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Das ABC des Macintosh: O wie Open Source

04.08.2008 | 10:28 Uhr |

"Come in, it’s open": Apple weiß die Vorteile von Open Source geschickt zu nutzen. Über einem quirligen Basar thront eine edle Kathedrale, die von Mal zu Mal schöner wird.

Warum funktioniert Open Source? Wie kann das gehen, dass lose miteinander verbundene Entwickler Programme entwerfen, entwickeln und verbessern, ohne dass eine zentrale Instanz über Fortschritte wacht und das fertige Produkt vermarktet? Wo ist die Ordnung im Chaos?

Bevor wir ins Philosophische abschweifen, sollten wir uns besser einmal den Begriff der Open-Source-Software vergegenwärtigen. Das erste Projekt mit quelloffener Software, die den populären Begriff verwendete, war der Browser Mozilla. Netscape hatte den Browserkrieg gegen Microsoft verloren und sah als einzige Chance gegen das drohende Internet-Explorer-Monopol, den Quellcode des einstigen Marktführers unter den Browsern frei zu geben. Den Anlass dazu soll das 1997 erschienene Essay "Die Kathedrale und der Basar" von Eric Raymond gegeben haben. Der Autor zeigt hierin die Unterschiede von proprietärer und quelloffener Software anhand eines mittelalterlichen Bildes auf. Die Kathedrale bauen für ihre Dienste entlohnte Arbeiter nach einem Plan, den ein Architekt im Auftrag eines Bauherren gezeichnet hat. Der Einzelne hat seine genau bestimmte Aufgabe, Abweichungen vom Plan sind nicht zulässig. Auf dem Basar oder Marktplatz, der sich vor der Kathedrale gebildet hat, tauschen jedoch viele einzelne Händler mit unterschiedlichen Interessen ihre Waren aus, mal macht man mit diesem Geschäfte, mal mit jenem. Eine übergeordnete Autorität, welche die Art der Geschäfte anordnet oder gar ihre Abwicklung reglementiert, gibt es nicht. Allenfalls wird der Marktplatz von einer zentralen Instanz zur Verfügung gestellt oder gar vermietet. Darwin, der Open-Source-Kern von Mac-OS X wird also immer Apple gehören, das mit den offenen Komponenten wie Apache, CUPS oder X11 in jedem Fall von den Ergebnissen des Basars profitiert.

Ein Missverständnis über Open Source Software: Diese ist zwar stets quelloffen und in der Regel auch kostenlos zu nutzen, aber mit freier Software nicht identisch. Und so quirlig und unübersichtlich der Marktplatz auch wirkt, wenn man mittendrin Waren und Ideen austauscht, so geordnet sieht er vom Turm der Kathedrale aus. Denn jedes Open-Source-Projekt hat eine zentrale Instanz, welche die Weiterentwicklung koordiniert. Meist ist dies der Projektgründer, im Fall von Linux etwa Linus Torvalds, Mozilla, Firefox und Thunderbird "gehören" im diesem Sinne der Mozilla Organization. Freilich bilden sich immer wieder Abspaltungen von den Projekten und neue Unterprojekte. So mag man vom Turm der Kathedrale aus auf dem einstigen Lebensmittelmarkt mit zunehmenden Wohlstand der Marktteilnehmer immer mehr Stände sehen, die Luxusgüter anbieten, um das Raymond-Bild noch einmal zu bemühen. Vor einigen Jahren hatte Microsoft das als weniger ansprechend empfunden, und Kunden, die den Umstieg von Windows und Office auf quelloffene Alternativen erwogen, mit einem teuren Werbefeldzug gewarnt. Mit Open Source wisse man nie, was man kriege, und lautete die Botschaft der "Fakten"-Kampagne .

Die seinerzeit von Microsoft in Auftrag gegebenen Studien sprachen davon, dass der gesamte finanzielle Aufwand von Wartung und Pflege von Linux und Open Office unvertretbar hoch werde. Nur leider gleicht die Windows-Vista-Kathedrale dem Kölner Dom hundert Jahre vor dessen Fertigstellung, mag man da gehässig antworten: Schön anzusehen, wenn man keinen Blick für die Baustellen und Unannehmlichkeiten hat. Auch am Dom Mac-OS X, wollen wir ihn einmal mit Dom zu Unserer Lieben Frau in München vergleichen, wird zwar noch ständig gebaut, doch handelt es sich zumindest im anstehenden Versionssprung auf Mac-OS X 10.6 um Verbesserungen, Renovierungen und Verschönerungen, die im Keller und Fundament vorgenommen werden. Hier endet aber der Vergleich, wir stellen uns zwar vor, dass die Steinmetze, Schreiner und Restauratoren von Apple ab und an rüber zum Viktualienmarkt schlendern, wo die Open-Source-Gemeinde sie mit dem nötigsten versorgt. Deren Waren sind leider alles andere als frei verfügbar oder gar kostenlos…

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