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DTP am Mac ist tot, es lebe Video

26.02.2003 | 15:48 Uhr |

Neue Märkte hat der Geschäftsführer des Distributors Macpower Opengate im Visier: Bewegte Bilder anstatt Quark.

nsere Schwesterzeitschrift Computer Partner veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe 9 (EVT 27.2.2003) ein Interview mit dem Geschäftsführer des Apple-Distributors Macpower Opengate, Martin Dencker. Und was der Geschäftsführer dort zum aktuellen Mac-Markt sagt, dürfte so manchem Mac-Anwender die Tränen in die Augen treiben. Laut Dencker "gibt es den klassischen DTP-Kunden nicht mehr. Heute geht es um bewegte Bilder."

Mit seinem Statement nimmt Dencker ein heißes Eisen auf. Denn tatsächlich scheint es zur Zeit so, dass Apple in der ehemaligen Domäne DTP, Grafik, Druckvorstufe, momentan bestenfalls eine Stagnation verzeichnen kann. In keinem Bereich sind nach Ansicht von Branchenkennern die Anwender so wenig bereit, den Umstieg auf Mac-OS X zu wagen (siehe dazu auch "Xpress 6 steckt in den Startlöchern" ) und in keinem Bereich fehlen so wichtige Standard-Applikationen für das neue Betriebssystem. Und auch Apple selbst macht wenig Anstalten, den Publishern mit leistungsfähigen Geräten den Umstieg auf Mac-OS X schmackhaft zu machen.

So ist es verständlich, dass sich auch die Händler nach gewinnbringenderen Sparten umsehen, und Dencker hat diese in den Bereichen Audio und Video gefunden. Dazu hatte Macpower Opengate zu Beginn dieses Jahres zwei Arbeitskreise ins Leben gerufen, beziehungsweise wieder aufleben lassen, die Digital Audio Group DAG und die Digital Video Group DVG. Gleichzeitig hat Macpower Opengate das Angebot an Produkten für die Bearbeitung von Audio und Video aufgestockt. Doch auch beim Thema Video bleibt Dencker provokant: "Ein ungesundes Halbwissen im Bereich der Videobearbeitung herrscht leider bei großen Teilen der Fachhändlerschaft vor... Wir erleben es häufig, dass die Kunden besser informiert sind als der Handelspartner ...".
Marlene Buschbeck-Idlachemi

Im Anschluss finden Sie Auszüge des Berichts aus Computer Partner:

Apple-Distributor Macpower Opengate setzt auf Videobearbeitung
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Der Apple-Distributor Macpower Opengate baut sich ein zweites Standbein auf. Für Branchenkenner mag das aufgrund der Wirren um Apple im vergangenen Halbjahr nicht verwunderlich sein (Apple-Disti "Mac Point" kündigte den Vertrag mit Apple. Siehe dazu ComputerPartner 15/02, Seite 12). Doch Martin Dencker, Geschäftsführer von Macpower Opengate, dementiert: "Unsere Beziehung zu Apple hat damit nichts zu tun." DTP (Desktop Publishing) gehöre der Vergangenheit an, der Trend gehe zu Videosequenzen. "Den klassischen DTP-Kunden gibt es nicht mehr. Heute geht es um bewegte Bilder", meint Martin Dencker. Vor diesem Hintergrund hat sich der bisher auf Apple konzentrierte Disti mittlerweile nach neuen Herstellern umgesehen.
Alleine im Audiobereich seien 15 neue Anbieter dazugekommen. Heute sehen sich die Hamburger optimal aufgestellt, um das gesamte Spektrum von der individuellen Einsteigerlösung im Hobbybereich über semiprofessionellen Schnitt bis hin zur sendefähigen Broadcast- und Kino-produktion darstellen zu können. Vor den Broadlinern hat der Nischendistri keine Angst. "Im Gegensatz zur Broadline-Distribution gibt es bei uns keine Mindestbestellmengen und Versicherungskosten", so Dencker. Und überhaupt gibt sich der Deutschland-Geschäftsführer selbstbewusst: "Wir verstehen Broadliner nur als Zulieferer, die Ware schieben. Dafür haben sie aber eine hervorragende Logistik. Unsere Wettbewerber sehen wir eher in den Herstellern selbst."

Auch der Handelspartner muss in die Hände spucken


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Doch alleine mit den Produkten im Regal sei es nicht getan. Um spezielle Lösungen verkaufen zu können, braucht der Fachhändler ein spezielles, umfassendes Wissen. Hier besteht jedoch laut Dencker enormer Nachhol-bedarf in der Handelslandschaft. "Ein ungesundes Halbwissen im Bereich der Videobearbeitung herrscht leider bei großen Teilen der Händlerschaft vor", behauptet er. Wenn der Fachhändler in dieser Richtung nicht aktiv werde, versetze er sich selbst den Gnadenstoß. "Wir erleben es häufig, dass die Kunden besser informiert sind als der Handelspartner und eine genaue Vorstellung davon haben, welches System oder welche Komponenten sie benötigen", erklärt Dencker. Hier setzt der Disti an und will die Fachhändler sowohl über grundsätzliche Themen als auch über neue Technologien und Produkte unterrichten.
Dazu versendet der Disti jede Woche einen Newsletter mit den neuen Produkten und Technologien. Zudem bietet er an, den Partner im Bedarfsfall zu seinem Endkunden zu begleiten oder direkt in den Räumen des Händlers eine Openhouse-Veranstaltung für dessen Kunden auszurichten. Über die "rote Leitung", die von 9 bis 18 Uhr besetzt sei, könne sich der Handelspartner im Bedarfsfall außerdem schnelle Unterstützung am Telefon holen.
Macpower Opengate steht also in den Video-Startlöchern und hofft, dass der Funke auf den Fachhandel überspringt, denn in einem ist sich Dencker sicher: "Wenn der Fachhändler meint, dass der Kunde weiß, was er will, dann verliert er ihn an den Media-Markt."

Info: Computer Partner

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