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Das ABC des Macintosh: M wie McIntosh

21.07.2008 | 10:06 Uhr |

Warum hat Apple im Laufe seiner Geschichte nur eine einzige Produktlinie nach einer Apfelsorte benannt? Braeburn, Cox oder Delicious hätten doch auch getaugt? Der Grund: Nicht ein einziges Apple-Produkt trägt den Namen eines Apfels.

Das Produkt, dem Apple seinen Ruf verdankt, ist nach einer Apfelsorte benannt. Auf den Erfolgszug des Computers McIntosh folgte fast zwanzig Jahre später der populäre Medienplayer Braeburn, mittlerweile ist Apple mit dem Telefon Red Delicious dabei, den Markt umzukrempeln…

Halt, da stimmt doch was nicht? Genau, der Medienplayer heißt natürlich iPod und das Telefon iPhone, Apple hat aber auch nie einen Computer nach einer Apfelsorte benannt. Denn der seltene Kulturapfel heißt nach seinem mutmaßlichen Entdecker McIntosh , der Computer hat ein "a" mehr und eine Binnenversalie weniger in seinem Namen, er heißt Macintosh oder kurz: Mac.

Die Geschichte mit dem Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt, ist also nicht korrekt. Es kursiert die Legende, Apple-Gründer Steve Jobs habe sich während der Zeit der Mac-Entwicklung wegen der Spätfolgen einer Ruhr-Erkrankung vorwiegend frugal ernährt und dabei die kanadische Apfelsorte mit dem schottischen Namen bevorzugt. So habe die Entwicklergruppe bei Apple nicht lange nach einem Namen für ihr Projekt suchen müssen. Den Projektnamen hat jedoch Jef Raskin vergeben, Steve Jobs war erst später zu dem Team gestoßen, zu einer Zeit, als der Gründer des Unternehmens eigentlich schon auf dem absteigenden Ast war. Der von Steve Jobs selbst angeheuerte John Sculley zweifelte an den Fähigkeiten des jungen Visionärs und entzog ihm nach und nach Einfluss und Aufgaben, der spektakuläre Erfolg des Mac, den sich Jobs an seine Fahnen heftete, verzögerte diesen Prozess allenfalls. Im Sommer 1985, anderthalb Jahre nach der Premiere des Macintosh, musste Steve Jobs die Firma verlassen, ehe er Ende 1996 zurückgeholt wurde.

Auch wenn der Name des Computers nicht von den Ernährungsgewohnheiten des Firmengründers abgeleitet wurde, liegt nahe, dass Jef Raskin die Apfelsorte zumindest im Blick hatte und nicht etwa den Regenmantel Mackintosh des schottischen Erfinders Charles Macintosh . Bei der Schreibweise bewies der Ingenieur Weitsicht: Um mögliche Streitereien um den Markennamen mit dem Hersteller von High-End-Audio-Hardware McIntosh Laboratory zu vermeiden, setzte Raskin auf eine alternative Schreibweise. Raskin muss damals schon gedämmert haben, dass die von ihm angestoßene Entwicklung enorme Auswirkungen auf die Medienproduktion haben würde. Die Mac Pro der Jetzt-Zeit sind aus keinem Tonstudio mehr wegzudenken und dürfen sich mit Fug und Recht als High-End-Audio-Produktionsmaschinen bezeichnen. Gleichermaßen ist Apple im Mainstream angekommen, der iPod hat als Medienplayer eine Verbreitung, von der die Maschinen von McIntosh nicht einmal träumen können. Beides zusammen passt nicht gut: Während andere Hersteller hochwertiger Audio-Hardware ihre Receiver gerne mal mit iPod-Docks ausstatten, macht McIntosh diese Mode nicht mit. Die einzige Konzession an den Mainstream und die japanischen Besitzer des Unternehmens seien Car-Audio-Lösungen, will Wikipedia wissen. Doch auch diese kommen ohne iPod-Integration aus.

Der Fall McIntosh/Macintosh wirft ein weiteres interessantes Schlaglicht. Während also Jef Raskin von vornherein einen möglichen Konflikt ausschließen wollte, folgte Steve Jobs dem Motto, dass Kopieren die höchste Form der Bewunderung sei. Erst als der jahrelange Streit mit der Beatles-Plattenfirma Apple Corps abgeschlossen war, räumte Jobs ein, bei der Namensfindung für sein junges Unternehmen im Jahr 1976 sehr wohl an das Vorbild der Beatles gedacht zu haben. Man würde sich ja wohl kaum in die Quere kommen. Die Entscheidung sollte Apple nicht ganz billig kommen, gelohnt haben sich die in den Jahrzehnten mehrmals geflossenen Ausgleichszahlungen aber mit Sicherheit. Einer Firma mit einer verqueren Schreibweise wie App-L oder einem sonderbaren Akronym wie Jowoway (nach den Gründern Jobs, Wozniak und Wayne) würde heute kaum jemand einen Computer, einen Mediaplayer oder ein Telefon abkaufen wollen.

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