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DVB-T auf dem Vormarsch

14.03.2005 | 10:22 Uhr |

Das Schlagwort "Überall-Fernsehen" ist derzeit oft zu hören. Gemeint ist damit das so genannte DVB-T.

Mit dieser neuen Technik können Computernutzer ohne großen Aufwand am Rechner rund 18 bis 24 Fernsehprogramme per Antenne empfangen - meist in Topqualität. «DVB-T ist ein großer Sprung nach vorn», sagt Sven Hansen von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift «c't».

DVB-T steht für «Terrestrial Digital Video Broadcasting». In den Genuss des digitalen Fernsehens per Antenne kommen vorerst aber nur Menschen in einer «DVB-T-Versorgungsinsel». Die beschränken sich auf Ballungsräume wie Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt. Informationen über den Ausbau gibt die Webseite www.ueberallfernsehen.de . Bis spätestens 2010 soll die Umstellung bundesweit komplett sein. Für PC-Nutzer bietet sich DVB-T geradezu an. Laut Stefan Kühn, Deutschland-Chef beim Hardware-Hersteller Pinnacle Systems in München, ist etwa das Aufzeichnen von Sendungen auf die Festplatte oder DVD in Originalqualität möglich. Rauschen und viele Signalstörungen gibt es bei DVB-T nicht mehr. «Die Sendequalität entspricht der Empfangsqualität», sagt Hansen. An das gestochen scharfe Bild einer DVD kommt der neue TV-Standard aber nicht heran.

Dafür kann sich der Zuschauer über eine gute Klangqualität des PC-Fernsehens freuen. Sie entspricht in etwa dem bei Computernutzern beliebten MP3-Sound mit 128 Kilobit pro Sekunde. Und es geht noch besser: ZDF, Pro7 und SAT.1 strahlen ausgewählte Sendungen bereits mit Raumklang aus. Sofern der Zuschauer über die entsprechenden Boxen verfügt, hat er dann das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Der Aufwand, um den PC fit für DVB-T zu machen, hält sich in Grenzen. Den Empfang der digitalen Daten übernimmt eine interne Steckkarte im PCI-Standard oder ein externer DVB-T-Receiver, der über einen USB-Anschluss mit dem PC verbunden wird. Hersteller wie Pinnacle oder Terratec bieten DVB-T-Lösungen ab rund 80 Euro an. Zu unterscheiden sind Modelle, die Fernsehsendungen direkt auf eine Festplatte aufzeichnen, und Receiver in «Set-Top-Box-Form». In den Letzteren steckt ein DVD-Brenner beziehungsweise eine Festplatte. «Hin und wieder mangelt es an der Aktualität der im Kaufprodukt enthaltenen Treiber oder Zusatzprogramme», warnt Christian Müller, Chefredakteur der in Fürth erscheinenden Zeitschrift «Spiele, Filme, Technik» (SFT). Über die Hersteller-Website lasse sich sicher stellen, dass die neueste Treiberversion installiert ist.

Bevor der Kunde auf Empfang geht, sollte er die geeignete Position für die Antenne wählen, rät Christoph Müllers, Sprecher von Terratec in Nettetal (Nordrhein-Westfalen). Im Prinzip lässt sich zwar die DVB-T-Hardware mit jeder handelsüblichen Antenne oder sogar mit einem Stück Kabel betreiben, allerdings erzielen Antennen mit eingebautem Verstärker ein besseres Ergebnis. Diese gibt es im Handel ab 30 Euro.

Auch mit DVB-T ist das digitale Fernsehen noch nicht ausgereizt. Die Entwickler tüfteln bereits an einem Standard namens DVB-H, der Tagesschau & Co. auch auf Kleinstgeräte wie Handy oder PDA zaubert. Bis dahin dürfte laut Hansen jedoch noch etwas Zeit ins Land gehen. (dpa)

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