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Daran ist Apples TV-Streaming gescheitert

29.07.2016 | 10:37 Uhr |

"Die Zukunft des TV sind Apps" – Apple kam vor einem guten Jahr nicht ganz freiwillig zu der Erkenntnis.

Seit gut einem Jahr scheint ein TV-Streamingservice von Apple vom Tisch zu sein, stattdessen setzt das neue Apple TV 4 auf Apps und darauf, dass Rechteinhaber ihre Programme auf diese Weise auf die Settopbox bringen. Der Plan scheint auch einigermaßen aufzugehen, immer mehr Anbieter bringen ihre Programme via App auf tvOS .

Ursprünglich hatte Apple aber wohl etwas anderes geplant, eine Art Apple Music für das Fernsehen eben. Warum Verhandlungen über ein solch umfassendes Streamingpaket gescheitert sind, dafür will das Wall Street Journal eine Erklärung haben. Seit 2009 habe Apple mit seinem iTunes-Chef Eddy Cue zwar ständig mit Disney, Time Warner, Fox, CBS und Comcast verhandelt, sei aber wegen seiner Anforderungen nicht zum Abschluss gekommen. So habe Apple sich geweigert, den Rechteinhabern von Jahr zu Jahr steigende Lizenzgebühren zuzusichern. In Apples Lösung sei Live-Fernsehen verbunden gewesen mit der Möglichkeit Video-On-Demand zu sehen, auch komplette Staffeln neuer Fernsehserien ohne Verzögerung. Kunden hätten für diesen Service 30 US-Dollar monatlich bezahlen sollen. Disney und Konsorten fürchteten, dass Kabelkanäle dann ähnliche Deals für sich beansprucht hätten und die Einnahmen damit erodiert wären.

Weiterhin habe Apple seinen Verhandlungspartnern auch nicht zeigen wollen oder können, wie der Service auf Apple TV und anderen Endgeräten aussehen sollte. Da Siri immer mehr zu einem wesentlichen Bedienelement des Apple TV wird, war Apple anscheinend vor Herbst 2015 nicht bereit, den Providern Details zu verraten. Der Login sollte zudem zwar via Apple ID erfolgen, die Abrechnung aber über die Dienste der TV-Anbieter. Apple wollte 10 US-Dollar, also ein Drittel der Einnahmen pro Kunde für sich behalten.

So wird also die Fernsehlandschaft auf dem Apple TV weiter zersplittert sein, die eine Serie bekommt man dann bei Netflix, die andere bei Amazon (ersteinmal nur via Airplay vom iPad/iPhone...), Sport am Wochenende bei Sky und den Kinofilm in Apples iTunes Store, monatliche Gebühren oder einzelne Käufe wickelt man über verschiedene Konten ab. Immerhin verspricht tvOS 10, das zeitgleich mit iOS 10 im Herbst erscheinen soll, einen Single-Sign-On, man muss sich also nicht jedesmal mit seinen unterschiedlichen Zugängen bei den Apps der Anbieter anmelden.

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