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Das ABC des Macintosh: F wie Firewire

02.06.2008 | 10:14 Uhr |

Warum Apple so erfolgreich ist? Der Mac-Hersteller vermag es immer wieder, Technik sexy zu verpacken und zu verkaufen. Schon allein im Begriff Firewire steckte ein Versprechen, das IEEE 1394 nie hätte einlösen können.

Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen. Fast ist man geneigt, das Schiller-Wort aus " Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" auf den Industriestandard IEEE 1394 anzuwenden. Aber es ist noch eine Menge Leben im Draht, den Apple 1986 zu entwickeln begonnen hatte und seit 1999 unter dem prägnanten Begriff "Firewire" in Rechner einbaut. Ursprünglich war Firewire dazu auserkoren, den Standard SCSI abzulösen. Konsequenter Weise verzichtete der Mac-Hersteller auch seit der Premiere des blau-weißen Power Mac G3 im Januar 1999 auf eine externe Schnittstelle, zahlreiche externe Festplatten und Scanner waren mit einem Male veraltet. Indes setzte sich Firewire nur langsam am Markt durch, auch heute verkaufen Hersteller externer Speicherlösungen die Firewire-Varianten gerne teurer als USB-2.0-Geräte. Denn kaum war Firewire in der Mac-Welt zum Standard für schnelle Datenverbindungen geworden, der Festplatten und vor allem Videokameras mit dem Mac verband, kam die Spezifikation USB 2.0 heraus, die mit 480 zu 400 Mbps (Megabit pro Sekunde) Datentransfer den theoretisch höheren Wert versprach. Firewire, das Sony bis heute i-Link nennt, drohte zur Mac-Insellösung zu werden.

Zwei Sternstunden erlebte der Standard zu Beginn des neuen Jahrtausends. Im Jahr 2001 verlieh die Academy of Television Arts & Sciences der Technologie den Technik-Emmy für dessen Verdienste in der Fernsehindustrie. Im gleichen Jahr kam mit dem iPod der erste MP3-Player auf den Markt, der mit großen Musikbibliotheken spielend umgehen konnte. "1.000 Songs in der Hosentasche" wären mit dem damals noch weit verbreiteten USB 1.1 nicht möglich gewesen, bräuchte man doch Stunden, um die 5-GB-Festplatte des ersten iPods darüber zu füllen.

Um jedoch seinen Player auch im Windows-Lager populär zu machen, musste Apple zunächst optional auf USB 2.0 setzen, Firewire hatte kaum eine der von Macianer verächtlich "DOSen" genannten Windows-Rechner an Bord. Mit der zweiten iPod-Generation hatte Apple zunächst noch zwei unterschiedliche Player angeboten, seit der dritten Generation setzt Apple auf die Dock-Schnittstelle, die Entscheidung ob der iPod via Firewire oder USB 2.0 Anschluss findet, überließ der Hersteller dem Kunden, der ein entsprechendes Kabel zu seinem Player orderte. Mit dem iPod Shuffle kam jedoch der erste iPod ohne Firewire auf den Markt, seit der iPod Nano den iPod Mini ablöste, ist endgültig USB 2.0 zum Standard für den Player geworden. Wer sich zu seinem älteren Mac mit USB 1.1 einen neuen iPod leistete, mag das bedauert haben, denn um den 4-GB-Chip des Nano darüber voll zu bekommen, braucht man viel Zeit, vom iPod Classic mit 160 GB wollen wir erst gar nicht sprechen.

Nun kann ein neuer iPod allenfalls der letzte Auslöser zum Kauf eines neuen Macs sein, steht dann der neue Rechner frisch ausgepackt neben dem alten und verdienten Gerät, zeigt sich der große Vorteil für Firewire. Anders als etwa via USB lassen sich zwei Geräte über IEEE 1394 auch ohne zentralen Rechner direkt miteinander verbinden, sogar ein IP-Netz kann man über den flotten Draht einrichten. Beim Überspielen von Daten vom alten auf den neuen Mac freut man sich, dass Firewire weiterhin zentraler Bestandteil der Apple-Rechner ist, ohne mehr oder weniger komplizierte Vernetzung und Freigaben sprechen die beiden Geräte miteinander und tauschen in Windeseile Daten aus. Auf Firewire wird Apple nicht nur deshalb noch lange nicht verzichten, selbst wenn viele DV-Camcorder in USB-2.0-Ausführungen erhältlich sind. Am Feuerdraht liegt eine etwa dreimal höhere Spannung (1,5 Volt) im Vergleich zu USB an, gerade 2,5-Zoll-Festplatten benötigen die größere Bus-Power, um auch ohne eigenes Netzteil mit dem Computer zusammen zu arbeiten. Der Mohr hat seine Arbeit noch lange nicht getan, wenn auch die höheren Geschwindigkeiten von Firewire 800 und Firewire 1600 heute kaum jemand braucht und deshalb kein Verkaufsargument sind.

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