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Das ABC des Macintosh: B wie Bundestrojaner

05.05.2008 | 10:47 Uhr |

Vorsicht vor Trojanern, wer auch immer sie in Auftrag gegeben hat! Der einfachste Schutz vor Malware ist immer noch gesundes Misstrauen, weshalb zur Paranoia neigende Kriminelle sicher kaum mittels Online-Überwachung zu fangen sind.

Die große Koalition hat einen Kompromiss beim heiklen Thema Online-Durchsuchung gefunden . Ja, diese soll erlaubt sein, aber nur bei begründetem Terrorverdacht. Nein, heimlich in die Wohnung der Verdächtigten einbrechen und die Spyware des Bundesnachrichtendienstes auf die Rechner installieren ist nicht erlaubt. Wie es bei Kompromissen gerader großer Koalitionen oft der Fall ist: So ist das Gesetz nichts Halbes und nichts Ganzes. Es ist naiv zu glauben, dass Terroristen nicht alle Vorsichtsmaßnahmen gegen den Bundestrojaner kennen und deshalb ihre Rechner allenfalls selten mit dem Internet verbinden. Beispiel gemacht haben etwa die "deutschen Taliban", die im letzten September im Sauerland den Behörden ins Netz gingen. Ihre Kommunikation über das Internet beschränkte sich darauf, über ungesicherte WLAN-Hotspots sich mit einem Webmailprovider zu verbinden, eine Nachricht zu tippen und sie eben nicht zu versenden. Der Kommunikationspartner kannte die Account-Daten, loggte sich seinerseits ein und las die Botschaft. Ein Bundestrojaner hätte da gar nichts ausrichten können.

Auf der anderen Seite ist eine staatlich legitimierte Malware überhaupt nicht zu verharmlosen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das ein Gesetz des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen kassierte, sind Online-Durchsuchungen nur unter strengsten Auflagen erlaubt. Dennoch ist die Technik prinzipiell zur Massenüberwachung geeignet. Kein Hersteller von Antivirensoftware würde Programme zur Identifikation des ominösen trojanischen Pferdes anbieten, zumal dies ein Gesetz verbieten könnte. Einmal in die freie Wildbahn ausgesetzt, von "Drittherstellern" identifiziert und weiterentwickelt, würde solch ein Trojaner gewaltigen Schaden anrichten.

Mac-Anwender wiegen sich noch in großer Sicherheit , was die Bedrohung durch Würmer, Viren und Trojanern betrifft. Sehr zum Leidwesen von Schutzsoftwareherstellern, die ihre Produkte gerne an den Mann brächten. Die Angriffe auf Macs nehmen mit steigendem Marktanteil der Plattform aber immer mehr zu, auch Macianer sollten daher zumindest einige wesentliche Schutzmaßnahmen ergreifen. Mails mit dubiosen Anhängen, die Nacktfotos von Prominenten oder unermesslichen Reichtum in Nigeria versprechen, gehören ungelesen gelöscht. Und wenn eines Tages eine E-Mail eintrudelt mit dem Betreff "Sensationelle Bilder! Schäuble kann wieder laufen!" ist das gewiss nicht der Bundestrojaner, sondern ein geschmackloser Scherz. So plump gehen weder Behörden noch Kriminelle vor.

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