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Das Ding aus einer anderen Welt

24.10.2001 | 00:00 Uhr |

Apple hat das Geheimnis um sein "digital device" gelüftet. iPod heißt der MP3-Player, der sich automatisch mit einer neuen iTunes-Version synchronisiert.

München/Macwelt - Gestern hat Apple das Geheimnis um das letzte Woche angekündigte "device" gelüftet. Spannend machte der Mac-Hersteller jedoch die Präsentation des MP3-Players iPod vor der in München versammelten deutschsprachigen Presse. Während ab 10 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) in Cupertino Steve Jobs das Gerät präsentierte, das mit Firewire-Schnittstelle und interner 5-GB-Festplatte ausgestattet ist, auf die bis zu 65 Stunden Musik im MP3-Format (Samplerate von 160 Kbps) passen, mussten sich die rund 200 Kollegen im Lokal "Next Door" bis etwa 21:30 Uhr gedulden, bis sie den iPod zu Gesicht bekamen. In der Zwischenzeit hielt Apple sein Publikum mit einer einstündigen Präsentation über die Geschichte der digitalen Musikbearbeitung von 1961 bis heute bei Laune.

Der iPod mit einer Bauhöhe von 1,8 Zoll ist im iBook-Design gehalten, das Gesamtgewicht beträgt 185 Gramm. Der Clou soll jedoch die laut Apple einfache Synchronisation mit der hauseigenen Jukeboxsoftware sein. Schließt man den iPod an seinen Mac mit Firewire-Schnittstelle und Mac-OS 9.2 oder Mac-OS X 10.1 an, synchronisiert er sich automatisch mit iTunes. Dabei setzt das Gerät jedoch die neue Version iTunes 2 voraus, die ab Anfang November zum kostenlosen Download auf den Apple-Servern bereit stehen soll. Während des MP3-Abgleiches lädt iPod auch seinen Lithium-Polymer-Akku wieder auf, der 10 Stunden Dauerbetrieb gewährleisten soll. Alternativ bietet Apple jedoch ein externes Ladegerät an, dies kostet jedoch rund 125 Mark extra.

Neben MP3s - bis zu einer Samplingrate von 320 Kbps - spielt Apples neues Musikgerät auch Soundateien in den Formaten MP3 VBR (variable Bit-Rate), WAV und AIFF ab, dank einer upgradebaren Firmware soll iPod auch mit zukünftigen Audio-Formaten umgehen können.

Der integrierte Verstärker schickt Musik in Frequenzen von 20 bis 20.000 Hz mit einer Leistung von 30 mW pro Kanal auf die mitgelieferten Kopfhörer, mit einem Adapter lässt sich der iPod auch an die heimische Stereoanlage anschließen oder dient im Auto als Ersatz für Kassetten oder CDs. Die Impedanz von 32 Ohm könnte jedoch zu qualitativ minderwertigem Sound an älteren Verstärkern führen.

Auf einem 160 mal 128 großen monochromen Display mit Hintergrundbeleuchtung stellt iPod Playlisten und die MP3-Bibliothek dar, die Navigation durch die Daten erfolgt mit einem Scrollrad.

Zeitgleich mit der MP3-Hardware bringt Apple auch eine neue Version seiner MP3-Jukeboxsoftware heraus. iTunes ist nicht nur Mindestvoraussetzung für den Einsatz des iPod, zudem bietet das Programm neue Funktionen wie das Brennen von MP3-CDs, Überblendungen oder einen Equalizer. iTunes 2 wird es für Mac-OS 9 und Mac-OS X ab Anfang November als kostenlosen Download von den Apple-Servern geben. Für Samstag, den 10. November hat Apple den Verkaufsstart des iPod geplant. Zusammen mit einem Firewierkabel, den Ohrstöpseln und einer iTunes2-CD soll "the device" inklusive Mehrwertsteuer 520,84 Euro (1018,67 Mark) kosten. pm

Kommentar: Wer braucht den iPod wozu?

Mal wieder waren die Erwartungen hoch im Vorfeld der Präsentation des iPod, ein MP3-Player mit hoher Speicherkapazität und schneller Schnittstelle ist dabei heraus gekommen. Wen Apple als Käuferschicht im Auge hat, zeigen die deutschen Webseiten des Mac-Herstellers. Erstmals bietet uns Steve Jobs Firma kollektiv das "Du" an und belehrt uns altväterlich: "Stiehl keine Musik!". Ein Kaufpreis von über 1.000 Mark macht den iPod aber nicht gerade zum Schnäppchen für Bezieher von Taschengeld.
Das Konkurrenzprodukt D.A.P Jukebox soll ab Januar mit einer Firewireschnittstelle kommen, die Kapazität beträgt jedoch 20 GB, das Gerät von Nomad kann darüber hinaus eine jede Tonquelle aufnehmen und in das MP3-Format wandeln.
Bleibt abzuwarten, ob das schicke Design und die smarte Kopplung an iTunes musikbegeisterte Apple-Fans zum Kauf überzeugen.
Um jetzt auch altväterlich zu wirken: Läuft man ständig mit iPod-Stöpseln in den Ohren herum, droht alsbald die Schwerhörigkeit. Der Einsatz im Auto oder an der Zweitstereoanlage erscheint sicherlich attraktiver.
Immerhin bietet sich der iPod nicht dazu an, Musik schwarz zu kopieren. Ganze Plattensammlungen ließen sich unter iTunes-Anwendern in kürzester Zeit austauschen, wenn das Gerät Synchronisation in beiden Richtungen vorsehen würde. Aber du sollst ja nicht stehlen.
Peter Müller

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