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Das ABC des Macintosh: E wie Ethernet

26.05.2008 | 10:27 Uhr |

Drahtlose Netze gewinnen immer mehr an Popularität, Besitzer von iPhone und iPod Touch freuen sich über offene oder nur ihnen zugängliche WLAN-Hotspots. Es gibt aber nach wie vor gute Gründe, Daten über Ethernet zu verschicken.

Früher hat die Macwelt-Redaktion gerne mal neue Trainees, Praktikanten oder Volontäre an deren ersten Arbeitstag in den nahe liegenden Baumarkt geschickt, um drei Meter optische Achse, einen Böschungshobel und ein nicht zu langes WLAN-Kabel zu holen, aber heute fällt keiner mehr darauf rein. Insbesondere der Gag mit dem Draht für das drahtlose Netzwerk funktioniert nicht mehr. Angebote von "WLAN-Kabeln" bei eBay sind nach den Scherzangeboten von vor einigen Jahren mittlerweile seriös geworden, einige Anbieter bezeichnen ihre Antennenkabel so, welche die Reichweite von Routern erhöhen sollen.

Gerade in privaten Haushalten gewinnen drahtlose Netze immer mehr an Bedeutung. Apple liefert alle seine Rechner mit Ausnahme der Mac Pro mit der "Airport Extreme" genannten drahtlosen Schnittstelle aus. Es ist nicht nur bequem, im Garten oder auf dem Balkon per Funk das Macbook (Air/Pro) mit dem Internet zu verbinden, Kabel über Stockwerke hinweg zu ziehen, ist auch nicht mehr nötig. Die hohen Geschwindigkeiten des Protokolls IEEE 802.11n, wie Airport Extreme offiziell heißt, nehmen Verschlüsselungsskeptikern den Wind aus den Segeln: Beim DSL-Modem kommen die Daten immer noch schnell genug an, wenn WPA2 eingeschaltet ist. Offene drahtlose Netze gehören der Vergangenheit an.

Es gibt aber weiterhin gute Gründe, seine Daten über eine Kabelverbindung zu übertragen. Für Firmennetze mit dutzenden Rechnern, Routern und Druckern sind WLAN-Accesspoints allenfalls eine Ergänzung, aber auch zu Hause lohnt sich das Abschalten von Airport Extreme durchaus. Nahe beieinander liegende Netze können sich derart stören, dass der Mac Airport Extreme, Airport Express oder Time Capsule gar nicht mehr findet. Die Festlegung auf einen bestimmten Kanal oder der Wechsel des Frequenzbandes im Airport-Dienstprogramm kann weiter helfen, solange nicht der Nachbar die gleiche Frequenz wählt. Über die Gesundheitsgefahren schwacher hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung gibt es keine abschließenden Erkenntnisse, wer aber nicht unbedingt an einem Langzeitversuch teilnehmen will, muss eben das bequeme Surfen von Terrasse und Balkon zumindest einschränken und zurück zum guten alten Ethernet wechseln.

Das Kabel mit dem charakteristischen Westernstecker ist schnell in den Mac eingestöpselt und schon hat man eine Funkverbindung über Draht. Zumindest dem Namen nach. Als Erfinder des Ethernet gilt der Physiker und Ingenieur Robert "Bob" Metcalfe , der die Technik am Palo Alto Research Center (PARC) von Xerox entwickelt hatte. Vorbild sei ein funkbasiertes Protokoll der Universität von Hawaii gewesen, statt auf elektromagnetische Wellen, die entgegen landläufiger Ansichten eben kein Trägermedium wie jenen ominösen "Äther" benötigen, setzte Metcalfe jedoch auf Kupferkabel. Das Kabel quasi als fest gewordenen Äther zu bezeichnen lässt auf den ironischen Humor Metcalfes schließen. Denken Sie daran, wenn sie das nächste Mal den Funk an ihrem Router abstellen und das "WLAN-Kabel" mit dem Westernstecker in Ihren Mac stöpseln…

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