1688392

Fernsehen: Abschied von DVB-T

01.08.2013 | 10:09 Uhr |

2014 schaltet RTL auch im restlichen Sendegebiet Deutschlands die digitale Antenne ab und sendet nicht mehr über DVB-T. Doch es gibt Alternativen

In München hat RTL schon im August 2013 Schluss gemacht - 2014 ist es auch im restlichen Sendegebiet soweit.  RTL sendet nicht mehr über DVB-T, wobei es in den vergangenen Tagen Spekulationen gab, der Privatsender könnte wieder dorthin zurückkehren.

Fakt ist:  RTL gab am 16. Januar 2013  bekannt, ab 2014  die Übertragung über DVB-T komplett einzustellen. Da die Verträge in München zum 31. Juli abgelaufen sind, bleibt dort der Bildschirm bei RTL, RTL II, Super RTL und Vox schon jetzt schwarz. Der Grund: DVB-T habe sich bisher nicht als ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell erwiesen , erklärt Richard Schröder, Mitglied der Geschäftsleitung von RTL. Die Kosten für die Ausstrahlung per DVB-T seien für die Sendeanstalten 30mal höher als über Satellit, der Marktanteil für das digitale Antennenfernsehen betrage lediglich 4,2 Prozent des Gesamtmarktanteils. . Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF wollen hingegen an DVB-T festhalten , und auch ProSiebenSat1 hat noch nicht den Ausstieg entscheiden.
 
Seit der Einführung von DVB-T in Deutschland vor zehn Jahren konnte sich der Standard im Gegensatz zum digitalen Kabel- oder Satellitenempfang nur mäßig durchsetzen. Die bundesweite DVB-T-Abdeckung beträgt zwar bei den öffentlich-rechtlichen Programmen mittlerweile fast 90 Prozent, der Empfang für private Sender wie RTL, Sat 1 und Pro Sieben ist nur auf die Ballungsräume beschränkt . Laut Digitalisierungsbericht 2012 der Landesmedienanstalten nutzen gerade einmal 12,5 Prozent der deutschen Haushalte DVB-T für den heimischen Fernsehempfang.
 

DVB-T-Abdeckung in Deutschland: Öffentlich-rechtliche Programme und private Sender
Vergrößern DVB-T-Abdeckung in Deutschland: Öffentlich-rechtliche Programme und private Sender

Artefakte statt HD  

Ein Grund dafür ist auch die geringe Auswahl an Sendern. Über DVB-T stehen in guten Empfangsregionen maximal 30 Sender zur Verfügung, während Kabelkunden zwischen zirka 100, Satellitennutzer sogar zwischen 300 Programmen wählen können. Hinzu kommt, dass HD-Fernsehen über DVB-T bisher nicht möglich ist, während ARD und ZDF sowie die meisten Drittprogramme über Kabel und Satellit gebührenfrei in hoher Auflösung senden.

HD-Sender

Digitale Antenne (DVB-T): 0
Telekom Entertain (IP-TV): 14
Kabel Deutschland (DVB-C): 45
Satellit Astra (DVB-S): 162

Die Bildqualität ist zudem unter DVB-T sehr störanfällig: Schnelle Bewegungsabläufe, rasche Filmsequenzen oder gar ein vorbeifahrendes Auto können zu Klötzchenbildungen am Fernsehschirm führen. Unter dem Nachfolgestandard DVB-T2 wäre zwar HD-Empfang möglich, doch dieser Standard hat sich bisher nicht in Deutschland durchgesetzt, zumal sämtliche TV-Geräte mit neuen Empfangsdecodern ausgerüstet werden müssten.

In den deutschen Bundesländern spielt DVB-T kaum eine Rolle für das Erst-Fernsehgerät.
Vergrößern In den deutschen Bundesländern spielt DVB-T kaum eine Rolle für das Erst-Fernsehgerät.

 
Der wesentliche Vorteil von DVB-T ist, dass im Gegensatz zu Kabel und Satellit keine weiteren Gebühren (außer den Rundfunkgebühren) anfallen. Doch gegen Kabel- und Satellitenfernsehen wird das digitale Antennenfernsehen trotzdem nicht ankommen: „DVB-T wird auf Dauer sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht mit den anderen Versorgungssystemen für Fernsehen in Deutschland (Kabel, Satellit und DSL-TV) mithalten können, vor allem wenn das Angebot an preisgünstigen Full-HD-Fernsehgeräten weiter zunimmt“, resümiert Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für neue Medien . „DVB-T wird auf Dauer der „kleine Bruder“ mit geringerem Programmangebot und in der Regel mit wohl schlechterer qualitativer Ausstattung im Rahmen der Fernsehverbreitungssysteme bleiben.“

Die meisten Deutschen nutzen Satelliten- oder Kabelfernsehen.
Vergrößern Die meisten Deutschen nutzen Satelliten- oder Kabelfernsehen.

 

Im Biergarten Fußball schauen  

Aus dem Digitalisierungsbericht 2012 der Medienanstalten geht aber auch hervor, dass zwar der Großteil der deutschen Bevölkerung über Satellit und Kabel in die Röhre schaut, sich aber immerhin in jedem vierten Haushalt ein DVB-T-Empfangsgerät befindet. Dazu gehören unter anderem DVB-T-Sticks, mit denen man Notebooks oder Tablets zum mobilen Fernseher umrüsten kann.
 

Der DVB-T-Stick Eye TV Mobile von Elgato macht das iPad zum Fernseher
Vergrößern Der DVB-T-Stick Eye TV Mobile von Elgato macht das iPad zum Fernseher


Von Elgato gibt es mit Eye TV mobile einen kleinen DVB-T-Empfänger, der sich an den 30poligen-Dockconnector des iPad 2 anschließen lässt. So wird auch das iPad zum Mini-Fernseher. Bei Elgato beobachtet man die Entwicklung, die sich durch den Ausstieg von RTL aus der DVB-T-Übertragung vollzieht, eher gelassen: „Da die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ihre flächendeckende Empfangbarkeit gewährleisten müssen, ist davon auszugehen, dass ARD und ZDF weiter über DVB-T senden“, erklärt Lars Felber, Pressesprecher von Elgato. „Unsere mobilen TV-Empfänger verkaufen sich besonders dann recht gut, wenn sportliche Großereignisse bevorstehen. Da die Fußball-WM in den vergangenen Jahren immer von ARD und ZDF übertragen wurde, machen wir uns keine Sorgen, dass diese Sender auch weiterhin über die digitale Antenne ausstrahlen werden.“ Die Endturniere bleiben auch bei den öffentlich-rechtlichen, im Juli 2013 hat sich RTL jedoch die Rechte an den Qualifikationsspielen für EM 2016 und WM 2018 gesichert.
 
Neben Mini-DVB-T-Empfängern gibt es auch Apps, die per Live-Stream das aktuelle Fernsehprogramm auf das iPad übertragen, wie beispielsweise die Zattoo-App von TV Digital . Voraussetzung hierfür ist eine WLAN-Verbindung. Die App Zattoo bietet zwar 50 TV-Kanäle, das deutsche Angebot bleibt jedoch auf die öffentlich-rechtlichen Sender und Drittprogramme beschränkt. Private Sender wie Pro Sieben und RTL bieten hingegen eigene Apps an. Hierüber kann man aber lediglich auf ausgewählte Sendungen zugreifen. Filme und US-Serien bleiben außen vor. RTL verlangt für seine App sogar 3,59 Euro, die lästigen Werbeeinblendungen vor jeder Sendung bleiben dem Zuschauer trotzdem nicht erspart.
 
Das Live-Streaming-Angebot der TV-Sender ist demnach bisher keine gute Alternative. Wer sein Fernsehprogramm bisher ausschließlich über DVB-T empfängt und in Zukunft auf RTL, Vox und Co. nicht verzichten möchte, findet im Kasten weitere Möglichkeiten für den heimischen Fernsehempfang. Doch auch wenn sich die privaten Sender aus dem digitalen Antennenfernsehen zurückziehen, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende von DVB-T. „Wer im Biergarten Fußball schauen oder die Wahlergebnisse verfolgen will, wird das auch weiterhin über den DVB-T-Stick tun können“, verspricht Lars Felber.        

0 Kommentare zu diesem Artikel
1688392