890992

Das Ende des Kabelwirrwarrs oder Bluetooth am Mac

22.04.2002 | 14:59 Uhr |

Dank Bluetooth wird sich für digitale Nomaden der Internetzugang von unterwegs erleichtern. Ein erster Praxistest.

München/Macwelt - Der Traum mancher mobiler Mac-User von Online-Verbindungen mit einem Mobiltelefon ohne lästige Kabel oder problematische Infrarotverbindungen wird wahr. Das Zauberwort heißt Bluetooth und mit der in diesem Monat von Apple freigegebenen Software und dem in Kürze erhältlichen USB-Bluetooth-Adapter erschließt sich die von Ericsson entwickelte Technologie nun auch Macianern.
Mit Unterstützung von Higoto hatten wir als erstes Macintosh-Magazin in Europa die Gelegenheit, die neue Technologie einem ausführlichen Praxis-Test zu unterziehen.

Für eine Online-Verbindung über Bluetooth benötigt man neben einem Mac mit freiem USB-Anschluss und Mac OS X ab Version 10.1.3 sowie der Apple Bluetooth Technology Preview 1 noch einen Bluetooth-Adapter und ein Bluetooth-Handy.
Die Software bietet Apple zum kostenlosen Download von seiner Website an, der Adapter kostet knapp 70 Euro.

In unserem Test verwenden wir ein aktuelles iBook und das Bluetooth fähige Handy Ericsson R520m mit einer Vodafone-D2-Karte mit aktiviertem HSCSD-Dienst (High Speed Circuit Switched Data).
Neueste Geräte wie das Sony Ericsson T68i oder das Nokia 6310i ermöglichen sowohl HSCSD- als GPRS-Datenverbindungen. Von den fünf deutschen Mobilfunknetzbetreibern unterstützen Vodafone D2, E-Plus und Quam den HSCSD-Dienst, der mehrere Kanäle bündelt und Geschwindigkeiten von bis zu 43,2 kBit/s ermöglicht. T-Mobile und O2 (Viag Interkom) erfordern für höhere Geschwindigkeiten eine GPRS-Datenverbindung. Hierbei wird vor allem das Surfen im Internet aber schnell zur Kostenfalle, da der Provider die Datenmenge abrechnet. Für eine Webseite mit 100 KB werden dann schnell 2,50 Euro fällig. Hinzu kommen oftmals unübersichtliche Tarifstrukturen mit Tagesnutzungs- oder Stundennutzungspreisen oder monatlicher Grundgebühr mit freiem Datenvolumen. Die Preise für eine HSCSD-Datenverbindung hingegen richten sich nach dem gewählten Vertrag und liegen oft unter den Preisen für Sprachtelefonie. Eine Minute bei Vodafone D2 kostet über eine netzinterne Einwahlnummer beispielsweise tagsüber knapp 0,20 Euro und ab 22 Uhr die Hälfte.
Verbindungen via GSM enttäuschen wegen ihrer geringen Geschwindigkeit von maximal 14 kBit/s

((ZÜ))
Hallo iBook, hier Handy

Vor der ersten Surftour sind einige Grundeinsstellungen erforderlich.
Zunächst muss man das Mobiltelefon einmalig mit dem Mac verbinden. Unser Ericsson-Handy listet im Menü "Extras" den Punkt "Bluetooth" auf. Wir wählen darunter "Erkennen möglich" aus und tippen einen Namen für das Telefon ein, das anschließend ein Signal aussendet, um sich dem Mac zu identifizieren. Über das Bluetooth-Symbol in der Menüleiste des Mac wählt man nun den Punkt "Nach Telefonen suchen..." aus.
Nach kurzer Suche findet der Mac das Mobiltelefon und nach einem Mausklick auf den Button "Verbinden" fragt er nach einer Gerätekennung. Eine beliebig gewählte vierstellige Zahlenkombination dient zur eindeutigen Erkennung des Mobiltelefons, für den Fall, dass mehrere Bluetooth-Geräte mit dem Rechner kommunizieren. Die Gleiche Kennung fordert nun auch das Handy, damit unter dem Menüpunkt "Gekoppelte Geräte" ein Symbol eines Computers und der Name des Macs zu sehen sind.

Der richtige Zugang


Jetzt verbinden wir mobile Duo mit dem Internet. Dazu legen wir in der Systemeinstellung "Netzwerk" eine neue Umgebung an. Wie bei anderen Modem-Verbindungen auch, gehören in die Felder unter dem Reiter "PPP" die Zugangsdaten des Mobilfunkanbieters. Bei Vodafone D2 sehen diese wie folgt aus:

Internetanbieter: Vodafone
Telefonnummer: +49172229000
Account-Name: beliebig
Kennwort: beliebig

Unter "TCP/IP" wählen wir die Konfiguration "PPP", als Modemscript verwenden wir die unter "Modem" angebote Software von Ericsson (Ericsson T39:R520 mit max. 28,8 kBit/s). Die Einstellungen unter "Proxies" lassen wir alle deaktiviert

Nun steht dem mobilen Surfen oder E-Mailen nichts mehr im Wege. Steckt man den Bluetooth-Adapter in einen USB-Port ein und aktiviert die vorher definierte Netzumgebung, baut der Mobilrechner eine Internetverbindung mit Internet Connect oder durch Browser-Start auf. Es spielt keine Rolle, ob das Mobiltelefon neben dem Mac, auf dem Schreibtisch oder in der Tasche liegt. Ohne die Gefahr eines Systemabsturzes lässt sich der Bluetooth-Adapter nach Verbindungsende abziehen.

Fazit


Die Bluetooth-Technologie will nicht zu Apples Airport in Konkurrenz treten, sondern soll den WLAN-Standard ergänzen. Mobilfunkdienste sind im Gegensatz zu IEEE-802.11-Netzen flächendeckend verfügbar.
Für digitale Nomaden mit einem iBook oder Powerbook dürfte Bluetooth schon bald nicht mehr aus dem mobilen Alltag wegzudenken sein und es wäre wünschenswert, wenn Apple in der nächsten Generation seiner mobilen Macs diese Technik direkt einbaut.
Dirk Ellenbeck

0 Kommentare zu diesem Artikel
890992