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Das Web erreicht nun auch das Handy

11.02.2008 | 09:58 Uhr |

Das Internet wird für Handy-Nutzer zunehemend attraktiver. Seit Ende letzten Jahres bietet der britische Mobilnetzbetreiber 3 das Skype-Handy zur kostenlosen Internettelefonie und zur Instant-Messaging-Nutzung an. Andere Unternehmen ziehen nach.

DÜSSELDORF. Ein bisschen widersinnig mutet es schon an, das Skype-Handy. Mit dem PC umsonst über das Internet zu telefonieren, ist eine feine Sache, doch dafür extra ein Handy anschaffen? Aber klar, denn das ist der Trend: Alle Dienste, die im Internet stark nachgefragt werden, lernen das Laufen: Musik, Videos, Spiele, E-Mails, Navigation und Social Networking. Das rundum internetfähige Handy wurde lange beschworen, jetzt wird es Wirklichkeit - mit Innovationen wie dem iPhone oder nun dem Skype-Phone an der Spitze.

Seit Ende letzten Jahres bietet der britische Mobilnetzbetreiber 3 das Skype-Handy zur kostenlosen Internettelefonie (Voice over IP) und zur Instant-Messaging-Nutzung an. Wer umsonst innerhalb der Skype-Gemeinde telefonieren möchte, muss nur eine spezielle Taste in der Cursor-Steuerung drücken, schon wird ohne Fummelei die VoIP-Verbindung aufgebaut.

Das UMTS-fähige Gerät verfügt neben Kamera und MP3-Player über Java und einen Internet-Browser. Videostreams und Videotelefonate sind auch möglich. Ob das unter anderem in Italien, Dänemark und Österreich erhältliche Gerät allerdings nach Deutschland kommen wird, ist ungewiss. "Mobilfunk-Betreiber untersagen die VoIP-Nutzung über ihre Netze und behalten sich technische Sperren vor", sagt Manfred Breul, Telekommunikationsexperte beim Branchenverband Bitkom. Außerdem bezweifelt er, dass die Sprachqualität hierzulande jeden überzeugen dürfte.

Insgesamt beobachtet Breul für das mobile Internet eine steigende Marktakzeptanz: "Die Welt des Internets wird für die Handy-Nutzer attraktiv." In vielen Köpfen habe bislang das Vorurteil gesteckt, dass mobiles Internet teuer, umständlich und nur eingeschränkt nutzbar sei. "Das ist nicht der Fall, und das wird immer mehr Nutzern bewusst", bekräftigt Breul. Zum einen bröckeln die Datentarife der Mobilfunkanbieter, so dass schon ab zehn Euro im Monat unterwegs im Web gesurft werden kann. Breul: "Manch einer überlegt sich, ob er noch einen DSL-Anschluss braucht."

Zum anderen entdecken Google & Co den Mobilfunk, wollen entweder in diesem Sektor aktiv werden oder passen ihre Inhalte und Dienstleistungen mobilen Belangen an. Immer mehr Webseiten werden optimiert, damit sie in der "mobilen Variante" auch funktionieren. So ist bei der Bahn die Fahrplanabfrage und Buchung schon einfach aufgebaut und gut lesbar.

Google sendet ein deutliches Signal: Der Internet-Gigant hat jüngst eine Mobilfunkallianz mit 33 führenden Firmen der Branche geschmiedet, darunter T -Mobile, China Mobile, HTC und Motorola. Auf deren Handys soll das offene Betriebssystem Android laufen, womit ein direkter Angriff auf Windows Mobile von Microsoft gestartet wird.

Erste Geräte mit der Plattform, deren Web-Browser alle Unterschiede zwischen Internet und Handy verwischen soll, werden ab Jahresmitte verfügbar sein. Sämtliche Anwendungen seien dann, so die Versprechung, ohne Einschränkungen unterwegs zu nutzen. Selbst Spiele müssten nicht mehr aufwändig umprogrammiert werden. Breul ist sicher: "Wenn Internetgrößen, wie das jetzt geschieht, auf den mobilen Markt setzen, ist das ein gewaltiger Schub für alle Beteiligten."

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