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Das ABC des Macintosh: J wie Java Script

30.06.2008 | 10:06 Uhr |

Auf dem iPhone läuft Flash gar nicht, auf dem Mac nicht immer zur Zufriedenheit der Anwender. Mit Sprout Core, das auf der Skriptsprache Java Script basiert, hat der Mac-Hersteller womöglich den Ausweg gefunden.

Java und Java Script sind trotz des ähnlichen Namens zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Java ist als Programmiersprache Kern einer Technik, die es erlaubt, Software unabhängig von der Plattform zu entwickeln. Wer in Java, das Anfang der Neunziger im Auftrag von Sun Microsystems entstand, etwa auf dem PC eine Applikation schreibt, kann fast sicher gehen, dass diese auch auf dem Mac ohne Weiteres und im gleichen Look-and-Feel ausführbar ist. Möglich machen das die in Betriebssysteme wie Mac-OS X integrierten Java Virtual Machines (Java VM), die quasi als Mittler zwischen Programm und System agieren. Die Vermittlungsdienste haben aber nicht selten die Nebenwirkung einer Bremse, eine Java-Applikation kann nie so schnell auf dem Rechner laufen wie eine native Software. Java Applets finden sich jedoch gehäuft im Web, welcher Browser unter welchem System auf eine Web-Applikation zugreift, darf nicht relevant für Internetanwendungen sein. Java-Applets setzen zum Beispiel Fotodienste ein, um den Upload mehrerer Dateien oder Ordner gleichzeitig zu organisieren.

Java Script sind als Skriptsprache engere Grenzen als Java aufgezwungen. Das ehedem für den Netscape Navigator entwickelte Live Script erfuhr jedoch nicht von ungefähr die an Java anlehnende Namensänderung, Java und Java Script eint beispielsweise die Objektorientierung und die Unabhängigkeit von der Plattform. In erster Linie erweitert Java Script die Funktionalität des Browsers, so kann es etwa die Eingaben in Formularen überprüfen oder Effekte wie den Farbwechsel eines Links auslösen, wenn man mit der Maus darüber fährt (Mouse Over).

Doch Java Script kann weit mehr, als Webseiten bunt zu machen und zu animieren. Apple will auf Java Script ein Framework aufbauen, das nichts weniger sein soll als eine Kampfansage an Adobes Flash: Sprout Core. Die Sammlung von Klassen und Befehlen soll Entwicklern dabei helfen, für Browser Applikationen zu schreiben, die, egal unter welchem System, so aussehen und funktionieren wie Desktop-Software unter Mac-OS X. Unter Sproutcore.com sind erste Beispiele zu finden, etwa eine Fotoverwaltung, die an iPhoto erinnert. Der .Mac-Nachfolger Mobile Me setzt ebenso auf Sprout Core auf, anders wäre es kaum möglich, auch Windows-Maschinen mit dem Webservice Apples zu vernetzen. Aus iPhoto erzeugte Bildergalerien laufen heute schon auf dem Sprout Core Framework.

Apple springt damit auf den Web-Apps-Zug auf, den nicht zuletzt Google mit seinen Java-Script-Applikationen in Schwung gebracht hat. Anders jedoch als es Adobe mit der Adobe Integrated Runtime (AIR) und Microsoft mit Silverlight versuchen, will Apple eben nicht proprietäre Technologien einsetzen, sondern offene Standards wie Java Script nutzen. Die Folgen könnten gewaltig sein: Mit dem iPhone SDK hat Apple zahlreiche Entwickler angelockt, für das Telefon Software zu schreiben, mit Sprout Core könnten diese sogleich ihre Arbeit fortsetzen. Statt Mac-OS X an Dritte zu lizenzieren und damit technologische Vorteile aus der Hand zu geben, gelänge Apple eine Öffnung über Betriebssystemschranken hinaus. Es mag jedoch pure Not sein, aus der Sprout Core entsprungen ist: Auf dem Mac laufen Java-Applets recht lahm, Safari versteht nicht alle Java Scripts und erste AIR-Anwendungen wie Photoshop Express beeindrucken wenig mit Leistung.

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