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Das ABC des Macintosh - W wie Widget

06.10.2008 | 10:56 Uhr |

Apple muss sich ab und an den Vorwurf gefallen lassen, Ideen von Drittherstellern kommentarlos in seine Produkte einfließen zu lassen. Dashboard, Laufzeitumgebung für kleine Schreibtischprogramme, die Apple Widgets nennt, steht dafür als Beispiel.

Dashboard im Überblick
Vergrößern Dashboard im Überblick

W wie Wissen, W wie WLAN, W wie Windows, für unsere heutige Folge hätten wir eine reiche Auswahl. Aber wir vermitteln mit jedem unserer Beiträge Wissen, zum Thema WLAN-Verschlüsselung hatten wir uns bereits letzte Woche unterhalten und das Thema Windows auf dem Mac hatten wir unter dem Buchstaben P wie Parallels abgehandelt. Bleibt uns also W wie Widget.

Unmut aus der Entwicklergemeinde hatte sich Apple zugezogen, als der Mac-Hersteller die neuen Funktion von Mac-OS X 10.4 Tiger vorstellte. Unter den Neuerungen war auch Dashboard, Umgebung für kleine Desktop-Programme, die Apple Widgets nannte. Erfunden hatte das Apple nicht selbst, ein ähnliches Konzept hatte es schon unter Windows mit dem Active Desktop gegeben. Vor allem jedoch kopierte Apple dreist die Shareware Konfabulator, lautete der Vorwurf. Dessen Hersteller Pixoria sah von heute auf übermorgen sein Geschäftsmodell komplett überholt, niemand würde mehr unter Tiger die für 20 US-Dollar angebotene Software benötigen. Immerhin blieb Pixoria und seinem Gründer Arlo Rose noch etwas Gandenfrist, von der Vorstellung des Tigers zur WWDC 2004 im Juni bis zum Erstverkaufstag des Betriebssystems Ende April 2005 . Drei Monate später konnte Rose seine Firma samt ihres einzigen Produktes und seiner selbst an Yahoo verkaufen, Konfabulator ist in die Yahoo Widgets aufgegangen. Keineswegs verschweigen wollen wir aber die Tatsache, dass Microsoft das Konzept zurück kopierte und mit Windows Vista Desktop-Programme als Gadgets ablaufen lässt...

Dashboard, das in Java Script und HTML programmierten Widgets einige Grundfunktionen bereitstellt, so dass die kleinen Programme nicht auf tiefere Schichten des Betriebssystems zurückgreifen müssen, lässt sich als Desktop hinter dem Desktop verstehen. Erst die flachen Aluminiumtastaturen, die Apple seit etwas mehr als einem Jahr ausliefert, bieten einen intuitiven Zugang zum Armaturenbrett des Mac. Die Taste F4 öffnet den Desktop hinter dem Desktop, ältere Systeme nutzen in den Standardeinstellungen die Taste F12 für den Aufruf des Dashboard. Die Auswahl an Widgets für Mac-OS X ist riesig, allein Apple bietet auf seinen Downloadseiten mehrere Hundert Kleinstprogramme an.

Der Begriff Widget/Gadget/Applet ist jedoch nicht auf den Desktop eingeschränkt, im Gegenteil zeigen die kleinen Applikationen von Google, Yahoo und Konsorten, wie Desktop und Web immer mehr zusammenwachsen. Apple hat mit dem nächsten Betriebssystemupdate auf Mac-OS X 10.5 Leopard das Widgetkonzept weiter ausgebaut. Mit Dashcode ist eine Entwicklungsumgebung hinzugekommen, die das einfache Programmieren kleinerer Applikationen verspricht. Noch flotter zum "eigenen" Widget kommt man freilich mit der Safari-Funktion Web-Clip. Markiert man einen interessanten Bereich einer Website, legt der Apple-Browser auf Wunsch davon ein Widget für Dashboard an. So lässt sich etwa aus einem Chart der Apple-Aktie auf einer der einschlägigen Wirtschaftswebsites schnell ein eigenes Aktienwidget erstellen. Bei allem Respekt: Einen derartigen Funktionsumfang hatte der Konfabulator nicht zu bieten.

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