Von Peter Müller - 14.07.2008, 10:08

Das ABC des Macintosh: L wie Leopard

Mac-OS X 10.0 hatte den Codenamen Cheetah (Gepard), Mac-OS X 10.1 hieß inoffiziell Puma. Erst seit Mac-OS X 10.2 Jaguar kommt der Name der Großkatze auf das Paket mit der Installations-CD. Viele Katzen bleiben aber nicht mehr übrig.
Mac-OS X 10.4 hieß Tiger, das aktuelle Betriebssystem mit der Versionsnummer 10.5 nennt sich Leopard. Der Nachfolger steht auch schon in den Startlöchern, Mac-OS X 10.6 wird Snow Leopard heißen. Die Namensähnlichkeit zu Mac-OS X 10.5 korreliert mit Apples Ankündigung, mehr unter der Haube zu ändern und kaum neue Funktionen einzuführen. Seit Apple auf das Betriebssystem mit dem Unix-Kern setzt, sind mit jeder Version zahlreiche Neuerungen hinzu gekommen. Insgesamt sollen es um die 1.000 sein, behauptet Apple. Schon bei Mac-OS X 10.1 setzte der Hersteller vorwiegend auf Performance-Verbesserungen, mit Mac-OS X 10.2, das auch offiziell den Namen einer Raubkatze (Jaguar) trug, renovierte Apple das erste Mal gründlich. So kennt der Mac seither die Zero-Konfig-Technik Bonjour, die damals noch Rendezvous hieß oder die Handschriftenerkennung Inkwell, die kaum jemand einsetzt. Nur 14 Monate später trat der Panther auf den Plan unter anderem mit der neuen Fensterverwaltung Exposé oder den wiederbelebten Etiketten. Dutzende Neuerungen wie Spotlight, Core Image oder Dashboard brachte Mac-OS X 10.4 Tiger, der Leopard wartet jedoch mit den bislang größten Innovationen auf, von denen die Backupsoftware Time Machine die spektakulärste ist.
Bei der Entwicklung von Snow Leopard will Apple nun ein wenig auf die Bremse treten, die Neuerungen könnten jedoch tiefgreifender sein als je zuvor. So munkelt die Szene schon länger vom Dateisystem ZFS (das wir ausführlicher in der letzen Folge unserer kleinen Reihe "Das ABC des Macintosh" behandeln wollen...), Safari 4 soll Websites als Web Apps abspeichern können und das neue Java-Script-Framework Sprout Core könnte sich als Erweiterung des Mac über Plattformgrenzen hinweg entpuppen.
Die Ideen für Neuentwicklungen, Erweiterungen und Verbesserungen gehen den Apple-Ingenieuren auch bei gedrückter Bremse kaum aus. Lediglich bei der Nomenklatur dürfte Apple langsam an die Grenzen stoßen. Großkatzen sind als Namensgeber bald ausgereizt, es bleiben eigentlich nur noch der Nebelparder (Clouded Leopard) und der Löwe übrig. Ersterer scheidet als Namenspatron für Mac-OS X 10.7 aus, außer Apple will nach dem Schneeleoparden weiter auf der Bremse stehen und sein Betriebssystem zu einem nebulösen Etwas verkommen lassen. Der Löwe schließlich gilt einerseits als der König der Tiere, andererseits liegt er nach getaner Arbeit recht träge in der Savanne herum. Ein Mac-OS X Lion hätte den Anspruch, Endpunkt einer Entwicklung zu sein, gleichzeitig darf man sich es als satt, lahm und träge vorstellen. Also gar nicht wie Apple.
Zwei Auswege bleiben: Entweder hört Apple auf, seinem Betriebssystem Tiernamen zu geben oder es weicht auf andere Felidae-Gattungen aus. Mac-OS X Lynx klänge doch auch recht nett, nicht zuletzt wegen des doppelten X.
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