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Das ABC des Macintosh: N wie Nightly Build

28.07.2008 | 10:15 Uhr |

Webkit, die Open-Source-Basis des Apple-Browsers Safari glänzt mit hohen Geschwindigkeiten. Die Software liegt stets in Nightly Builds vor. Was genau haben die Entwickler über Nacht so getrieben?

Apple steht für die Vision, dem Menschen Technik mit durchdachtem Design für ein besseres Leben zugänglich zu machen. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass der Mac-Hersteller nicht die Heilsarmee oder eine stets alle Wünsche erfüllende gute Fee ist, sondern ein Profit orientiertes Unternehmen, das sich im Markt behaupten muss. Verbraucherschützer kritisieren Apple ob seiner geballten Marktmacht bei digitalen Musikabspielgeräten und fordern, die strenge Kopplung von iTunes Store und iPod aufzuheben. U mweltschützer bemängeln vor allem Apples Schweigen über künftige Produkte und Strategien zu deren Umweltfreundlichkeit.

Doch in Zeiten, in denen Mac-OS X 10.5 Monitore nicht einmal mehr auf 256 Farben umstellt, ist Schwarz-Weiß-Malerei nicht angesagt. Apple ist weder gut, weil das Unternehmen mit einem durchdachten und smarten Betriebssystem eine echte Alternative zum Quasimonopolisten Microsoft mit seinem Windows bietet, noch ist Apple böse, weil es nicht zulässt, im iTunes Store gekaufte und mit Fair-Play-DRM versehene Musikstücke auf anderen Mediaplayern als dem iPod abzuspielen oder gewisse Funktionen (noch) nicht in das iPhone eingebaut hat.

Apple hat in seiner Geschichte leidvolle Erfahrungen mit Innovationen und Imitationen gemacht, dass Microsoft aber einfach nur bösartig das Apple-Betriebssystem nachgebaut hat, ist auch nicht wahr, schließlich hatte das Unternehmen bei Apple Lizenzen erworben , deren Geltungsbereich der Lizenzgeber später jedoch überschritten sah. Gerade in Patentsachen ist Apple heutzutage vorsichtiger, nicht von ungefähr betonte Steve Jobs bei der Premiere des iPhone vor anderthalb Jahren, dass man rund 200 Patente für die Techniken im revolutionären Handy gewährt bekommen habe. Um die eine oder andere Technik gibt es immer wieder mal Streit , was aber auch am verzwickten US-Patentrecht liegt.

Apple bemüht sich als Unternehmen, das Gewinne erwirtschaften muss, also darum, sein geistiges Eigentum zu schützen. Dennoch setzt der Mac-Hersteller bekanntlich auf Open Source. Darwin, der Betriebssystem-Kernel von Mac-OS X, ist quelloffen, die darauf aufsetzenden Techniken wie Quartz Extreme, Quicktime oder Aqua gibt Apple nicht der freien Entwicklergemeinde zur Weiterverwertung. Die Open-Source-Community kritisiert Apple immer wieder mal ob seiner mangelnden Offenheit. Aus Australien kam zuletzt der Einwand , die Regeln oder vielmehr Einschränkungen für die iPhone-Entwicklung seien "zum Lachen und der letzte Mist".

Wie Open Source genauer funktioniert und warum quelloffene Software gleichberechtigt zu kommerzieller sein kann, versuchen wir in der nächsten Folge unseres Macintosh-ABC zu erklären. Heute nur so viel: Bei Open-Source-Software sollte man genau auf das Etikett schauen. Immerhin sind die Entwickler meist so ehrlich, genau zu sagen, wie fertig ein zum Download angebotenes Programm schon ist. Bei Microsoft, Apple und anderen kommerziellen Herstellern sieht man das fertige Produkt und - wenn man Glück hat - zeitnah ein Update, sofern Fehler auftreten. Open-Source-Entwickler lassen die Nutzer ihrer Programme in der Regel auch an kleineren Fortschritten teilhaben. So liest man immer wieder einmal den Begriff "Nightly Build", den man ruhig wörtlich übersetzen kann: Über Nacht fertig gestellt. Ein in den ruhigen Nachtstunden kompiliertes Programm mag zwar am nächsten Morgen fertig sein, ausgereift ist es deshalb noch lange nicht. Ehrlichkeit währt am längsten: Wer sich etwa ein Nightly Build des Browsers Webkit auf seinen Mac lädt, ist keineswegs verärgert, wenn das Programm mal den Dienst verweigert. Auf der anderen Seite erhält der mutige Tester einen Browser, der in punkto Geschwindigkeit seinesgleichen sucht. Nicht einmal Safari, der auf dem Webkit basiert, kommt da heran. Aber dafür liefert Apple ausgereifte Versionen über die Software-Aktualisierung und Betriebssystemupdates. Zumindest in den meisten Fällen.

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