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Das Ende der Pentium 4-Architektur

07.05.2004 | 15:06 Uhr |

Intel will den Prescott-Nachfolger 'Tejas' nicht mehr weiter entwicklen. Das Ende des Pentium 4 ist nah.

Die britische IT-Newsseite The Inquirer ließ gestern eine Bombe platzen, andere Publikationen wie das Wall Street Journal bestätigten kurz darauf: Intel soll heute noch offiziell die Einstellung der Entwicklung des für das zweite Quartal 2005 geplanten Prozessors "Tejas" bekannt geben. Dieser sollte eigentlich auf den Anfang Februar vorgestellten Prescott folgen.

Intels Entscheidung hätte extrem weit reichende Konsequenzen, eine Lücke in Intels Roadmap würde weit aufklaffen.
Zunächst würde dies bedeuten, dass Intel höchstwahrscheinlich auch die Entwicklung von "Cedarmill", dem Nachfolger des Tejas einstellte, denn laut Intel-Roadmap sollte der Tejas sich zu dieser Dual-Core-Version weiterentwickeln. Auch Pläne für die Pentium-4-basierten Xeon-Prozessoren "Potomac", "Tulsa" und "Jayhawk" will Intel laut Inquirer nicht mehr weiter verfolgen, lediglich die schon fertige Xeon-DP-Version des Prescotts, Nocona soll noch auf den Markt kommen.

In der Gerüchteküche gilt schon lange als offenes Geheimnis, dass Intel von der extrem Strom fressenden Pentium-4-Architektur weg will und hin zu der in Israel gestalteten Strom sparenden, aber deutlich niedriger getakteten Pentium-M-Architektur ("Banias"). Intels neues Benennungs-Schema, das den Fokus von MHz als Maßstab weglenken soll, war ein mehr als deutlicher Hinweis darauf.
Seit letztem Jahr verschiebt Intel auf seiner Roadmap geplante Einführungsdaten immer wieder nach hinten, ein deutlicher Hinweis auf Probleme beim Chip-Weltmarktführer. Ursachen sollten in der Fertigung zu finden sein: Der 90nm-Prescott, der ursprünglich für August 2003 versprochen war, kam im Februar 2004 auf den Markt und ist auch heute noch nicht in großen Stückzahlen verfügbar. Der Tejas, der mit 4.4GHz im 65nm-Prozess debütieren sollte, sah seine Premiere vom vierten Quartal 2004 auf das zweite Quartal 2005 verschoben - der letzte Vorhang fällt wohl nun schon vor dem Debüt. Aber auch den in 90nm gefertigten Nachfolger des Banias, "Dothan" hat Intel immer weiter nach hinten verschoben, ein weiterer Hinweis darauf, dass die Verzögerungen an Intels 90nm-Fertigungsprozess liegen könnten. Dothan soll nun am Montag endgültig das Licht der Welt erblicken, mit bis zu 2GHz Taktrate und 2MB Cache ausgestattet.

Eine Einstellung des Tejas würde nun bedeuten, dass Intel den viel Energie verbrauchenden Prescott und seinen Xeon-DP-Bruder Nocona bis Ende des Jahres noch bis maximal 4 GHz "quält" - höher wird die Taktrate danach nicht mehr. Denn die Umstellung der Desktop-Linie auf die Geringverbraucher der Banias-Linie war ursprünglich erst für 2006 mit dem übernächsten geplanten Pentium-M-Chip Merom geplant. Neueste Gerüchte besagen, dass Intel die Umstellung nun 2005 auf Jonah, dem direkten Dothan-Nachfolger, vollziehen will.

Während Jonah "nur" als Dothan mit zwei Cores in 65nm geplant ist, stellt erst Merom - mit einem Prozessorkern- die neue Generation des Israel-Designteams dar, die dem Pentium-M Pentium-4-Features wie Hyperthreading, LaGrande und 64bit-Unterstützung bringen wird. Nach Merom soll auch 2006 Conroe kommen, ein Merom in Dual-Core-Version.

Ursprünglich wollte Intel sich also mit Tejas und Cedarwood bis 2006 mit der Pentium-4-Architektur "retten" um dann langsam auf Pentium-M umzustellen, aber die massiven Fertigungsprobleme haben die Planungen ungewollt um ein bis zwei Jahre vorverlegt.
Wenn AMD Intels Straucheln zu nutzen weiß und :seinen Marktanteil weiter ausbaut , kostet das Intel nicht nur Desktop-Marktanteile sondern reduziert auch die Chancen, die Itanium-Linie am Markt zu etablieren weiter. Denn je mehr Athlon64- und Opteron-CPUs AMD verkauft, umso schwieriger wird der Mark für Intel. Da ein 64bit-Pentium-M aber erst 2006 mit dem Merom verfürbar sein wird, und der Prescott Ende 2004/Anfang 2005 das Ende der Fahnenstange erreicht, könnte das Ganze auch eine Strategie von Intel darstellen, eine zu starke Etablierung von AMDs x86-64 am Markt zu verhindern. Denn nach dem Prescott und seinem Xeon-DP-Bruder Nocona gibt es bis zum Merom keine x86-64bit-kompatiblen CPUs von Intel.
Erst für 2007 plant Intel, mit einer gemeinsamen Plattform Itanium und Xeon mit einer gemeinsamen Motherboard-Architekturzu "verheiraten" um die sehr hohen Preise für Itanium-Systeme zu drücken.
Während für Desktop-Systeme 2005 schon Pentium-M-Nachfolger bereit stehen könnten, kommen entsprechende Xeons falls Nocona, Jayhawk und Tulsa wirklich eingestellt wurden erst 2006 aus Indien. Dort soll laut der britischen IT-Newsseite The Register der Banias-basierte Whitefield mit vier Cores entstehen. Die Banias-Core ist allerdings nicht 64bit-fähig, obwohl denkbar ist, dass The Register mit "Banias" generell die Pentium-M-Architektur meint , und nicht nur diese Version des Kerns.
Der Xeon-MP für Multiprozessorsysteme über zwei CPUs hätte mit der Einstellung des Potomac allerdings von jetzt bis 2006 gar keine 90nm-Nachfolger, es steht zu erwarten, dass Intel diese Lücke wohl gerne mit Itanium-Chips füllen würde. Dann wäre jedoch schleierhaft, warum in Indien momentan sich Ingenieure um einen Pentium-M-basierten Xeon MP kümmern.

Man fragt sich, wie einem Chipgiganten wie Intel eine derartige Fehleinschätzung unterlaufen kann. Aber das Design einer CPU ist eben eine Sache, die Fertigung eine andere. Das Design einer CPU steht viele Jahre vor der Fertigung fest, in der Erwartung, dass entsprechende Prozesse rechtzeitig verfügbar sind. Falls dann vorher nicht abschätzbare Fertigungsprobleme auftauchen und man die CPU nicht wie geplant bauen kann, macht dies die Designarbeit von Jahren zunichte. Und die Umstellung auf 90 Nanometer ist allgemein schwieriger als erwartet, denn es scheint ein industrieweites Problem zu sein: IBMs hat, wie spätestens seit der Apple-Quartalskonferenz bekannt, ja auch seine Probleme mit ihren 90nm-CPUs und AMD hat sogar noch gar keine 90nm-CPUs. Bei solchen Voraussetzungen ist aber fraglich, wie Intel schon 2005 Chips im 65-Nanometer-Verfahren produzieren will.

Update

Intel hat die Einstellung des Tejas und Jayhawk mittlerweile bestätigt. Desweiteren bestätigte Intel auch, dass die Dual-Core-Einführung von 2006 auf 2005 vorverlegt werden soll, der Chipgigant wollte sich aber leider nicht dazu äussern, auf welchem Kern diese Chips basieren werden. Desweiteren widerspricht nun The Register der Inquirer-Meldung, dass Intel die die Design-Teams für die Xeon MPs Potomac und Tulsa aufgelöst hat und zitiert Intel, dass diese Chips wie geplant kommen sollen.

Info: http://www.theregister.co.uk/2004/05/07/intel_kills_tejas/

Info: http://www.theinquirer.net/?article=15749
http://www.theinquirer.net/?article=15768
http://www.theregister.co.uk/2004/05/05/whitefield_intel_deets/
http://www.theregister.co.uk/2004/04/27/intel_desktop_notebook/

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