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Das ABC des Macintosh: H wie Hoax

16.06.2008 | 10:45 Uhr |

Immer noch fallen E-Mail-Nutzer auf die dubiosen Schreiben von Spammern, Phishern und üblen Scherzbolden herein. Die Naiven sind zwar nur wenige, für die Urheber lohnt sich das Geschäft allemal.

Man glaubt es kaum: Spam lohnt sich noch immer. Für die Versender unerwünschter Werbung ist die Rechnung einfach: Eine Milliarde Mails an illegal erworbene oder einfach erratene Adressen zu schicken, kostet nichts. Selbst wenn 99,99 Prozent der Empfänger die Sendung als Müll einschätzen, lesen immer noch 100.000 Adressaten die Empfehlungen zu Wunderpillen oder Aktien, die demnächst durch die Decke gehen. Und wenn selbst davon noch jeder Zehnte blaue Placebos bestellt oder in Ramschfirmen investiert, haben die Spammer ihr Geschäft gemacht.

Der Mac ist weiterhin ein relativ sicheres System, ernsthafte Schadsoftware ist in freier Wildbahn trotz einiger bekannter Sicherheitslücken noch nicht aufgetaucht. Mit wachsendem Erfolg des Mac wird jedoch die Bedrohung zunehmen, einen Vorgeschmack bieten ab schon heute die Versuche von Phishern, an vertrauliche Passworte zu kommen und nicht zuletzt zahlreiche Hoaxes. Während sich unter eBay-Nutzern und Online-Bankern allmählich herumspricht, dass man nicht so mir nichts dir nichts PIN und TAN auf einer Website hinterlässt, die man nicht durch eigenhändige Eingabe der bekannten Adresse in den Browser aufgerufen hat, zeigen die klassischen Hoaxes, wie naiv der durchschnittliche Computernutzer immer noch ist. Die TU Berlin betreibt seit Jahren eine informative Seite, die vor aktuellen "Hokus-Pokus-Mails" warnt. Die meisten der dort beschriebenen Hoaxes sind an sich harmlos, je mehr Empfänger solcher Kettenmails jedoch darauf anspringen und sie weiterschicken, umso größer wird der Schaden durch Überlastung der Kommunikationsnetze.

Um ihre Weiterverbreitung zu garantieren, setzen Hoaxes auf einfache Reize. Entweder sie drücken auf die Tränendrüse ("Leukämiekranker sucht dringend nach Knochenmarksspender"),appellieren an die Gier ("Microsoft verschenkt Geld", seit 1999 in Umlauf und einfach nicht tot zu kriegen) oder sie tarnen sich als verbraucherfreundlicher Aufruf, Markttrends zu setzen (Licht aus zu bestimmten Zeiten, Tanken nicht mehr bei bestimmten Konzernen).

Einige Kettenmails warnen auch vor vermeintlichen Viren, eine ganz perfide hat einmal Windows-Anwender aufgefordert, wichtige Systemdateien zu löschen, da diese angeblich Schadsoftware seien. Nun, manche Mac-Anwender betrachten Windows zwar allgemein als Schadsoftware, so weit wollen wir aber nicht gehen. Landet eine Virenwarnung im Postfach, ist in der Regel schnell herauszufinden, was davon zu halten ist. Über echte Gefahren informieren Fachpresse und Hersteller von Schutzsoftware sehr zügig, im Zweifel hilft ein Blick auf die Hoax-Info der TU Berlin weiter.

Wie gesagt, Hoaxes sind in der Regel harmlos, was man von den nah verwandten Phishing-Mails oder den "Angeboten" der Nigeria-Connection nicht behaupten kann. Man darf aber annehmen, dass jemand, der einen Kettenbrief mit einer angeblichen Rede des ehemaligen australischen Premiers John Howard oder den bereits erwähnten Aufruf zum Tankboykott weiter leitet, latent gefährdet ist, wildfremden Menschen Geld zu überweisen, um an noch mehr Geld zu kommen. Einfache Regel: Finger weg! Was schon in der Betreffzeile nach Spam oder Hoax aussieht, gehört ungelesen in den Papierkorb, alles andere nach der Lektüre, zweifelhafte Anhänge niemals öffnen. Es sei denn, man will eine Sammlung kurioser Betrugsversuche anlegen, die man weniger informierten Internetteilnehmern zeigt, um sie vor den Maschen der Bauernfänger zu warnen.

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