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Das ABC des Macintosh - X wie X11

13.10.2008 | 10:46 Uhr |

Open Office 3.0 steht vor der Tür: Endlich wird die Open-Source-Software wie ein Mac-Programm aussehen, wenn sie auf Aqua zurückgreift. Bisher brauchte man das X Window System, um auf das Microsoft’sche Office-Paket komplett verzichten zu können.

Es soll unter Macianern noch Puristen geben, die sich standhaft weigern, Programme von Microsoft auf ihre Macs zu installieren. Erfreulich: Das funktioniert. Ab Werk liefert Apple fast alles mit, was man braucht, mit iWork steht für 79 Euro optional ein Office-Paket zur Verfügung, dessen Funktionsumfang kaum Wünsche übrig lässt. Und doch kommt man immer wieder mal an den Punkt, an dem Numbers, Pages und Keynote nicht weiterhelfen.

Nun ist Office 2008 nicht gerade ein Software-Schnäppchen, mit Open Office steht jedoch eine Lösung parat, die bei vielen Kompatibilitätsproblemen weiter hilft. Der Haken an der Sache: Open Office sieht (noch) ganz anders aus, als jede andere Mac-Software.

Mit Mac-OS X führte Apple die Benutzeroberfläche Aqua ein, bunte Knöpfe, edel gestaltete Fenster und hilfreiche Funktionen sollten das Arbeiten am Mac nicht nur weiter erleichtern, sondern den Nutzer schon durch den bloßen Anblick erfreuen. Unter Mac-OS X 10.5 Leopard hat Apple die Oberfläche soweit vereinheitlicht, dass man schon fast nicht mehr merkt, ob man jetzt in iTunes oder im Finder unterwegs ist. Selbst die Komponenten von Microsoft Office 2008 sehen wie echte Mac-Software aus. Und dann kommt Open Office daher.

Damit Open Office auf dem Mac überhaupt läuft, muss der Window-Server X11 auf der Maschine installiert sein. Keine Angst, nur der Name erinnert an das Betriebssystem aus Redmond, X11 hat mit Windows aber nichts zu tun. X11 heißt korrekt X Window System und hilft einfach gesagt Software dabei, grafische Benutzeroberflächen zu erzeugen. X11 geht dabei nicht so starr vor wie Aqua, zu dessen Aufgaben es auch gehört, Fenster zu zeichnen. So bestimmt im wesentlichen der Programmierer der Software, wie sie unter X11 auszusehen hat. Open Office hat seinen Ursprung in Star Office der Hamburger Star Division, die 1999 von Sun Microsystems übernommen wurde. Der neue Besitzer hat den Quellcode unter Open-Source-Lizenz gestellt, rasch entstanden Versionen der Bürosoftware für Windows und Linux. Genau so sieht Open Office auch heute noch aus: Wie für Windows oder Linux gemacht. Dass die Software überhaupt auf dem Mac läuft, ist einerseits dem Umstieg Apples auf das Unix basierte Mac-OS X zu verdanken und eben andererseits auf das X Window System, das sich in Koexistenz mit Aqua betreiben lässt. Bei der angepassten Installation von Mac-OS X 10.5 lassen sich die Komponenten zwar abwählen, einmal mitinstalliert, nehmen sie im System und auf der Platte nicht nennenswert Platz weg.

Open Office ist der populärste Einsatzzweck für X11. Dieser dürfte sich bald überholt haben. Mit Neo Office ist schon länger eine Open-Office-Variante mit Aqua Oberfläche erhältlich, auch das "Mutterschiff" Open Office soll in Kürze als Aqua-Version für den Mac bereit stehen. Unsere Prognose: Der zunehmende Erfolg des Mac wird X11 immer mehr in Vergessenheit geraten. Dennoch ist es beruhigend, dass mit dem X Window System der Mac für praktisch jede Unix/Linux-Anwendung geeignet ist.

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