zwei oder drei Computern fällt das beim Surfen oder E-Mails empfangen nicht weiter auf, schnelle Downloads sind dann aber schon nicht mehr so ohne weiteres mit den gewohnten 80 KB pro Sekunde möglich.

Leider gibt es keinen gerichtlichen Präzedenzfall der klären konnte, ob NAT nicht doch eine erlaubte technische Methode ist, die per Definition eben keine "Mehrfachbenutzung eines Kontos" darstellt. T-Online wollte sich diese Frage selbst nie beantworten, und dank der neuen liberalen Regelung spielt eine eventuelle Antwort auch keine Rolle mehr. In diesem Sinne: Fröhliches Surfen mit der Wiege von Robert T. Online, der zusammen mit seinem US-Serienvorbild Max Headroom irgendwo im Cyberspace abhanden gekommen ist. Was vielleicht gar nicht mal so schlecht ist.

Info: Request for Comments #1631 (NAT)

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