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DVDs selber machen mit iDVD und dem Super Drive

10.01.2001 | 00:00 Uhr |

Steve Jobs sieht für den Mac ein "drittes goldenes Zeitalter" anbrechen. Als "digital hub" soll er für diverse elektronische Geräte eine unverzichtbare Schnittstelle werden. Wer beispielsweise aus seinen Urlaubsfilmen eine DVD mastern will, ist mit dem neuen Topmodell und der zugehörigen Software bestens bedient.

Eine der ganz großen Sensationen in Steve Jobs' Keynote ist die Vorstellung des Super-Drive-Laufwerks, das Apple serienmäßig in das Flaggschiff der neuen G4-Serie einbaut. Mit dem Laufwerk kann man CDs und DVDs abspielen, aber auch CD-Rs, CD-RWs und - dies ist die eigentliche Sensation - DVD-Rs beschreiben. Hier hat Steve Jobs in der Tat eine Weltpremiere zu vermelden, denn nicht einmal der Hersteller dieses Laufwerks, die japanische Firma Pioneer, hat das Gerät bislang der Öffentlichkeit vorgestellt.

In der Tradition von iMovie: iDVD

Damit man dieses nette Stück Hardware auch nutzen kann, liefert der Mac-Hersteller die neue Software iDVD dazu. Die Technologie von iDVD baut auf dem Astarte-Produkt DV Deelight auf. Apple hat bereits Ende 1999 die gesamten DVD-Produkte von Astarte eingekauft und die Entwicklermannschaft gleich mitgenommen. Dass man seitdem nicht untätig war, zeigt sich in dem Programm iDVD. Es enthält einen kompletten MPEG2-Encoder, der laut Steve Jobs um den Faktor 12,5 schneller arbeitet als vergleichbare Software-Encoder. Was dies bedeutet, offenbart ein Rechenexempel: Normalerweise benötigt ein Software-Encoder für eine Minute Film ungefähr 25 Minuten Rechenzeit, um das Format nach MPEG2 zu wandeln. iDVD soll das in zwei Minuten schaffen. Der Grund ist die Velocity-Engine im G4-Prozessor, die iDVD in hohem Maße ausnutzt. Doch die MPEG2-Codierung ist nicht alles. DVDs bestehen aus vielen einzelnen Filmen, die man mit Hilfe einer Menüstruktur über die Fernbedienung des DVD-Players aufruft. Um eine solche Struktur zu erstellen, bietet iDVD einen erstaunlich einfachen Ansatz. Nachdem man das Programm startet, erscheint ein leeres Fenster. Zieht man einen beliebigen Quicktime-Film in das Fenster, erzeugt iDVD daraus automatisch einen Button. Über einen Schieberegler lässt sich der Button mit einem aus dem jeweiligen Film frei wählbaren Einzelbild füllen - fertig ist das Menü. Bis zu sechs solcher Buttons passen auf den Menühintergrund. Falls man mehr als sechs Filme auf die DVD bannen möchte, kann man auch Ordnerstrukturen erzeugen, die quasi als Untermenüs arbeiten. Standbilder lassen sich so ebenfalls auf die DVD-R bringen. Später spielt man sie über den DVD-Player einfach als Diashow ab. Die grafische Gestaltung der Buttons und des Hintergrunds nimmt man über so genannte Themen vor. Apple liefert bereits viele Themen für verschiedenste Anwendungszwecke mit. Sie unterscheiden sich in der Form der Buttons, in der Farbgebung und in Bezug auf den Inhalt der Hintergrundes sowie in Schriftart und -größe. Allerdings ist man nicht gezwungen, eines der vorgefertigten Themen zu benutzen. Alle Parameter lassen sich auch einzeln ändern, wodurch man leicht ein individuelles Thema erzeugt.

Für den Profi wird es auch noch eine High-End-Version von iDVD geben. Sie nennt sich DVD Studio Pro und soll etwa 2500 Mark kosten. Näheres ist noch nicht bekannt, man kann aber davon ausgehen, dass es sich ähnlich wie Final Cut Pro auf sehr hohem Niveau bewegen wird.

DVD-R-Medien werden preiswert

Ein wichtiger Punkt sind die Kosten für ein DVD-R-Medium. Da DVD-R bislang nur etwas für professionelle Mastering-Firmen war, bewegten sich die Preise für ein einziges 4,7 GB fassendes Medium zwischen 70 und 100 Mark. Steve Jobs kündigte auf seiner Keynote neue Medien an, die im Fünferpack für 50 US-Dollar - also 10 US-Dollar pro Stück - über die Ladentheke gehen. In Deutschland werden die Medien vermutlich zwischen 25 und 30 Mark pro Stück kosten. Das ist ein Preis, den man als konsumentengerecht bezeichnen kann.

Noch steht nicht fest, ob Adaptecs Software Toast DVD mit dem Super Drive zusammenarbeitet. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr hoch. Falls ja, wäre Apples neues High-End-System in der Lage, herkömmliche DVDs, also auch DVD-Videos (zumindest einschichtige) zu kopieren. Da DVD-Videos im Laden immer noch kaum unter 50 Mark zu haben sind, kann sich jeder selbst ausmalen, was für Folgen das Super-Drive-Laufwerk in Apples neuen G4-Macs haben wird. cm

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