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DVD-Kritik: Jobs – Die Erfolgsstory von Steve Jobs

18.03.2014 | 12:47 Uhr |

Die Jobs-Verfilmung mit Ashton Kutcher kommt bald auf DVD und Bluray. Wir haben ihn vorab angesehen und sind nicht ganz überzeugt davon.

Vom ungewollten Adoptivkind zum College-Abbrecher zum visionären und menschlich schwierigen Milliardär. Dazwischen aus dem eigenen Unternehmen gefeuert und mit Pixar und Next zwei neue aufgebaut, nur um schließlich zu Apple zurückzukehren und sein Herzensprojekt zu sanieren. Das Leben des Apple-Gründers ist voller Geschichten, Dramen und Triumphe, wie gemacht für einen Hollywoodfilm.

Nach dem Tod von Steve Jobs wurden zahlreiche Filmprojekte angekündigt. Das Projekt mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle erhielt vorab die größte Aufmerksamkeit, floppte 2013 in den USA jedoch an den Kinokassen. In Deutschland kommt der Streifen deshalb gar nicht erst ins Kino , sondern erscheint direkt auf DVD, Bluray und als Download. Macwelt konnte sich die deutsche DVD-Fassung vorab ansehen.

Die schauspielerischen Leistungen und vor allem die Kulissen sind gut und vermitteln den Zeitgeist der Apple-Anfangsjahre.
Vergrößern Die schauspielerischen Leistungen und vor allem die Kulissen sind gut und vermitteln den Zeitgeist der Apple-Anfangsjahre.
© Concorde Home Entertainment

Die Handlung

Jobs erzählt das Leben von Steve Jobs vom College 1974 bis hin zur Entwicklung des iMac 1997. Erzählerisch bleibt der Film nah an der Realität und hält sich an die Dinge, die von Jobs bekannt sind. Einige Phasen von Jobs’ Leben sehen wir stark zusammengerafft, andere werden langsamer erzählt. College, LSD, Indien, Atari: Jobs rast schon in den ersten Minuten etwas klischeehaft durch die frühe Entwicklung und Inspiration des jungen Steve.

Erst als Steve Jobs den Computer entdeckt, an dem Kollege und Studienfreund Wozniak aus Spaß arbeitet, blüht die Persönlichkeit auf und das Erzähltempo verlangsamt sich. Jobs entdeckt das Potenzial der Maschine und überredet den scheuen Wozniak, den Prototypen auf der Homebrew-Messe zu präsentieren, in Kleinserie zu fertigen und damit letztlich den Personal Computer zu erfinden und zu vermarkten. Die ersten Monate von Apple bekommen viel Platz im Film eingeräumt. Die Filmcrew drehte dafür in der echten Garage der Familie Jobs, in der die Geschichte Apples begann.

Startpunkt Garage. Steve Wozniak (links) und Steve Jobs (Mitte) in der Garage der Familie Jobs. Diese Szenen wurden in der echten Garage gedreht.
Vergrößern Startpunkt Garage. Steve Wozniak (links) und Steve Jobs (Mitte) in der Garage der Familie Jobs. Diese Szenen wurden in der echten Garage gedreht.
© Concorde Home Entertainment

Anschließend springt "Jobs" in Etappen zu wichtigen Ereignissen. Vorstellung des Apple II, Apples Börsengang, der Geburt des Macintosh und dem verlorenen Machtkampf mit Aufsichtsratchef Arthur Rock und Neu-CEO John Sculley. Die Zeit zwischen Jobs’ Weggang von Apple im Jahr 1985 und seinem Wiedereintritt 1996 wird nur kurz zusammengefasst.

Kritik

Thematisch ist Jobs genau das Richtige für Apple-Fans. Von der Gründung des Unternehmens über den Aufstieg und schließlich die Wiedergeburt des Unternehmens in den späten Neunzigern. Inhaltlich gibt es hier jedoch nichts zu sehen, was Kenner des Unternehmens oder von Steve Jobs’ Wirken nicht schon kennen. "Jobs" ist ein Schnelldurchlauf durch das Leben des Apple-Gründers und die frühen Jahre des Unternehmens. Wer über beides noch nicht Bescheid weiß, bekommt hier einen guten Überblick über den schwierigen Charakter und die Vorstellungskraft des Namensgebers. Die manische Liebe zum Detail, die Rüpelhaftigkeit und die Egozentrik von Jobs kommen zwar in einzelnen Szenen vor, bleiben jedoch immer Randerscheindungen. Der Film geht wohlwollend mit den legendären Macken des Apple-Gründers um.

Filme über Steve Jobs:

Pirates of the Silicon Valley

(Auf Deutsch: Die Silicon Valley Story )

Der TV-Klassiker aus dem Jahr 1999 zeigt die Anfänge und Rivalität von Apple und Microsoft. Der Film ist oft komisch, klischeebeladen und überzogen, war lange Zeit jedoch die einzige größere Verfilmung des Themas. Auch heute noch unterhaltsam. Hauptdarsteller Noah Wyle eröffnete 1999 die Macworld Conference in seiner Rolle als Steve Jobs.

iSteve

Die Humor-Webseite Funnyordie hat Jobs’ Leben als Komödie verfilmt . Gespielt wird der Apple-Chef hier von Justin Long, dem "Mac" aus Apples Werbung . iSteve ist überdreht, nur an der Wahrheit angelehnt und albern, dennoch ziemlich unterhaltsam, wenn Humor auch mal infantil sein darf.

Noch unbenannt

Regisseur David Fincher und Autor Aaron Sorkin, die Macher des Facebook-Films The Social Network, sollen eine ungewöhnliche Verfilmung angehen , die nur aus drei langen Szenen bestehen soll. Der Film wird auf der offiziellen Biografie von Walter Isaacson basieren. Starttermin ist noch unbekannt.

Obwohl der mäßige Erfolg an der Kinokasse und teils schlechte Kritiken gegen "Jobs" sprechen, ist dies kein schlechter Film. Soundtrack, die authentische Ausstattung der Kulissen und auch die schauspielerischen Leistungen sind gut. Das Problem ist eher, dass "Jobs" keine dramaturgisch interessante Geschichte erzählt. Es ist ein schnell erzähltes Biopic, das knapp 25 Jahre auf rund zwei Stunden komprimiert. Es ist nur zum Teil eine Charakterstudie eines schwierigen Visionärs, nur zum Teil ein Portrait des frühen Silicon Valley, nur zum Teil die Geschichte Apples und des Beginns des Informationszeitalters. Jobs ist von allem ein wenig und nichts richtig. Das ist zu glatt und zu wenig fesselnd. David Fincher hat es mit " The Social Network " besser geschafft, den Menschen Mark Zuckerberg zu portraitieren und dabei dennoch wichtige Stationen des Unternehmens nicht ausgelassen.

Während es für Apple-Kenner nichts Neues zu sehen gibt, fehlt der dramaturgische rote Faden für die Menschen, die den Film sehen, ohne bereits die Jobs-Biografie gelesen oder Jobs’ Wirken zu seinen Lebzeiten verfolgt zu haben. Die Rivalität mit IBM oder Microsoft oder der konsequente Neuaufbau Apples nach Jobs’ Rückkehr: alle diese interessanten Geschichten sind hier nur Randnotizen. Jobs’ Unternehmen Next wird ein einziges Mal erwähnt, Pixar überhaupt nicht. Jobs versucht, zu viele Aspekte in einem Film zu vereinen. Den Menschen Steve Jobs, die Firma, die Produkte und die vielen Geschichten, die das alles miteinander verbinden.

Deutsche DVD-Version: Extras und Ausstattung

© 2015

Die deutsche Ausgabe von "Jobs – Die Erfolgsstory von Steve Jobs" enthält zwei deutsche Tonspuren (DTS und Dolby Digital) und die englische Originalversion. Die deutsche Übersetzung geht völlig in Ordnung und bleibt eng am Original. Viele Extras gibt es nicht, Making Of und ein Featurette sind weitgehend identisch und eher eine Art ausführlicher Trailer. Einziger echter Mehrwert sind Interviews mit den Schauspielern.

Fazit:

Ist Jobs ein sehenswerter Film für Apple-Fans? Ja, vielleicht. Die gute technische und atmosphärische Umsetzung entschädigt ein Stück weit dafür, dass das Drehbuch sich nicht für eine Geschichte entscheiden konnte und deshalb alles kurz und knapp untergebracht wurde. Jobs ist aber weit davon weg, sich das Prädikat „muss man gesehen haben“ zu verdienen. Der Film liefert einen relativ authentischen Überblick über die Geschichte des ersten Aufstiegs von Steve Jobs mit Apple und den Beginn des zweiten Aufstiegs. Wer also zu faul ist, sich durch 700 Seiten Biografie zu lesen, der erhält hier einen schnellen Ritt durch die wichtigsten Stationen. Vieles wird aber vielleicht zu kurz angerissen, als dass Nichtkenner damit etwas anfangen könnten.

Steckbrief

Jobs – Die Erfolgsstory von Steve Jobs

Länge: 122 Minuten

Erscheinungsdatum: 27. März 2014

+: Authentische Kulisse, Soundtrack

-: Kein roter Faden, zu viele Aspekte auf einmal in der Story verwoben

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