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DVDs auf CD kopieren

29.11.2002 | 11:59 Uhr |

Für Mac-OS X gibt es jetzt neue Programme, die das einfache Kopieren von Film-DVDs ermöglichen.

Liest man aktuelle PC-Magazine, scheint eine der Hauptbeschäftigungen vieler PC-Besitzer das Kopieren von Video-DVDs zu sein. Dank dem stark komprimierenden Film-Codec Divx ist sogar das Abspeichern eines kompletten DVD-Films auf eine CD möglich. Auch der Mac bietet Kopierern Komfort beim Kodieren und Brennen an, ein schneller G4-Rechner und Mac-OS X ist jedoch die Voraussetzung.

Handelsübliche Film-DVDs, von denen ihr rechtmäßiger Besitzer nach gültigem Rechtsstand Kopien anfertigen kann, bewahren ihre Filmdateien in so genannten .Vob-Dateien auf. Diese sind in der Regel etwa ein Gigabyte groß, ein zweistündiger Kinofilm besteht aus vier dieser Dateien, die durch zusätzliche so genannte Ifo-Dateien (Steuerdateien) von einem DVD-Player angesteuert werden können.
In unserem Praxis-Test wollen wir eine Film-DVD auf CD kopieren. Als Testobjekt dient ein aktueller dreistündiger Kinofilm. Vor der Neukodierung, also Komprimierung, kopieren wir die Dateien auf die Festplatte. Die genaue Vorgehensweise haben wir bereits in einem früheren Artikel beschrieben.
Hat man nun einige GBs an Vob-Dateien auf seiner Festplatte, erstellt ein Programm wie DivxRay daraus Divx-Filme. Das keine 500 KB große Tool liefert eine Oberfläche für den Encoder ffmpeg, der aus den MPEG-Dateien der DVD-Dateien AVI-Dateien erstellt, Film-Dateien, die der Quicktime-Player oder VLC abspielen können. Bisher muss man noch jede Vob-Datei einzeln umkodieren, für den Dezember hat der Programmierer jedoch eine neue Version angekündigt. Diese soll alle Dateien in einem Durchgang umkodieren können und weitere Verbesserungen bringen. Sowohl die Auflösung als auch die Qualität des zu erstellenden Films sind einstellbar.
In unserem Praxistest verwenden wir einen Power Mac G4 mit zwei 800-MHz-CPUs. Jede der insgesamt sieben Vob-Dateien hat eine Größe von etwa einem Gigabyte und beinhaltet etwa 25 Minuten Film. Problemlos erkennt das Programm die Video- und Programmspuren und erstellt in jeweils einer Stunde aus einem Gigabyte Film eine etwa 150 MB große AVI-Datei.
Nach etwa sieben Stunden haben wir sieben AVI-Filme mit einer Gesamtgröße von etwa einem Gigabyte. Ein kürzerer Film würde problemlos auf eine einzelne CD passen, hätten wir eine geringere Auflösung als 640 x 480 gewählt, wäre dies auch mit diesem Film möglich gewesen. Besitzt man Quicktime Pro, kann man die einzelnen Filme nun zu einem großen Film zusammenfügen. Zum Abspielen mit dem Quicktimeplayer muss der Divx-Codec installiert sein - dieser Codec gehört nicht zur Standardinstallation des Apple-Players. Ein Standalone-DVD-Player kann diese CDs nicht abspielen.

Nachteile


Das einfaches Kopieren einer DVD ist also auch unter Mac-OS X möglich. Einige Nachteile dieser Technik bleiben jedoch:
- Man kann die Filme nur auf einem leistungsfähigen Rechner abspielen. Um einen Divx-Film mit hoher Auflösung (etwa 640 x 480) abzuspielen, sollte man mindestens einen G4-Rechner mit 400 MHz besitzen. Bei schwächeren Rechnern fängt das Bild an zu ruckeln, besonders beim Abspielen von CD.
- Auch der hohe Zeitaufwand macht das DVD-Kopieren zum Geduldsspiel: Benutzt man etwa für das Umkodieren unseres Beispielfilms einen G4/400, so benötigt man etwa 14 Stunden Umrechnungszeit.
- Der Divx-Codec ist qualitativ schlechter als ein echter DVD-Film: Besonders bei Nachtaufnahmen gibt es immer wieder Artefakte, also blockförmige Farbverfälschungen. Es kann auch passieren, dass der Quicktimeplayer nach einer Stunde Filmvorführung abstürzt: Man kann ihn zwar problemlos neu starten und von der gleichen Stelle aus weiter sehen, alltagstauglicher Filmgenuss ist dies jedoch nicht.
- Nicht jede DVD kann umgewandelt werden. Mit den Tonspuren einigen neueren DVDs kommt das Tool DivxRay nicht zurecht und kann die Umkodierung nicht starten.

Fazit


DVD kopieren ist auch am Mac möglich. Angesichts des hohen Aufwandes und der sinkenden Preise von Film-DVDs ist das Ergebnis aber immer noch keine Alternative zum Kauf einer echten DVD. Eine alternative Möglichkeit finden Sie übrigens in der am Mittwoch erscheinenden Macwelt 1/03.
Stephan Wiesend

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