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Danke, Onkel Bob!

20.11.2003 | 16:26 Uhr |

Manchmal ist es doch ganz sinnvoll, einen echten Amerikaner zu kennen. Nachdem Europäer noch auf die Eröffnung des iTunes Music Store warten, haben findige Apple-Fans eine legale Hintertür entdeckt. Den passenden Schlüssel liefert Apple übrigens selbst.

Was Amazon kann, kann Apple auch. Schließlich machen Gutscheine glücklich, rund um die Welt.
Vergrößern Was Amazon kann, kann Apple auch. Schließlich machen Gutscheine glücklich, rund um die Welt.
© 2015

Manchmal ist Weihnachten schon im November. Wie heute zum Beispiel, da hat sich der Autor dieser Zeilen über ein Geschenk eines Bekannten aus dem Land der österreichischen Gouverneure gefreut. Ich nenne ihn scherzhaft Onkel Bob, dabei heisst er gar nicht so. Aber das spielt keine Rolle, denn dieser Mann hat mir einen Gutschein für den iTunes Music Store in Höhe von 10 US-Dollar zukommen lassen. Nicht, weil er mich irgendwie besonders gern hätte. Ich habe ihn darum gebeten. Seit Anfang der Woche ist es im Music Store nämlich möglich, als amerikanischer Staatsbürger Gutscheine für andere Personen zu kaufen, so wie bei den Kollegen von Amazon beispielsweise auch.

In meinem Fall kauft also Onkel Bob einen Gutschein, gibt mich als Empfänger an. Kurze Zeit später bekomme ich eine freundliche Mail von Apple, ich könne jetzt meinen Gutschein im Music Store einlösen. Sowas lasse ich mir nicht zweimal sagen und starte iTunes, wechsle in den Music Store. Ich wollte mir ohnehin noch vor Weihnachten die neuen Alben von Dido oder Sarah McLachlan holen. Dank Preview kann ich mich vorher davon überzeugen, ob sich ein ganzes Album oder doch eher nur einzelne Tracks lohnen. So beginnt meine erste echte Probehörsession bei Apple, und ich bin mittendrin im Kaufrausch. Nach einer halben Stunde steht meine Wahl fest: Sarah McLachlan, Afterglow.

Gekauft, gesaugt, gehört - meine 10 Dollar haue ich für Sarah MacLachlan auf den Kopf.
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Auf der Homepage des Music Stores gibt es eine neue Abteilung namens "Gift Certificate". Darin prangt ein Button mit der Aufschrift "Redeem", also "Einlösen". Dann fragt der Store nach dem Gutschein-Code. Anschließend muss ich mich gegenüber iTunes ausweisen, das erledige ich mit meinem eigenen .Mac-Account. Ein paar Daten will Apple von mir noch wissen und leitet mich auf eine Seite zur Eingabe meiner Adresse in den USA. Aha, sollte ich an dieser Stelle etwa scheitern? Nicht doch, ich habe ja Onkel Bob. Ich verwende meinen realen Namen, als Anschrift nenne ich das Vorstadthäuschen von Onkel Bob in Ohio. Normalerweise möchte der Music Store an dieser Stelle auch eine gültige US-Kreditkarte, um den Account anlegen zu können. Im Falle eines Gutscheines erscheint allerdings noch die Option "None". Genau, denn ich brauche ja keine, ich will ja ein vorhandenes Guthaben einlösen.

Willkommen auf meiner Festplatte, liebe Sarah. Grüße an Aplle und Onkel Bob!
Vergrößern Willkommen auf meiner Festplatte, liebe Sarah. Grüße an Aplle und Onkel Bob!
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Sekunden später begrüßt mich der Store mit einem Guthabenfenster und meinem Accountnamen. Jetzt noch ab zum Album von Sarah, dort "Buy Album" geklickt - und mein erster iTunes-Music-Store-Download beginnt. Von den 10 Dollar habe ich am Ende noch 10 Cent übrig, aber dafür gibt's hier nichts. Wenige Minuten später habe ich auf meinem Powerbook dank Airport und DSL das komplette Album "Afterglow" von Sarah McLachlan, inklusive Cover zum Angucken. Ich höre rund 40 Minuten klasse Musik und habe kein schlechtes Gewissen, denn Geld für diese umwerfende Kunst ist ja geflossen. Ach ja, da fällt mir ein, Onkel Bob will seine 10 Dollar sicherlich zurückhaben. Kein Problem, das wickeln wir über die Ebay-Tochterfirma Paypal ab. Ich überweise ihm per Kreditkarte den Betrag, er kann sich seine Paypal-Gutschrift auf seine Kreditkarte oder sein Konto buchen lassen.

So sind in dieser Kette alle glücklich: Ich, weil ich meine Musik eigentlich nur noch online kaufen würde, Sarah McLachlan, weil ich ihre Musik legal erworben habe, Apple, weil der Music Store wieder einen Kunden mehr hat, und natürlich Onkel Bob, der sein Geld wieder hat. Onkel Bob hat den Gutschein übrigens mit seinem Windows-PC gekauft. Best of both worlds, sozusagen. Und wer keine Bekannten in den USA hat, der kann sich ja einfach einen suchen. Es soll da verschiedene Plattformen geben, wo Gutschein-Freundschaften schnell entstehen. Mit nur einem Klick. Danke, Onkel Bob!

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