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IFA: Konkurrenten im HD-Formatstreit richten sich auf lange Strecke ein

03.09.2007 | 13:26 Uhr

Glaubt man der Industrie, gibt es im Formatstreit um die Superscheiben des hochauflösenden Fernsehens nur Gewinner. Sowohl die HD-DVD-Fraktion als auch Blu-ray-Vertreter erklären sich auf der Funkausstellung IFA in Berlin zu Punktsiegern.

Die Blu-ray-Gruppe um Sony sonnt sich in den Absatzzahlen der Spielekonsole PS3, mit der inzwischen 1,3 Millionen eingebaute Blu-ray-Player in Europa ausgeliefert wurden. Die HD-DVD-Gruppe um Toshiba und Microsoft feiert dagegen den Übertritt der Hollywood-Studios Paramount und Dreamworks in ihr Lager und legt in einer neuen Preisrunde mit Playern unter der 290-Euro-Schwelle nach. Wo es Sieger gibt, müsste es eigentlich auch Verlierer geben. Doch auf der IFA will keiner der Beteiligten klein beigeben. "Wir laufen hier einen Marathon, keinen Sprint", sagt Olivier van Wynendaele, Sprecher der europäischen HD-DVD-Promotion-Group. Vier bis fünf Jahre müsse man für die Strecke schon rechnen.

In der Unterhaltungselektronikindustrie sind Formatkriege nichts Neues. Insbesondere die Auseinandersetzung um das Videokassettenformat Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre hat sich tief in das Gedächtnis der Branche eingebrannt. Damals traten die Firmen JVC, Sony und Philips mit den Formaten VHS, Betamax und Video 2000 gegeneinander an. Letztlich setzte sich JVC mit dem aus technischer Sicht schwächsten Format, der VHS-Kassette, durch.

Vor diesem Hintergrund wissen die Beteiligten der aktuellen Kontroverse, dass technische Qualität alleine nicht überzeugen kann. Die Käufer eines DVD-Nachfolgesystems sollen fest davon ausgehen können, dass für ihre Auswahl in Zukunft genügend Lieferanten von hochauflösenden Inhalten zur Verfügung stehen. "Da die TV-Sender in Europa bislang kaum HD-Sendungen anbieten, spielt das bei uns eine noch größere Rolle als etwa in den USA", sagt van Wynendaele.

Trotz der Wechselentscheidung von Paramount und Dreamworks gegen Blu-ray, hinter der die HD-DVD-Gegner unsaubere Zuschussgeschäfte vermuten, kann keines der beiden Lager sich zum Sieger erklären. Blu-ray habe beim Absatz der Discs die Konkurrenz in Europa im Verhältnis von 3:1 überflügelt, sagt Thilo Röhrig, Sprecher der "Blu-ray Group Deutschland". In Deutschland liege Blu-ray beim Filmabsatz 2:1 vorne. Das HD-DVD-Lager kontert mit einer Studie, wonach pro Blu-ray-Player bislang statistisch nur 0,5 Scheiben verkauft wurden. Pro HD-DVD-Player seien dagegen 3,5 Discs abgesetzt worden. Blu-ray listet in Europa über 300 Filmtitel, darunter Streifen von Senator, Universum und Kinowelt, HD-DVD sogar rund 400. Blu-ray präsentiert "Neues vom Wixxer", HD-DVD das Kölner Konzert von Herbert Grönemeyer.

Impulse erwartet die HD-DVD-Gruppe vom kanadisch-chinesischen Anbieter Venturer Electronics, der mit einem neuen Player erstmals die Schwelle von 290 Euro für einen HD-DVD-Player unterschreiten wird. Blu-ray dagegen hofft, dass sich ihr Format auch unter den Hobbyfilmern durchsetzen wird. Hitachi präsentierte auf der IFA in Berlin einen Camcorder, der Filmaufnahmen in voller Qualität ("Full HD") auf Blu-ray-Discs speichert. Doch weder der billigere HD-DVD-Player aus China noch der Blu-ray-Camcorder werden den Gegner k.o. schlagen.

Jordi Ribas, die Microsoft in der HD-DVD-Gruppe vertritt, kann sich inzwischen auch vorstellen, dass es nicht unbedingt zu einem Showdown zwischen den beiden Formaten kommen muss. Es wäre nicht das erste Mal, dass in der Unterhaltungselektronik dauerhaft zwei Formate parallel existierten. "Die Konsumenten haben aber auch gelernt, sich zu entscheiden, etwa zwischen Plasma- und LCD-Technologie bei den Flachbildschirmen."

Einen Ausweg könnten so genannte Hybrid-Player weisen, die sowohl HD-DVDs als auch Blu-ray-Discs abspielen können. Auf der IFA präsentierte Samsung als zweites Unternehmen einen Hybrid-Player. Der Pionier, das südkoreanische Unternehmen LG Electronics, stellte eine zweite Geräte-Generation bis Jahresende in Aussicht. Der Schönheitsfehler der Kombi-Player ist allerdings, dass sie so viel kosten wie manche Geräte der beiden rivalisierenden Formate zusammen. (dpa/tc)

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